Review

Ich bin der Meinung, dass jedem Kneipensport ein filmisches Denkmal gesetzt werden sollte, denn wo und wie sonst lassen sich die Dramen des "kleinen Mannes" am sportlichsten austragen? Kein Kerl von Welt hat Ahnung wie es ist die Welt zu retten oder das Super-Babe abzubekommen - aber er wird wissen wie unvergleich es ist, beim Billiard den alles entscheidenen Stoß zu setzen (oder zu versemmeln). Und man muss dabei nicht mal Haus und Hof verspielen, oft reicht auch der Respekt und die Ehre für den einen Abend, um Filme wie "Rounders" besser verstehen zu können, anstatt sich auf'm Bug eines Kahns wie der König der Welt zu fühlen...

Diverse Regisseure haben sich auf dem Terrain versucht und auch diesmal werden die ausgetrampelten "Rocky"-Pfade nicht verlassen. Natürlich weiss man wie die Geschichte vom Underdog und seiner Chance des Lebens endet - und ist daher so ziemlich mit jeder Sportart kompatibel. Für Kampftrinken vielleicht weniger, aber Billiard wurde bereits ausgiebig in muffigen Spelunken zelebriert. Es gibt einen Linklater-Film und "Absolute Giganten", in dem der Tischkicker einen großen Moment hat, die Version im Dart-Ambieten gibt's vielleicht auch irgendwo - in "Rounders" wird hingegen dem Poker-Spiel gehuldigt.
Und da macht er es dem hiesigen Eckkneipen"Tuppen"-Zocker nicht leicht: während der meisten Spiele hatte ich nicht den gringsten Schimmer, was da gerade auf den Tischen passiert. Es gibt offensichtlich dermaßen viele Variationen des Spiels und so viele spielerische Aspekte, dass man es vorbehaltlos abnimmt: Poker ist kein Glückspiel. Es ist'ne Religion ...oder zumindest ein Job.
Matt Damon spielt gefällig wie immer das aufstrebende Talent, ausgerechnet Edward Norton als unberechenbarer und kleinkrimineller Buddy hat mir weniger gefallen. Der Junge macht wie immer einen guten Job, halte ihn aber ein bißchen für fehlbesetzt, weil er es kaum schafft Sympathien zu erzeugen. Norton gefällt sich in der Rolle des Abzockers so gut, dass er gerne etwas überdreht und auch das Script hält wenige einsichtige Momente bereit. Ich trau's mich kaum zu sagen, aber da hätte mir ein Ben Affleck besser gefallen, der auch eh besser in bekannte Konstellation des "Matt & Ben"-Duos gepasst hätte.
Zudem wird das Script etwas holprig, wenn wichtige Handlungen einfach fallen gelassen und nicht wieder aufgegriffen werden. Nortons Abgang kommt da z.B. doch etwas unvermittelt und Matts Filmfreundin Jo nervt einfach nur mit ihrem Gutmenschen-Getue. Man ist heilfroh, wenn sie endlich Mike McDermott verlässt und der Streifen wieder Männersache wird...

...und dann wird aufgedreht! John Turturro schleicht ein paarmal ins Bild, gibt ein paar Statements und man freut sich einfach ihn mal wieder zu sehen. Den kompletten Film stemmt allerdings ein einziger Schauspieler: John Malkovich aka "Teddy KGB".
In den letzten zehn Minuten gibt John den Poker-King. Ein russischer Mafiosi in einem Spiel um alles oder nichts. Von da an hat Matt nicht mehr viel zu melden, Malkovich legt eine zum niederknieende Performance hin, die natürlich nur im O-Ton goutiert werden darf! Erniedrigungen, Belauern, Manipulationen, Beobachten. Teddy KGB ist eine Figur hart am Rande zur Karikatur, aber dank der äusserst intensiven und spielfreudigen Darstellung kommt man kaum umhin, sich das Finale immer und immer wieder anzusehen, um jede Facette aufzusaugen...ich hab' Malkovich als Fiesling noch nie so gut gesehen!

"Rounders" ist ein ordentlicher Film! Zu unrecht untergegangen und vielleicht etwas sehr stereotyp in der Story - aber genau so wollen wir's doch! Es gibt erlesene Bilder, einen tollen und zurückhaltenden Soundtrack, eine aussergewöhnliche Besetzung und eben John Malkovich. Empehlenswert! Nicht nur für Kneipensportler...

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