Es muss schon grundlegend eine masochistische Neigung vorhanden sein, um sich einen Film von Ulli Lommel, eigentlich egal welchen, bis zum Schluss ansehen zu können.
Man wird allerdings blöde, wenn man nicht nebenher noch mit Ablenkendem beschäftigt ist, denn diese einzige Lethargie von 81 Minuten beschränkt sich auf zwei Entführte in den Gewölben eines Psychopathen.
Bereits nach zwanzig Minuten kann man das sich ständig wiederholende „Acht Nägel für den Verlierer“ nicht mehr hören, welches der gesichtslose Psychopath mit verzerrter Stimme durch den Lautsprecher grummelt.
Die blonde Tara und der glatzköpfige Billy, die irgendwie in einer verlassenen Lagerhalle aufwachen, arbeiten sich von einem halbtoten Opfer zum nächsten durch, legen diese nach Ableben in den dafür vorgesehenen Sarg und basteln sich Informationen über ihren Peiniger zusammen.
Natürlich steht da „Saw“ Pate, doch uninteressanter wurde eine Kopie dessen wohl noch nie umgesetzt.
Zugegeben, der Score ist nicht übel und schwächere Darsteller hat man auch schon mal gesehen, doch der dialoglastige, überaus einseitige Ablauf könnte kaum bewegungsärmer ausfallen. Stationsweise wird von den beiden eine Person in den letzten Atemzügen vorgefunden, dieses erzählt von fragmentartigen Erinnerungen vor der Entführung, in kleinen Zwischenschnitten sieht man die Beine des Killers, wie er sich dem jeweiligen Opfer annähert und dieser Vorgang wiederholt sich mehrere Male bis zum Ende.
Splatterszenen werden lediglich angedeutet, die billige Ausstattung der Lagerhalle mit Kerzen, Puppenköpfen und aufgemalten Pentagrammen bringt null Atmosphäre und der fadenscheinige Bezug zu Lovecraft erscheint geradezu lachhaft.
Zu lachen gibt es allerdings rein gar nichts. In einem einzigen Raum spielen sich Szenen ab, die innerhalb kürzester Zeit ermüden, weil es keinen Grund für Sympathievergabe gibt und die Agierenden eigentlich überhaupt keine Aufgabe, kein einziges fieses Spiel zu bewerkstelligen haben. Dass der Psychopath selbst irgendwann einmal Opfer der Beteiligten war, ist frühzeitig erahnbar und auch zum Finale vermag das müde Script nicht eine einzige Überraschung zu bringen, selbst als der letzte Survivor sich dem Psychopathen direkt gegenüber sieht.
Erschreckend, wie begrenzt der Horizont mancher Drehbuchautoren doch ist.
Einfallslos und inszenatorisch willkürlich erscheint Lommels Produkt wie schnell abgedrehter Rotz, den man sich selbst im Vollrausch nicht mehr schön gucken kann.
Die Zettel an den Zehen der Beteiligten weisen dabei genauso irrationale Aspekte auf, wie ihr Verhalten, dem Rätsel ihres Entführers auf die Schliche zu kommen, anstatt auch nur einen Versuch zu unternehmen, die Lagerhalle zu verlassen, - denn die könnte theoretisch unverschlossen sein.
Und was der Reiter mit der weißen Maske soll, wird wohl ein ewiges Geheimnis bleiben, interessieren tut es innerhalb des Debakels ohnehin einen feuchten Kehricht.
1 von 10