Review

Eine einzige Katastrophe dieser Film!
Es ist mal wieder die alte Geschichte vom effektgeladenen SF-Spektakel mit Mega-Budget, das den Produzenten hauptsächlich durch den Namen des Vorlagen-Autors (Michael Crichton = Jurassic Park = jede Menge Kohle...) und das Engagement von mehreren namhaften Stars verkauft wurde.
Ergo pumpten sie ohne Ende Schotter in das Projekt, verpflichteten noch einen bekannten Regisseur (der nach der Inszenierung von diversen von der Kritik gefeierten Dramen für einen SF-Suspenser auf dem Meeresgrund natürlich voll und ganz geeignet war) und wunderten sich später, warum das Teil an der Kinokasse wie ein Stein im Ozean versank.

Was hier alles falsch gemacht wurde, könnte ein Buch füllen, ich will mich aber lieber kurz fassen, das macht dann auch weniger aggressiv.
Storyline: Irgendwo unter dem Meer findet die Marine ein Raumschiff und entsendet neben einigen Piloten aufgrund eines wissenschaftlichen Papiers eine Gruppe von Wissenschaftlern zur Erforschung, weil es ja gefährlich sein könnte und Militärs ja immer gleich schießen. Den Scientists ist die Sache zwar nicht geheuer, aber sie machen mit (warum auch immer...). Das Schiff ist, wie sich herausstellt von der Erde, aus der Zukunft und vermutlich durch irgendein schwarzes Loch geflogen (Diese Schmerzen...). Und in Bälde häufen sich unter Wasser die Todesfälle ungeklärter Art, nicht selten durch plötzlich auftauchendes Meeresgetier der fiesen Sorte. Sollte etwa die große, goldene, nicht alles reflektierende Kugel im Raumschiffbauch damit zu tun haben?

Wem das jetzt schon doof vorkommt, müßte das in Filmform sehen.
Mal abgesehen von der beknackten Idee, fünf Wissenschaftler und zwei Piloten als erstes auf ein mögliches Alien-Raumschiff loszulassen (Dustin Hoffman gibt sogar mittendrin zu, daß er gelangweilt und/oder besoffen war, als er das Manifest dazu runtergerotzt hat.), gibt es da keinen richtigen Anführer. Jeder prutschelt so vor sich hin, doch keiner liefert konkrete Arbeit oder scheint auch nur halbwegs an Ort und Stelle brauchbar zu sein.
Stattdessen sind alle mehr oder minder mit ihren eigenen Problemen beschäftigt (gegenseitige Abneigung, Ruhmsucht, zerstörte Beziehungen, Drogenmißbrauch, dreifache Klischeekolik...ach nee, das bin ja ich...) und bringen für die Existenz eines eventuell außerirdischen, rückwärts zeitgereisten und schwarzlocherprobten Raumers ungefähr so viel Begeisterung auf, wie ein Sechsjähriger, dem man zum Geburtstag kein Handy schenkt.

Da bringt es auch nicht mehr Euphorie, wenn dann die Todesfälle einsetzen. Ein Hauch Hysterie, eine Spur Angst, eine Messerspitze Panik hätten es ja schon getan, aber nichts zu sehen, bis zum Horizont. Da verreckt jemand an einer Überdosis (der Wissenschaft nicht bekannter!!!) Quallen und alle begutachten nur interessiert die Leiche. Da schwappt aus ungeklärten Gründen draußen jemand im Taucheranzug zugerichtet am Raumschiff und der Psychologe stapft mal locker raus, um denjenigen zu bergen. Da taucht auf dem Radarschirm ein Fünfzig-Meter-Kalmar (ein Krake) auf (der aber sonst nirgendwo zu entdecken ist) und verschwindet im letzten Moment wieder und niemand bastelt auch nur an einer Theorie.
Ergo passiert auch nichts, wenn den Überlebenden langsam aber sicher die komplette Station um die Ohren fliegt.

Vielleicht stand das ja so im Drehbuch, auf jeden Fall tut keiner der "Stars" irgendwas, um dagegen anzuarbeiten. Dustin Hoffman wirkt über die volle Distanz so, als sei er nach vier Tagen Arbeit und zwei Stunden Schlaf gerade erst aufgemacht. Ungeachtet anderer sprechender Personen nuschelt er geistesabwesend seine Monologe runter, für die sich leider auch niemand interessiert, weil sie meistens auch unbrauchbar sind.
Samuel Jackson ist noch besser fehlbesetzt als Diplommathematiker (selbstverständlich kennen sich die Wissenschaftler alle untereinander recht gut) und steht vollkommen neben sich.
Noch schlimmer ergeht es Sharon Stone, die dank ihrer ehemaligen Drogensucht noch immer aussieht, als sei der letzte Suizidversuch wegen Dauerdepressionen gerade drei Tage her. Weder kann sie etwas zu dem Film beitragen (mal abgesehen von der unbrauchbar burschikosen Kurzhaarfrisur, dem lustigen Größenunterschied zum kleinen Hoffman und der lachhaften Vorstellung, die beiden hätten mal eine Beziehung gehabt), noch macht sie irgendeinen bleibenden Eindruck, als würde sie das alles nichts angehen.
Coyote versucht Ruhe auszustrahlen, wo eh keiner in Panik gerät und hat reichlich doofe Anweisung auszusprechen und Liev Schreiber (Cotton Weary aus "Scream") wollen wir uns als Physik-Wunderkind schon gar nicht vorstellen, weil er sich ständig benimmt, als wäre er noch nicht zwölf.

Vollends verhunzt wird der Film dann durch eine total imbezile Regie. Levinson wußte mit dem Stoff wohl nichts anzufangen, also inszenierte er das Ding tatsächlich in 10-Minuten-Abständen kapitalweise und zwar mit jeweiliger Überschrift, damit wir alle wissen, was uns erwartet. Derlei Häppchen und Titel gebrauchen eigentlich nur noch Amateurfilmer, aber vielleicht wollte er ja auf die Romanherkunft des Films hinweisen.
So geschieht dann auch in jedem Kapitelchen irgendwas, was Thermik macht, nur paßt das meistens weder zusammen, noch löst es auf, was hier vorgeht, noch schließt es an vorherige Kapitel richtig an.
Die dramaturgische Montage ist schlichtweg grauenhaft, auf Action folgen unvermittelte Ruhephasen, ständig gestreckt durch reichlich Schauwerte und mysteriöse Einfälle, die nicht geklärt werden.

Stattdessen wirft man den Zuschauern nur die Brocken hin: Raumschiff, aus der Zukunft, schwarzes Loch, Monster aus der Tiefe, goldene Kugel, mysteriöse Geschehnisse, eine fremde Intelligenz, Budenzauber, es brennt, hurra! Das war's!
Tatsächlich bekommt man auch nach über zwei Stunden kein bißchen Erklärung und Zusammenhang, sondern muß es aus einigen Restsätzen selbst zusammenfiltern, was geschah, als anscheinend alle Anwesenden mal in die Kugel eingedrungen sind. Wo selbige herkommt, was sie ist, was sie will, was sie bewirkt, wie man da reinkommt und warum es danach Tote gibt und weshalb gerade die...Fragen über Fragen.
Immerhin zitiert der Film in seiner schlußendlichen Aussage fast deckungsgleich den Clou von "Forbidden Planet/Alarm im Weltall" und mündet in einen schönen Anti-Höhepunkt.

Bis dahin hat man aufgrund der sich auftürmenden unlogischen Momente (selbige kommen in 30-Sekunden-Abständen) aber längst die Geduld verloren und fragt sich selbst pausenlos, warum das so ein Scheißfilm geworden ist. Die FX sind immerhin passabel, aber da man uns den herbeigesehnten Riesenkalmar ebenso verweigert wie jegliche Erklärung, ist da auch nichts mehr zu retten.
Wer also schon immer mal einen "Turkey" sehen wollte, an dem so ziemlich nichts stimmt, der ist hier absolut richtig. Aber wegen Kuriositätenwerten sollte man seine teuer verdiente Kohle nicht aufs Spiel setzen.
This Movie bombed? Absolutely! (2/10)

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