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"Es gibt Momente, da sehe ich mir Menschen an und sehe nichts was ich leiden kann. Ich will so viel Geld verdienen, dass ich niemanden mehr sehen muss."

Von 8 Oscarnominierungen konnte sich "There will be blood" in 2 Kategorien durchsetzen, eine davon ist die Auszeichnung des besten Hauptdarstellers. Neben "No country for old man", der sich mehr Auszeichnungen verdienen konnte, war das Drama um einen Öl-Tycoon der meist beachtete Film 2008 in Hollywood.

Die Handlung thematisiert den skrupellosen Daniel Plainview (Daniel Day-Lewis), der sich durch die Erschließung von Ölquellen und sein rücksichtsloses Vorgehen sein Vermögen um ein vielfaches erweitert, dabei aber mehr und mehr von seiner Menschlichkeit einbüßt. Die Geschichte dreht sich um den Bau von Ölbohrtürmen, den fatalen Folgen durch Unfälle in diesem Geschäft, das Verhältnis zwischen Plainview, seinem zwangsadoptierten Sohn, den Grundstückseigentümern der Ölvorkommen und dessen kirchlichem Oberhaupt Eli Sunday (Paul Dano), der ebenfalls etwas von dem Reichtum der Ölquellen für sich und seine Kirche sichern will.

Die hochgelobte Charakterstudie um einen Mann der sich gewollt durch Reichtum und Gier immer weiter von der Zivilisation entfernt, startet mit ungewöhnlichen, dialoglosen 14 Minuten, in denen die Bilder der weiten, rauhen Ödnis für sich sprechen. Nicht nur zu Beginn lässt Regisseur Paul Thomas Anderson spärliche Panoramaaufnahmen auf die Zuschauer los, was dem Filmvergnügen eine sehr ästhetische Note gibt. Dies steigert sich nochmals bei der eigentlich besten Sequenz des Films: Einer Explosion eines Bohrturmes und dem Versuch die Flammen zu löschen.

Neben den Bohrungen und den zugehörigen fatalen Unfällen bezieht sich die Handlung immer wieder auf das Verhältnis zwischen Plainview und seinen Sohn der durch erwähnte Explosion sein Gehör verliert und sich charakterlich sehr verändert.
Neben diesem Familiendrama stellt sich im Laufe der Zeit der exzentrische Priester Eli Sunday als direkter Gegenspieler zu Plainview heraus. Die überdimensionierte Vorstellung seines gepredigten Glaubens wirkt überheblich, gar egoistisch und zieht den direkten Vergleich zur wirtschaftlichen Gier Plainviews. Dies verstärkt sich noch, als Eli versucht eine erhebliche "Spende" für seine Kirche heraus zu schlagen.

Genau genommen war das auch schon alles sehenswerte, denn neben der aufwendig ineinander verflochtenen Handlung, seinen beschaulichen Charakteren und ästhetischen Bildern bietet "There will be blood" vor allem eines: Gähnende Langeweile. Auch wenn man den Bildern ihre Wirkung nicht versagen kann, präsentieren sie sich weitreichend unspektakulär und belanglos. Der Plot erstreckt sich langwierig und schleppend ohne sein Tempo je zu beschleunigen, ermüdet und wirkt sehr langatmig und zäh. 158 Minuten sind hier einfach zu viel, in nur 90 bis 110 Minuten hätte man eine kürzere Geschichte in ähnlicher Form wesentlich schneller und vielleicht nicht ganz so schleppend erzählen können.
Die ungewöhnliche musikalische Untermalung wirkt anfangs noch innovativ, nervt auf Dauer aber durch schrille Sounds die einer Sirene ähneln.
Am Ende gibt es einen plötzlichen Zeitsprung von 20 Jahren, welcher die Folgen und das Finale bietet und endlich seines Titels gerecht wird. Dummerweise wirken weder Eli Sunday noch Daniel Plainview auch nur einen Tag gealtert. Diesen Folgefehler oder diese Nachlässigkeit ist bei einer so detailiert ausgearbeiteten Inszenierung mehr als verwunderlich und um so auffälliger.
Der Schluss präsentiert sich sehr unverständlich und nichtssagend.

Daniel Day-Lewis hat sich durch seine Rolle seinen Oskar redlich verdient, wobei sein Gegenspieler in Form eines Paul Dano souverän kontra gibt, aber an diese Leistung bei weitem nicht heran kommt. Andere Schauspieler und Charaktere fallen dabei völlig in die Versenkung, wobei "There will be blood" auf große Namen verzichtet.

Im eigentlichen eine tolle und interessante Charakterstudie die durch wuchtige Bilder und starke Hauptdarsteller glänzt, sich aber nur schleppend entwickelt und am Ende seine Aussagekraft verliert. Die großen Oscarfilme muss man manchmal wohl einfach nicht verstehen.

3 / 10

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