Der Ur-Slasher-Camp-Film "Freitag der 13." zog viele Nachahmer nach sich und "Blutiger Sommer" ist in meinen Augen einer der wenigen guten.
Die Story ist schnell erzählt: Die schüchterne Angela verbringt die Ferien zusammen mit ihrem Cousin in einem Camp. In diesem wird viel herumgeulkt, wobei Angela auf Grund ihrer Andersartigkeit häufig Ziel dieser Ulkereien wird, aber stets von ihrem Cousin in Schutz genommen wird. Bald darauf ist Schluss mit lustig, denn in dem Camp geht ein Schlingel um, der nicht soviel Wert auf die körperliche Unversehrtheit der anderen legt.
Na klar jagt in diesem Film ein Klischee das andere, aber mir hat der Streifen insgesamt viel Freude gemacht. Endlich gaukeln uns Schauspieler jenseits der 20 keine Teenager vor, sondern es wurden echte Teens gecastet und diese liefern solide Leistungen ab, wobei mich besonders die Darstellerin der Angela überzeugt hat. Ihre apathische Darstellung des verstörten Mädels ist fantastisch und man fühlt sich an Carrie aus dem gleichnamigen Film erinnert, für die man trotz ihrer Eigenartigkeit Sympathie entwickelt. Erst als einer der Jungen wahres Interesse an ihr zeigt, taut das Mädel langsam auf und zeigt, dass es nicht stumm ist. In den meisten Filmen nerven mich solche Romanzen, aber hier fand ich es rührend schön, besonders die Szene, in der Angela das erste Mal die Zähne auseinander bekommt.
Neben den aufheiternden Geschehnissen im Camp (z.B. die Scherzchen an Mozart oder das Baseballspiel der Kleinen gegen die Großen) gibt es aber auch einige unschöne Ereignisse, für die die Verantwortlichen aber baldigst büßen müssen. So wird beispielsweise ein kinderschändender Koch gekocht, ein Großkotz lernt, dass Bienenstich nicht immer ein Gebäck sein muss und einer Schlampe wird beim Duschen ordentlich der Rücken mit einem Messer geschrubbt. Bei all diesen Morden hält man sich die Effekte betreffend stark zurück. Oft werden die Taten nur angedeutet oder finden im Off statt und man sieht lediglich das Ergebnis, weshalb Leute, die eine Metzelorgie erwarten, sicherlich enttäuscht sein werden. Dafür setzt der Film auf eine dichte Atmosphäre, die besonders in den Slashermomenten durch die bedrohliche Musik überzeugt.
Des Weiteren ist das Interessante an diesem Werk, dass man bis kurz vor Ende nicht genau weiß, wer hinter den Unfällen bzw. Morden steckt. Klar, man kann es sich frühzeitig denken, aber ist sich nicht hundertprozentig sicher. Und auch wenn man den Täter identifiziert hat, gibt es am Ende eine derbe Überraschung, die in meinen Augen zu den fiesesten der Filmgeschichte gehört. Ich kann mich noch genau erinnern, wie baff ich damals vor dem Bildschirm verharrte, als ich diese Szene das erste Mal sah. Einfach groß!
Ich will nicht alles beschönigen, negative Seiten hat dieser Streifen natürlich auch. So lässt sich das niedrige Budget nicht übersehen und manche Albernheit nimmt dem Film etwas an Wirkung, wobei die übertriebene Darstellung von Angelas Tante besonders übel aufstößt.
Insgesamt bin ich mit diesem kleinen Camperfilmchen, das ohne viel Blutvergießen auskommt, sehr zufrieden und kann Freunden dieses Subgenres, die keinen zweiten 13ten Freitag erwarten, raten ruhig mal einen Blick zu riskieren.