„Tödliche Nähe“ markiert, von Kritikern gesehen die Durchhängephase in der Karriere von Bruce Willis, die mit „Last Boyscout“ und vor allem „Hudson Hawk“ angeblich neue Tiefpunkte erreichte und erst mit „Pulp Fiction“ wieder den Weg nach oben nahm.
Ganz so schlimm ist der Film aber doch nicht, denn es handelt sich immerhin um einen ordentlichen Cop-Thriller nach bewährter Bauart, bei dem der agierende Polizist durch Bekanntschaft mit den Opfern selbst zum Verdächtigen wird.
Getragen wird der Plot vor allem durch die Rivalitäten zwischen zwei Polizistenfamilien und den Kompetenzstreitigkeiten zwischen den Dienststellen von Mordkommission und Wasserschutzpolizei, noch dazu durch die hochgeputschten irischen bzw. italienischen Hintergründe.
„Striking Distance“ bietet solange solide Unterhaltung, wie man nicht tiefer gräbt im Gedächtnis und den Plot einfach mal seziert, denn dass da jemand einen persönlichen Rachefeldzug aufzieht, ist überdeutlich. Und so undurchsichtig ist die Story leider nicht, dass man nicht die Doppeldeutigkeit gewisser Szenen ahnen kann. Heißt: wir haben das alles schon mal irgendwo gesehen. Dazu kommt, daß sich alle Beteiligten der Polizistensippen, natürlich wie gewohnt italienischer und irischer Herkunft, aufführen dürfen wie in den 1993 schon seligen 80er Jahren, als man am Tatort über der Leiche noch in persönliche Scharmützel und Schlägereien ausbrechen durfte. Also motzt man sich fröhlich die Uniform voll und ein sichtlich wenig motivierter Willis schweigt sich mal wieder ketterauchend durch seine einprägsame Physis.
Die ganze Konstruktion des Racheplots ist übrigens dabei wenig logisch geraten, warum Willis sich ständig über die offensichtliche Verbindung aller Opfer zu sich selbst ausschweigt, kann wohl nur mit den angestaubten Western-Motiven in Verbindung gebracht werden, weil es mal wieder eines Lone Rangers bedarf. Ebenfalls kaum überzeugend die viel zu zierliche Sarah Jessica Parker als angebliche Polizistin und Taucherin, die natürlich als bald vor dem Testosteronbolzen dahinschmilzt.
Also Ballereien plus Familiendrama, angereichert mit einigen brauchbaren Actionsequenzen und einem Bruce, der praktisch auf Autopilot sein Pensum abspult, auch wenn das nicht immer schlecht sein muss. Auf Sarah Jessica Parker als Love Interest hätte man zwar verzichten können, aber der Held muss ja was zum In-die-Arme-Schließen bekommen.
Also ein Film, den man an Feiertagen immer wieder gern im Spätprogramm entdeckt, wenn das Festtagspensum getan und das große Essen verputzt ist und man einfach noch etwas vor der Kiste dösen möchte. Ach, der Film ist das wieder mal, wer war da noch der Killer?
Und nach 10 Minuten kommt auch der Letzte drauf... (6/10)