Passable Endzeitfilme, die ihre triste Stimmung überzeugend transportieren können, finden sich eher selten, da kommt einem als erstes „Quiet Earth“ in den Sinn, vielleicht noch „28 Days later“ und danach lange Zeit gar nichts.
Diese spanische Stimmungs-Mischung aus „Alien“ und „Day of the dead“ bekommt das auch ganz gut hin, obgleich sich der volle Umfang des Endzeitszenarios erst mit der Zeit erschließt.
Das bildet ein fast so spannendes Mysterium wie der grün leuchtende Geisternebel, vor dem sich die neun Personen in den unterirdisch gelegenen Wohnräumen so fürchten.
Die Handlung steigt mit dem zehnjährigen Jesus ein, der am Meer steht und ein „Wahnsinn, es ist blau“ voller begeisternder Ungläubigkeit ausruft. Erst später wird man erfahren, ob diese Gegebenheit real ist oder nur eine Vorstellung des Jungen.
Denn zunächst, als Jesus uns mit Handycam und Taschenlampe sich und die acht anderen Personen vorstellt, weiß man noch überhaupt nichts von den vorangegangenen Vorkommnissen. Gab es einen Krieg, eine Seuche, warum geht man nicht ans Tageslicht und in welchem Jahr befindet man sich überhaupt?
Erst nach und nach werden Hintergründe aufgeklärt, denn die Erwachsenen halten sich den beiden Kindern gegenüber bedeckt, so dass der Zuschauer noch ahnungsloser ist als sie.
Strom und Telefon funktionieren noch, innerhalb des unterirdischen Gebietes gibt es eine verbotene Zone, den Kindern wird Schulunterricht vermittelt, während sich die Erwachsenen mit Beziehungsproblemen, aber auch mit der Aufstockung medizinischer Versorgung und Munition befassen. Denn in der grauen Unterwelt ist man nicht allein, da es einerseits infizierte Kreaturen (keine Zombies!) gibt und andererseits regelmäßig um acht Uhr abends die kalte Stunde eingeläutet wird. Zu diesem Zeitpunkt zieht sich jeder auf sein Zimmer zurück und verkriecht sich schweigend in eine Ecke, während ein eisiges Etwas durch die Korridore zieht, an den Türklinken rattert und bei den Verängstigten einen kalten Atem sichtbar werden lässt.
Erstaunlich ist bei alledem: Es geschieht nicht viel, man sieht lange Zeit keine deutliche Bedrohung und doch bringt das Geschehen eine unheilvolle und zugleich triste Stimmung mit sich. Dafür sorgen nicht nur der Score und die ausgezeichnete Sounduntermalung, sondern auch die Visualisierung des kalten Nebels, der in seiner zurückhaltenden Darstellung an eine Mischung aus „The Fog“ und „Bis da Blut gefriert“ erinnert.
Und während die Protagonisten Basketball spielen, im TV lediglich eine Endlosschleife aus Zeichentrick und dreckiger Kriegspropaganda abgespielt wird, wird der Zuschauer schrittweise in die Hintergründe der augenblicklichen Situation eingeführt, was in den finalen Einstellungen seinen bedrückenden Höhepunkt findet und einen eventuell recht nachdenklich zurücklässt.
Dabei könnte die Handlung insgesamt ein wenig mehr Auseinandersetzungen vertragen, - nicht nur die Actionbetonten im Kampf gegen die Infizierten (was lediglich nach einer Stunde Laufzeit mit einigen Schüssen erledigt wird), sondern auch die zwischenmenschlichen Konflikte. Denn dafür, dass die Figuren bereits einen beträchtlichen Zeitraum in der unterirdischen Lebenswelt verbringen, verläuft das Miteinander erstaunlich diszipliniert und bis auf wenige Ausnahmen ziemlich reibungslos ab.
Dafür finden sich mindestens zwei Sympathieträger, denn nicht nur der wissbegierige Junge Jesus stellt den Erwachsenen die Fragen, die der Betrachter beantwortet haben möchte, auch der alte und von der Gruppe getrennt lebende Judas kann mit seiner Ruhe und gutmütigen Ausgeglichenheit einen Ruhepol zur latent bedrückenden Situation schaffen.
Wobei: Jesus, Judas, Maria, Magdalena, Lucas und Mateo, - alles biblische oder davon abgewandelte Namen, deren Figuren teilweise sogar einen symbolischen Charakter entfalten, - auch hier gibt es Zusammenhänge zu enträtseln.
„The Dark Hour“ bietet letztlich also einen atmosphärisch dichten Beitrag über ein Endzeitszenario, das mit seinen spärlichen Kulissen eher auf klaustrophobische Momente setzt und weniger Action, dafür eine Menge Suspense und Atmosphäre bietet.
Hinzu kommt ein nicht unerheblicher Teil Mystery und eine Menge spannender Fragen, die sich bis zum finalen Paukenschlag größtenteils beantworten lassen.
Am Ende wird man zumindest wissen, warum man nie erfährt, in welchem Jahr die Handlung angesiedelt ist…
7,5 von 10