Die meisten Filme von David Cronenberg sind alles andere als leicht verständlich. Genau so verhält es sich mit „Videodrome“, der aber dennoch als eines der besten Werke Cronenbergs genannt werden muss.
Max Renn (James Woods) ist Teilhaber des kleinen Fernsehsenders Channel 83, dessen Programm nur aus Sex und Gewalt besteht. Trotzdem ist Max immer auf der Suche nach etwas neuem. Als Max’ Kollege Harlan ihm eine illegale Kopie des Sendung „Videodrome“ zeigt, glaubt Max, etwas neues für Channel 83 gefunden zu haben. „Videodrome“ zeigt ebenfalls Sadismus, Sex und Gewalt, eben nur auf einer ganz neuen Schiene. Es wirkt real. Max ist fest entschlossen, „Videodrome“ für seinen Sender zu benutzen. Max versucht, hinter die Macher von „Videodrome“ zu kommen. Hilfe erhält der von der leicht SM-Psychiaterin Nicki (Deborah Harry), die selber „Videodrome“ ausprobieren will.
Max begegnet vielen Leute, die alle was mit „Videodrome“ zu tun haben könnten und stößt dabei auf einen gewissen Prof. O’Blivion, den aber in letzter Zeit niemand mehr persönlich gesehen hat. So wendet sich Max an dessen Tochter Bianca .Aber es kommt noch schlimmer. Durch den Genuss von „Videodrome“ fängt Max an zu halluzinieren und landet in einem Strudel von Mord und Gewalt....
Wahrlich keine leichte Kost, was David Cronenberg der breiten Masse auftischt, und da scheint es nicht ganz verwunderlich, dass der eine oder andere mit „Videodrome“ gar nichts anfangen kann.
Anfangs ist „Videodrome“ noch recht linear aufgebaut, Max entdeckt das Programm und will wissen, wer dahinter steckt und wie er es am besten in sein Programm einbauen kann. Doch sobald Max anfängt zu halluzinieren, erst leicht, dann immer stärker, wird der Zuschauer aufs Glatteis geführt. Was ist noch real, was ist Fiktion? Auch das Ende gibt keinen wirklichen Aufschluss, wie „Videodrome“ enden mag oder ob es nicht vielleicht ein neuer Anfang ist. Jedenfalls bekommt man eine Menge zu grübeln, wie so oft in Cronenbergschen Filmen.
Schauspielerisch ist James Woods die Persönlichkeit im Film. Sicher agierend wie immer überzeugt Woods in der Rolle des Max Renn, der langsam in die Halluzinationen abdriftet und nicht mehr weiß, was real oder unreal ist. Doch auch die Nebendarsteller sind gut gewählt, vor allem Deborah Harry, die sich gerne Schmerzen zufügt oder zufügen lässt.
Auch die anderen Darsteller, seien es Sonja Smits, Peter Dvorsky, Jack Creley etc. etc. spielen ihren Part hervorragend und sorgen so für eine gute Atmosphäre.
Hinzu kommt die exzellente orgelartige Musik in „Videodrome“.
In der letzten halben Stunde dürfen dann auch die FX-Männer zeigen, was sie so alles drauf haben. Dabei sprechen wir hier von Leuten wie Rick Baker oder Steven Johnson. Und so sehen die Effekte auch aus, klasse für einen Film, der mittlerweile über 20 Jahre alt ist.
James Wood öffnet sich quasi selber, seine Hand verschmilzt mit einer Waffe, Menschen zerplatzen und vieles mehr. In der besagten letzten halben Stunde nimmt dann „Videodrome“ auch richtig Fahrt auf, wobei die vorherige knappe Stunde natürlich nicht schlecht ist. So ist halt Cronenberg: Langsame Einleitung, gegen Ende geht es dann richtig gut ab, auch wenn viele Fragen offen bleiben. Aber auch das ist Cronenberg.
Fazit: Sicherlich ist „Videodrome“ alles andere als leichte Kost, geschweige denn, könnte man den Film 100%ig erklären, warum alles genau so abläuft. Aber ist dies nicht gerade der Reiz an den Filmen von David Cronenberg? Schauspielerisch und Technisch ist Cronenbergs Film mal wieder ein kleines Meisterwerk, auch wenn der Film sicherlich nicht jedem gefallen wird, sei es die Thematik oder gar die Inszenierung seitens Cronenberg. Eine Chance hat sich dieser Film aber auf alle Fälle verdient. „Tod Videodrome“ – ich hoffe doch nicht!