Ryan Phillippe spielt einen jungen amerikanischen Soldaten, der nach seiner Zeit im Irak mit mehreren Auszeichnungen zurück nach Amerika kehrt. Er versucht ein normales Leben zu führen, kann sein Trauma aber kaum verarbeiten. Als ihn das Militär schließlich durch eine Klausel in seinem Vertrag wieder in den Irak beordern will, sieht er schließlich rot.
Nach ihrem spektakulären, Oscar-prämierten Regie-Debüt "Boys don`t Cry" dauerte es neun Jahre lang, bis sich Kimberly Peirce zurückmeldete. Erneut zeigt sie nicht den geringsten Ansatz von Profitkalkül und widmet sich dem umstrittenen Irakkrieg, obwohl bereits "Operation: Kingdom" und "Im Tal von Elah" floppten, genauso, wie "Von Löwen und Lämmern" und jüngst sogar das neuste Projekt von Erfolgsregisseur Ridley Scott "Der Mann, der niemals lebte". Dabei spielt sie erneut die Stärken aus, die "Boys don`t Cry" hatte, liefert einen guten Film ab, diesmal gelingt ihr aber kein Meisterwerk.
Die Stop-Loss-Klausel genehmigt den mehrmaligen Einzug eines Soldaten für einen Krieg und existiert in der Realität, damit hatte Peirce schon einmal eine interessante Basis und die Geschichte, die sie darauf aufbaut, ist in groben Zügen auch gelungen. Teilweise sind wirklich gute Aspekte dabei, so ist die Handlung unvorhersehbar und baut so durchaus Spannung auf und auch die Kritik am US-Militär ist sehr stark und vor allem ehrlich gemeint. Dafür ist die Charakterkonstruktion aber teilweise nach dem Klischee gestrickt, so wirkt das Trauma, dass die Soldaten aufarbeiten wollen nicht sonderlich vielschichtig, es scheint eher so, als wolle der Film hier das Pflichtprogramm eines solchen Kriegsdramas erfüllen.
Der Aufbau des Films wirkt nicht ganz so strukturiert wie bei "Boys don`t Cry". Zwischenzeitlich gibt es immer mal wieder dramatisch ungeschickte Brüche im Spannungsbogen, da Peirce das Tempo teilweise zu langsam hält. Dafür baut sie jedoch bereits früh eine emotionale Atmosphäre auf und zeigt am Anfang die Fratze des Krieges mit ein paar gelungenen Schusswechseln offen und ehrlich. Mit ein paar melancholischen Klängen und einer ansonsten eher stilarmen Inszenierung, sowie dem ordentlichen Cast baut sie dabei zunehmend Dramatik auf und zeigt ein gutes Auge für emotionale und bewegende Aufnahmen. Am Ende bezieht sie zu der Stop-Loss-Taktik keine Stellung und verkneift sich jegliche Wertung und liefert damit einige Denkanstöße für den Zuschauer, zumal das Ende sehr denkwürdig geworden ist. Unterhaltsam ist der Film damit trotz seines unstrukturierten Aufbaus definitiv.
Ryan Phillippe, der in "L.A. Crash" neben Matt Dillon noch sehr blass wirkte, von Chris Coopers Leinwandpräsenz in "Enttarnt" mehr oder weniger erdrückt wurde und in "Studio 54" eine hundsmiserable Leistung abgeliefert hatte zeigt sich hier stärker als sonst. Er spielt den verstörten Soldaten sehr sympathisch und zieht damit das Mitleid des Zuschauers auf sich, schaffte es bei kleineren Längen aber nicht, den Film im Alleingang zu tragen, wie es Hilary Swank in "Boys don`t Cry" getan hatte. Der restliche Cast ist durchaus ordentlich.
Fazit:
Die Idee der amerikanischen Stop-Loss-Taktik einen Film zu widmen und das Verhalten des amerikanischen Militärs so zu kritisieren ist durchaus gelungen. Die Idee wird in eine dramatische Handlung gepackt und solide, wenn auch etwas wirr serviert. So gibt "Stop-Loss" einige Denkanstöße und besticht zudem mit einem guten Cast, sowie einigen dramatischen Momenten, hätte aber auch wesentlich besser werden können.
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