Review

Staffel 1

Als die erste Staffel „Sex and The City“ vor fast zehn Jahren das Licht der Welt erblickte entwickelte sich im Handumdrehen ein gewaltiger Hype um die Serie und schnell stand fest: Ein neuer Kult ist geboren. Es liegt auf der Hand warum das Konzept so erfolgreich war und beim Publikum einschlug wie eine Bombe und zwar die weibliche Perspektive aus der geschildert wurde. Zwar traten schon in vielen vorigen TV-Serien glaubwürdige und starke weibliche Personen auf (beispielsweise Candice Bergen in der Hauptrolle der Sitcom „Murphy Brown“), kein voriger Genre-Vertreter kümmerte sich aber derart unverblümt um die Interessen des weiblichen Geschlechts oder thematisierte so intensiv die Sorgen und Nöte der Single-Frauen. Während „Murphy Brown“ und „Ally McBeal“ den Weg breiteten, erntete „Sex and The City“ am meisten Lob, die meiste Aufmerksamkeit aber litt auch am meisten und ungerechtfertigten Vorurteilen.

Im Mittelpunkt der Handlung steht die Freundschaft vierer erfolgreicher, ungebundener New Yorker Frauen in den Dreißigern. Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker) ist der Nukleus von dem der Rest der Serie abhängt, schließlich schreibt sie die titelgebende Kolumne und fungiert als Erzählerin. Ihre Kolumnen reflektieren immer ihr eigenes Privatleben und das ihrer drei Freundinnen Samantha, Charlotte und Miranda. Trotz unterschiedlicher Charaktereigenschaften und anderer Ansichten zu Moral, Leben und Liebe sind die vier immer füreinander dar und ergänzen sich auf harmonische Weise. Samantha (Kim Cattrall) ist die älteste und leitet eine exklusive PR-Agentur, ist leicht nymphomanisch veranlagt und fixiert auf sexuelle Themen. Miranda (Cynthia Nixon) ist Anwältin in einer angesehenen Kanzlei, hat immer einen zynischen Spruch parat und ist das ziemliche Gegenteil zur naiven Charlotte (Kristin Davis), welche zwar nicht dumm ist, doch von der Liebe konservative und romantisierte Vorstellungen hat. Charlotte ist Kunsthändlerin, kultiviert und hat hohe Ansprüche an ihren Zukünftigen.

Die Männer im Leben der vier Frauen kommen und gehen, wirken manchmal ein wenig profillos und wie seelenlose Austauschware. Doch das beliebte Vorurteil, die Serie wäre männerfeindlich, greift zu keinem Zeitpunkt. Erstens widmen sich auch viele Pointen dem weiblichen Geschlecht und die Schuld für schief gelaufene Beziehungen tragen keineswegs immer die Männer. Doch dazu später mehr. Schon in der ersten Episode, „Sex wie ein Mann“, wird der wichtigste männliche Charakter der Serie vorgestellt, charmant und mit ausdrucksstarkem Charisma dargestellt von Chris Noth („Law and Order“). Er spielt einen ungeheuer reichen, gut aussehenden Geschäftsmann und hat bis zur sechsten Staffel ein wechselhaftes Verhältnis zu Carrie. Dennoch erweist sich die Präsenz von Noth noch als ziemlich gering, erst später sollten seiner Figur weitere Facetten verliehen werden. Ein weiterer wichtiger männlicher Nebencharakter ist der homosexuelle Stanford, der beste Freund Carries – Willie Garson (bekannt durch diverse Nebenrollen und Serien-Auftritte) spielt seine Rolle mit sichtlichem Vergnügen und überzeugt als kultiger Sidekick.

Lediglich aus zwölf Episoden besteht die erste Staffel des Quotenhits, in denen nicht mal viel passiert. Die Protagonistinnen daten verschiedenste Arten von Männern, welche hier in der Tat oftmals stark typisiert werden und nicht immer realistisch wirken. Dabei handelt es sich aber um eine gekonnte Überstilisierung des Single-Marktes im verschwenderischen und kurzlebigen Manhattan. Ständig eröffnet ein neuer Club, die Mädels diskutieren freimütig über alle erdenklichen Trivialitäten des Großstadtlebens (mit dem Schwerpunkt auf amourösen Erlebnissen) und das größte Problem ist höchstens, morgens um drei kein Taxi nach Hause zu bekommen. Wem das zu oberflächlich vorkommt, der hat nicht ganz Unrecht, sollte aber der Serie eine Chance geben, die späteren Staffeln bieten mehr narrative Stringenz und sind auch weniger eindimensional.

Bemerkenswert sind die frischen Dialoge, in denen die Frauen kein Blatt vor den Mund nehmen. In den Medien stürzte man sich auf die vulgäre Ausdrucksweise, insgesamt wirken die Gespräche authentisch mit leichtem Hang zur Übertreibung. Da geht es oftmals provokant unter die Gürtellinie und gerade die voneinander stark differierenden Weltanschauungen der Hauptfiguren bieten Zündstoff für geistreiche Diskussionen, angereichert mit viel Wortwitz. Bei der Arbeit sieht man (mit Ausnahme von Carrie) indes nie eine der Protagonistinnen, die Handlung beschränkt sich voll und ganz auf die Freizeit. Die Emotionen stehen im Vordergrund, nicht die Handlung. So beschränkt sich diese auf das Beziehungsgeplänkel zwischen Carrie und Mr. Big, die einzelnen Episoden stehen im Grunde genommen für sich und stellen einzelne Anekdoten ohne großen Zusammenhang dar. Vielmehr werden die ersten zwölf Testepisoden ausgiebig genutzt um den Zuschauer mit den Figuren vertraut zu machen und Sympathien bzw. Identifikationsmöglichkeiten aufzubauen. Auf spannende Cliffhanger verzichtet man bewusst und auch der Verzicht auf simplen Moralismus sorgt dafür, dass niemals Soap-Klischees aufkommen.

Doch nicht nur Sex spielt eine Rolle sondern auch The City. New York. Manhattan. Exzellent gefilmte Szenen vermitteln ein sehr schön romantisiertes Bild der Metropole und sorgen für Schauwerte. Zahlreiche Außenaufnahmen lassen das richtige Feeling aufkommen und die abwechslungsreichen Kulissen bieten mehr als das übliche Sitcom-Einerlei. Angesagte Bars, Restaurants, Discotheken, Geschäfte und Clubs bilden den Hintergrund, machen deutlich, dass es sich um die High Society handelt. Für eine TV-Serie zeigt man zwar relativ viel nackte Haut, die verbalen Auseinandersetzungen mit dem Thema Sex sind aber weitaus expliziter als die eigentlichen erotischen Szenen. Vielmehr sind die unterschiedlichen Sexualpartner aufgrund ihrer Mankos und seltsamen Neigungen nicht selten Auslöser für die Situationskomik.

„Sex and The City“ machte alle vier Hauptdarstellerinnen auf Anhieb zu Stars, insbesondere aber Sarah Jessica Parker, die zu einer der begehrtesten Darstellerinnen Hollywoods avancierte und darüber hinaus auch zur Modeikone und zum Werbestar. In Deutschland fand sich die Fangemeinde genauso schnell wie in den USA, Frankreich, Italien und vielen weiteren Ländern, was nicht zuletzt an der großen Präsenz in den Medien liegen dürfte.

Fazit: Darren Star punktet mit einem gut überlegten, innovativen Konzept und beweist Gespür für die richtige Besetzung. Das moderne Bild der Karrierefrau traf genau den Nerv der Zeit und fand einen eigenen Stil – noch 82 Episoden sollten folgen und den Kult manifestieren. Auch Männer können Spaß an der Serie haben, viele werden sich aber schwer tun mit der selbstbewussten weiblichen Perspektive.

Knappe 06 / 10 für die erste Season

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