Es ist wohl eine böse Form der Ironie, dass Chris Sivertson als Titel für seinen Film ausgerechnet jene Textzeile ("I know who killed me!") ausgewählt hat, die die von Lindsay Lohan verkörperte Heldin ausruft, nachdem auf ebenso spektakuläre wie unvermittelte, letztlich bescheuerte und unglaubwürdige Weise der Durchblick durch das ihr und dem Zuschauer im Film gestellte Rätsel über sie gekommen ist. Denn Durchblick durch sein 105-minütiges Machwerk ist genau das, was Regisseur Sivertson völlig fehlt. Rat- und planlos verstrickt er sich bei der Verfilmung eines schon handwerklich miesen, weil komplett unausgegorenen Drehbuchs von Jeff Hammond in ein selten bizarres Gewirr unterschiedlichster Genres, die sicherlich ihre Nahtstellen und Überschneidungen, ebenso wie gemeinsame und wechselseitige Einflüsse haben, dessen unbeschadet aber einfach völlig verschiedene Zielgruppen ansprechen und somit keine von ihnen wirklich begeistern können, weshalb der Film nur folgerichtig an den weltweiten Kinokassen auch noch nicht einmal seine Produktionskosten vollständig wieder einspielen konnte, dafür aber einen neuen Rekord von nicht weniger als 8 (in Worten: acht) Golden Raspberry Awards aufstellte. Auch wenn drei davon in Wahrheit ungerechtfertigt sind, sind die restlichen fünf umso "verdienter". Aber dazu später mehr.
Zunächst scheint es sich bei I know who killed me um die Jagd auf einen bestialischen Serienkiller zu handeln, der seinen Opfern erst in einer wochenlangen Prozedur bei vollem Bewusstsein Gliedmaßen amputiert, ehe er diese schließlich umbringt. Man wähnt sich im Milieu von Thrillern wie The Silence of the Lambs, Jennifer Eight, Seven oder The Bone Collector, zu deren Merkmalen es gehört, zwar unglaublich grausame Verbrechen zu thematisieren, diese jedoch höchstens in Andeutungen zu zeigen, und vielmehr durch ihre Beschreibung in den Dialogen einen Horror in der Fantasie der Zuschauer zu erzeugen. Denn schließlich steht ja eigentlich im Mittelpunkt, wie der Killer, meist von Polizei oder FBI, zur Strecke gebracht wird, nicht der insgeheim lustvolle Ekel des Zuschauers vor seinen Taten, der eher nur eine atmosphärische Beigabe ist.
Diesen Pfad verlässt der Film dann plötzlich, als die Hauptfigur Aubrey Fleming in die Hände des Killers gerät, und in der Folge minutenlang gezeigt wird, wie ihr, während sie schreiend an eine Liege gefesselt ist, nacheinander die Finger der linken Hand abgetrennt werden. Das geht über die hergebrachten Grenzen sowohl des Thriller-, als auch des Horror-Genres hinaus. Das ist lupenreiner torture porn, wie er selbst in der Blütezeit des Splatterfilms, in den 1970-er und 1980-er Jahren, noch dem underground film vorbehalten war, und erst in den letzten Jahren, über Produktionen wie Hostel oder die Filme der Saw-Reihe, seinen Weg nach Hollywood und somit in den Mainstream gefunden hat.
Aber kaum erwacht die vom Killer verstümmelte und zum Sterben an einem Straßenrand abgelegte Heldin im Krankenhaus, ändert der Film erneut seine Richtung und wandelt sich wieder zum Thriller, der sich nun jedoch scheinbar um eine Verschwörung dreht - also wie etwa z. B. Flightplan, Malice oder The Glass House. Damit wird er auch endgültig zu einem Film für ein anderes Publikum, das sich eben an der Aufdeckung aus eher herkömmlich kriminellen Motiven heraus gesponnener Intrigen erfreut, anstatt am Kampf gegen einen geisteskranken Serienkiller. Entsprechend verschwindet dieser fortan auch quasi völlig aus der Handlung. Vordergründig dienen die Befragungen der Hauptfigur durch FBI-Beamte zwar dessen Identifikation, dramaturgisch drehen sie sich aber längst um ihr Beharren, nicht die Musterschülerin, Nachwuchspianistin und Hobbyliteratin Aubrey Fleming zu sein, sondern die aus ärmlichsten und heruntergekommensten Verhältnissen stammende Stripperin Dakota Moss, die sich nicht an ihre Entführung und Verstümmelung erinnern kann.
Dabei ist nicht nur an sich ärgerlich, dass und wie der Film mitten in seiner Handlung plötzlich Thema und sogar Genre radikal wechselt, sondern vor allem auch, dass er fortan nicht mehr recht funktioniert. Denn was die bisherige Identifikationsfigur des Zuschauers Aubrey/Dakota vehement abstreitet, hat dieser zuvor ja mit eigenen Augen gesehen! Wirklich glauben kann er seiner eigentlichen Heldin also nicht so recht, andererseits sagt ihm aber natürlich auch wiederum der gesunde Menschenverstand, dass an ihrem Insistieren mehr dran sein muss, als bloß ein posttraumatisches Belastungssyndrom, das im Film zunächst als Erklärung vermutet wird.
Aber auch eine raffiniertere psychologische Erklärung, die den bereits ziemlich verkorksten Film zwar auch nicht mehr hätte retten, aber zumindest durch eine interessante Auflösung vor dem Absturz in den totalen Blödsinn bewahren können, wird letztlich nur angetäuscht, und dann doch zu Gunsten eines weiteren Spurwechsels fallen gelassen. Etwa zur Hälfte der Spielzeit wird der Film, diesmal aber wenigstens endgültig, zum Mystery-Thriller, was er wohl auch von Anfang an sowie seinem Drehbuch nach eigentlich sein sollte. Dafür sprechen jedenfalls die in die opening credits eingeflochtene Sequenz einer in Lingerie an einer Stange (an der plötzlich Blut herabrinnt) tanzenden Aubrey/Dakota, sowie ein ständiges visuelles Spiel mit den Farben Blau und Rot - z. B. in einer Szene, in der Aubrey/Dakota von ihrem Freund eine blaue Rose geschenkt bekommt und sich an einer ihrer Dornen schneidet, woraufhin rotes Blut aus ihrer Fingerkuppe austritt - denen nun eine größere Bedeutung zukommt.
Da der Film allerdings bereits viel - zu viel - Zeit darauf verwendet hat, letztlich andere Geschichten in den Gewändern anderer Genres anzureißen als die, die er eigentlich erzählen will, muss er sich, als er schließlich zu seinem tatsächlichen Thema gefunden hat, nun schon quasi beeilen, das eigentliche Problem aufzulösen und den Showdown einzuleiten.
Er bewerkstelligt das, um den Preis jedes letzten Restes von Glaubwürdigkeit und Logik, durch einige Traumsequenzen, Rückblenden, "Visionen" von Aubrey/Dakota und dumme Zufälle, die dieser die Lösung, letztlich spontan und weitgehend losgelöst von der bisherigen Handlung, auf dem Silbertablett präsentieren. Konsequent ist er dabei wenigstens insofern, als dass er entsprechend auch keine irgendwie noch rationale Erklärung herbeiprügelt, sondern sich ausnahmsweise an die Sphären des Mystery-Thrillers, in die er sich zuletzt begeben hat, hält und eine mystische bzw. metaphysische Auflösung präsentiert.
Aber auch zum Schluss hat Drehbuchautor Hammond noch ein weiteres mal unsauber gearbeitet und unachtsamerweise einen Showdown kreiert, der plötzlich doch noch mal die Mitwirkung des eigentlich längst bedeutungslos gewordenen und darum auch gar nicht mehr thematisierten Killers erfordert. Vielleicht war das aber sogar Absicht, denn immerhin wird die Identität des Killers gelüftet und man muss befürchten, dass sogar so etwas wie ein Motiv angedeutet werden soll - befürchten muss man das, weil, sollte dem tatsächlich so sein, dieses an Dämlichkeit kaum noch zu überbieten wäre.
Wobei, eigentlich schaffen Hammond und Sivertson selbst das noch, indem sie nämlich die ganze schlecht konzipierte und lächerlich unglaubwürdige Geschichte des Films im Gewand eines Teenagerhorrorfilms zu erzählen versuchen! Und ihnen dabei in keiner Form bewusst zu sein scheint, dass zu diesem Subgenre des Horrorfilms mehr gehört als Hauptfiguren (oder hier sogar nur eine Hauptfigur) im Teenageralter. Nämlich vor allem auch ein Thema, das irgendwie der Lebenswelt oder, genauer gesagt, der spezifischen Psychologie Jugendlicher in der Postpubertät entnommen ist. Und um genau so etwas geht es in ihrer halbgaren Geschichte überhaupt nicht. Weder ist ihr in Ansätzen skizzierter Serienkiller eine Verkörperung typischer Teenagerängste, wie etwa Michael Myers, Jason Vorhees, Freddy Krueger und all ihre ungezählten "Kollegen" es sind, noch hat die Geschichte, haben die Erlebnisse bzw. Entdeckungen ihrer Hauptfigur irgend etwas jugendtypisches an sich.
Hammonds und Sivertsons Film erzählt bloß, wie eine Figur, die eben im Teenageralter ist, ausgelöst durch eine höchst konstruierte Kette absurder Ereignisse schließlich auf paranormalem Wege eine Art Verschwörung aufdeckt, in die sie verstrickt wurde. Einen Teenagerhorrorfilm macht das noch nicht, und er wird auch durch einige für dieses Subgenre typische, hier aber zudem auch völlig deplatziert wirkende Gags und Zoten - oder eine Sexszene - nicht dazu. Die Entscheidung, die halbgare und offensichtlich kaum durchdachte Geschichte eben um einen Teenager herum zu stricken hat nur zur Folge, dass einem erwachseneren Publikum die Identifikation mit der Hauptfigur zunehmend schwerfällt, während dem jugendlichen Publikum kein dieses besonders bewegendes und beschäftigendes Thema präsentiert wird. Wie schon durch das Verwässern der Mysterie-Geschichte mittels des spurenhaften Aufgreifens von Elementen anderer Genres steht im Ergebnis nur, dass der gesamte Film sich noch weiter davon entfernt, irgend eine Zuschauergruppe wirklich zu erreichen, und jede Inhaltsangabe zwangsläufig weitere falsche Erwartungen und Assoziationen wecken muss.
Fazit: Bei den bereits angesprochenen Golden Raspberry Awards wurde extra für diesen Film sogar eine neue Kategorie geschaffen: Worst Excuse for a Horror Movie. Das trifft es wirklich außerordentlich gut. Die Grundidee hinter der Mysterie-Geschichte, die das Ganze in Wahrheit ist, ist - nunja, weder originell, noch wirklich interessant. Das Drehbuch, in das diese gekleidet wurde, ist erzähltechnisch eine grausame Orgie in Stümperei, und "gewann" völlig zurecht eine Golden Raspberry. Was an diesem noch schlimmer zu machen war, das machte die Regie mit einer regelrechten Serienvergewaltigung zahlreicher Meister ihres Fachs wie Dario Argento, David Fincher, Eli Roth, James Wan, Robert Rodriguez oder David Lynch noch schlimmer, und "gewann" ebenfalls völlig zurecht eine Golden Raspberry. Heraus kam ein dämlicher, verworrener und langweiliger Film, der völlig zurecht die Golden Raspberry als Schlechtester Film des Jahres gewann.
Einziger Lichtblick am und im ganzen Film ist Hauptdarstellerin Lindsay Lohan, die für ihre Leistung zwar ebenfalls reichlich Prügel von der Kritik einzustecken hatte, in der sich aber in Wahrheit wohl eher Missachtung ihrer Person und ihres privaten Lebenswandels mit dem alten Sprichwort: "Mitgefangen, mitgehangen" multipliziert hat. Denn tatsächlich gelingt es ihr, ihre undankbare Rolle in einem wirklich schlechten Film nach einem wirklich schlechten Drehbuch noch so eindringlich und glaubwürdig über die Rampe zu bringen, wie das nach den Umständen überhaupt nur menschenmöglich ist.
Ihre "Auszeichnung" mit gleich mehreren Golden Raspberrys verfehlt das Ziel einer berechtigten Vernichtung dieses - im wahrsten Sinne des Wortes - "Horror-Films" völlig. Der Zorn des Publikums hat den Regisseur und den Drehbuchautor zu treffen, nicht die Hauptdarstellerin - die hier sogar zeigt, dass entgegen aller Häme einiges an Talent und Können in ihr steckt. Nur ist alles andere an diesem Film leider dermaßen unterirdisch, dass noch nicht einmal Lohans gute schauspielerische Leistung ihn vor der schlechtestmöglichen Wertung retten kann!