Nach „Broken – Keiner kann dich retten“ wird erneut gebrochen, allerdings nicht so brachial wie beim Vorgänger, zumal das vage Grundgerüst – Mann hält Frau auf engem Raum gefangen – keinerlei Variation erfährt.
Für 81 Minuten ist das okay, man hat aber im Nachhinein den sicheren Eindruck, dass aufgrund der glaubhaft agierenden Darsteller weitaus mehr drin gewesen wäre.
Herman (James DuMont) ist ein Serienkiller, Frauenbekanntschaften laufen bei ihm nach dem Schema Erspähen, Entführen, Einsperren, Eliminieren ab, wie man anhand der blutüberströmten, flüchtenden Frau im Intro feststellen muss.
Nun hat er Rudy (Michelle Tomlinson) als sein Herzblatt auserkoren, doch die Gefangene will sich nicht so einfach ihrem ungewissen Schicksal ergeben.
Diesmal sind es also nicht die Rednecks, die für Psycho-Terror sorgen, sondern der äußerlich absolut durchschnittliche Kerl mittleren Alters: Rundes Gesicht, Halbglatze, leichter Bauch und unauffällig gekleidet. Auf den ersten Blick verhält er sich auch keineswegs so selbstsicher, wie man es eventuell von groben Schlächtern oder Folterknechten erwarten mag, sondern er zeigt recht früh Unsicherheiten, obgleich er im Verlauf beweist, dass er auch anders kann.
Ihm Gegenüber agiert eine junge hübsche Frau, Richtung Technogirl, mit rotbraunen Haaren, sanft betonten, vollen Lippen und geheimnisvollen Augen. Sie ist impulsiv, ungehalten und auf der anderen Seite recht gerissen und weiß die Waffen einer Frau im passenden Moment einzusetzen.
Daraus entwickelt sich ein Kammerspiel, welches vor allem zu Beginn stark mit der Erwartungshaltung des Zuschauers spielt.
Denn, was wird der Typ womöglich anstellen, wenn er sich den Arm der Gefangenen schnappt, die in einem Holzkäfig (mit robustem Gitter verstärkt) hockt und keine Chance zur Gegenwehr hat, während er die Nagelschere ansetzt.
Im Verlauf entkräften sich jedoch Befürchtungen, dass hier Folter und Erniedrigungen an der Tagesordnung sind, denn der rein körperliche Einsatz von Gewalt tritt lediglich zum Finale in den Vordergrund und etwaige Knüppelszenen spielen sich gar im Off ab.
Bis dahin kann man jedoch auch auf psychologischer Ebene nicht alle Register eines Katz- und Maus-Spiels ziehen.
Über Motive und Anliegen des Killers erfährt man einfach zu wenig. Will er seine Gefangene zermürben und titelgemäß ihren Willen brechen, oder sie nur solange behalten, bis er sie leid ist? All das und weitere Hintergründe für Hermans Handeln bleiben weitestgehend verborgen.
So spricht er meistens ruhig und freundlich zu Rudy, bereitet ihr Schokoladenkuchen, liest ihr vor und ist bemüht, den körperlichen Reizen seiner Gefangenen nicht zu erliegen.
Er besorgt ihr Tampons aus dem Supermarkt, redet sich bei der dortigen Angestellten mehrfach raus und wird lediglich etwas energischer, wenn Rudy ihren wahren Emotionen freien Lauf lässt.
Dieses zerstört immer wieder aufgebautes Vertrauen zu ihrem Peiniger, denn zwischenzeitlich öffnete sie sich, war um ruhigen, alltäglich klingenden Tonfall bemüht, auch wenn es ihr zwischenzeitlich gelang, einen langen Nagel aus dem Käfiggerüst zu ziehen und als Waffe in petto zu halten.
Doch bei der Konstellation wäre es geschickter und spannender zu verfolgen gewesen, den Entführer an seinen Schwachstellen zu treffen, die gewiss hätten aufgedeckt werden können, - schließlich ist Herman kein gewieft kontrollierter Jigsaw.
So fehlt dem Ganzen doch ein wenig die Abwechslung aufgrund mangelnder Tiefe und auch wenn zwischenzeitlich Rudys suchende Freundin ins Geschehen eingespannt wird, bewegt man sich häufig auf der Stelle.
Zumal der Schauplatz nicht allzu viel hergibt, der dunkle Kellerraum ist klein und karg und lediglich mit merkwürdigen Sammlungen (Andenken an frühere Gefangene) Hermans gefüllt, - demgegenüber gab das kleine Gefängnis im ersten „Broken“, unter freiem Himmel, weitaus mehr her und auch das Spiel mit Macht und Vertrauen gelang deutlich besser.
Dank der beiden überzeugenden Hauptfiguren funktioniert das Kammerspiel aber doch so einigermaßen, DuMont punktet mit seiner Zurückhaltung und der daraus resultierenden Unberechenbarkeit und Tomlinson durch facettenreiches Spiel und erfrischender Erscheinung, - sogar etwas zu frisch, denn auch wenn man nicht erfährt, wie lange ihre Gefangenschaft anhält, bleibt ihr Make up tadellos.
Am Ende hat man wieder einmal ein weißes Brautkleid voller Blut und einen von Beginn an unmaskierten Killer, unter dessen Fuchtel die Sache nur mit dem Tod oder der Anpassung auf Lebenszeit enden kann, - Überraschungen sollte man auch in diesem Punkt nicht erwarten, insofern:
Verdammt knappe
6 von 10