Sportfilme haben immer einen schweren Stand und Golf ist auch noch der Paria unter den Geknechteten. Elitärer Sport, wenig aufregend, ruhige Bilder - da muß man schon dick mit Stars kommen, wenn man da noch was ausrichten will. So geschehen in dem überlangen, furchtbar öden "Tin Cup" und ebenso getan in "Die Legende von Bagger Vance". In letzterem Fall etwas gelungener.
Sagen wir es positiv vorneweg: "Bagger Vance" ist ein wunderschön anzusehender Film. Der deutsche Kameramann Michael Ballhaus fängt wunderschöne Bilder aus dem Süden der USA komplett mit dem Lokalkolorit der 30erJahre ein, bunt, harmonisch und wohlkomponiert.
Gut dazu passend der überaus positive Grundton, der nicht nur für Golf gilt, sondern reichlich allgemeine Lebensweisheiten mitliefert, wobei der Sport nur eine Metapher für das Leben darstellen soll, in das Matt Damons Charakter zurückkehren soll.
Wie schon bei "Aus der Mitte entspringt ein Fluß" schafft es Redford, seine Geschichten geradezu magisch zu bebildern, obwohl wenig Spektakuläres zu sehen ist. Woran es manchmal hapert, ist, das Zuschauerinteresse wirklich einzufangen. War "Aus der Mitte.." zwar wunderschön anzusehen, aber erzählerisch eine Totalkatastrophe, ist "Die Legende..." ein wenig geschickter und linearer, doch Mängel gibt es auch hier zuhauf.
Wenn es eins zu beklagen gibt, dann daß das Drehbuch mit der Moralpredigt bzw. der Rückgewinnung des Lebensmuts/sinns viel zu genau nimmt. Die erste Viertelstunde ist vollgeproppt mit schnell erzählter Vorgeschichte, dick aufgetragen und dramaturgisch holprig. Danach führt uns der Jahrzehntsprung nach 1930, wo die eigentliche Handlung rund um das Golfturnier und die Rettung Damons sich entrollt. Endlich begonnen, wird daraus ein brauchbares Sportfilmchen aus alter Zeit, doch leider wenig mehr.
Da helfen auch die namhaften nur wenig. Damon schafft zwar problemlos den jugendlichen Champion und den Soldaten, sieht aber auch 10 Jahre später kaum verändert aus. Darüber hinaus ist seine Figur bis auf sein Kriegstrauma bügelflach und selbst das Trauma wird nie richtig ausgearbeitet, hat weniger mit psychischem Defekt, als vielmehr mit Scham und Zurückgezogenheit zu tun. Ein heiteres Gegengewicht dazu ist der geheimnisvolle schwarze Caddy Bagger Vance alias Will Smith, der als weiser Guru recht locker daherkommt, scheinbar immer genau weiß, was zu tun und immer genau das sagt, was nötig ist. Smith hat wenig zu tun, außer lakonisch Damon zu widersprechen und von seinem Strahleheldimage Abschied zu nehmen und das ist auch gut so. Obwohl im Cast an erster Stelle, ist seine Rolle eher zweitrangig und wird nie zu sehr nach vorn gedrückt. Das Skript gönnt sich den Luxus, seine Existenz nie ganz zu klären (ob nun weiser Mann oder Engel), aber das ist auch nie von Bedeutung. Theron ist sehr gut als schwungvolle Südstaatenschönheit und zieht so richtig vom Leder, was bei dem ehrerbietigen Ton eine Wohltat ist. Leider bleibt ihre Beziehung zu Damon nur Fassade, weder vor noch nach dem Krieg und was die beiden verbindet oder nicht, fällt flach.
Wesentlich schöner da der Off-Kommentar (im Original von Jack Lemmon, der auch in der Rahmenhandlung spielt), der mehr Aufschlüsse vermittelt, als es die Bilder jemals vermögen und die beiden Konkurrenzspieler, die mit mehr Feingefühl konstruiert wirken, als die grobgezeichneten Hauptcharaktere.
Wenn das Turnier dann erst mal rollt, haben Sportfimfans dann doch noch etwas zu gucken, einige feine Löcher werden da dann abgespult, ohne jetzt den nötigen Over-the-top-Standard zu erreichen, aber komplett mit Versagen-Selbstfindung-Auftrumpfen-Selbstüberschätzung-Triumph, was die Zugänglichkeit erhöht.
Redford muß also noch einiges erzählerisch lernen, dafür schafft er die prunkvolle Bebilderung sehr gut (auch wenn die Kostüme etwas dick aufgetragen und das Leben im Süden sehr verklärt wiedergegeben werden). "Bagger Vance" ist ein Film zum Schauen, nicht leer, aber mit überraschend plattem Inhalt. Anspruchslose und Leute mit Hand zur Selbstfindung werden vermutlich ins Schwärmen geraten, ich begnüge mich mit einem "er war schön, so lange er dauerte", aber auch nicht mehr (6,5/10)