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Daniel Day-Lewis spielt einen Bergmann, der in den USA zufällig auf Öl stößt und damit in kürzester Zeit Unsummen an Geld verdient. Mit seiner unfassbar großen Gier nach Macht und Reichtum stößt er schließlich erst an seine Grenzen, als ihm sich ein selbsternannter Prediger, gespielt von Paul Dano, in den Weg stellt, der ebenfalls lediglich auf Einfluss und Geld aus ist.

Die erste Viertelstunde: Kein Sterbenswort wird gesprochen, man sieht lediglich, wie Lewis nach Silber sucht und schließlich Öl findet und dieses fördert. Die beeindruckenden Bilder, die an alte Öl-Gemälde erinnern und die auffällige, dissonante und einzigartige Filmmusik wirken ganz allein. Jeder, der bei dem Titel "There Will be Blood" einen Horror-Film oder ein unterhaltsames Mainstream-Filmchen erwartet hat, sollte spätestens jetzt wegschalten, bzw. aufstehen und den Kinosaal verlassen. Die, die sich jedoch ernsthaft mit dem sperrigen Epos beschäftigen wollen, werden von Paul Thomas Anderson, der als Regisseur, Autor und Produzent fungiert, mit in ein beeindruckendes Schreckens-Szenario aus Hass, Gier, Rache und Verlust genommen, das man sicherlich nicht so schnell vergisst.

Bei "There Will be Blood" handelt es sich um eine der besten Charakterstudien der letzten Jahre. Anfangs sind die Charakterzüge der Hauptfigur noch nicht ganz klar, teilweise erscheint er einem als Zuschauer sogar sympathisch, aber langsam und sicher beginnt Paul Thomas Anderson schließlich seine Figur aus dem Nebel treten zu lassen und enthüllt nach und nach seelische Abgründe, die kaum besser und anschaulicher dargestellt sein könnten. Dabei wird die Kritik an dem Verhalten des Öl-Magnaten immer deutlicher, genauso wie die Parallelen zum heutigen Kapitalismus, die sich ebenfalls immer deutlicher herauskristallisieren. Aber auch die Kritik an der Kirche, in diesem Fall repräsentiert durch einen selbsternannten Prediger, dessen seelische Abgründe denen der Hauptfigur sehr nah kommen. Die Story, die um die beiden Figuren gestrickt wurde, ist im Großen und Ganzen gut gelungen, wobei der Wandel der Figuren sehr stark verdeutlicht wird. Die Wendungen sind nicht vorherzusehen und können größtenteils zünden, sowie überraschen, auch wenn vor allem zum Ende hin teilweise ein wenig übertrieben wird und Kritik an Kapitalismus und Kirche so durch den mangelnden Realismus teilweise verloren gehen, wobei das brutale Ende durchaus überraschend und verstörend gemacht ist.

Bei seiner Inszenierung lässt sich Anderson alle Zeit der Welt und zeigt nach "Boogie Nights" und "Magnolia" erneut, dass er durchaus ein ambitioniertes Regie-Talent ist, von dem man in den nächsten Jahren hoffentlich noch viel zu sehen bekommt. Dabei zeigt er zu jedem Zeitpunkt Konsequenz und macht überhaupt keine Zugeständnisse an Mainstream-Konsumenten, zeigt keine erzählerische Ungeduld und zieht seinen einzigartigen Stil mit einer tristen, aber doch faszinierenden Kulisse und der merkwürdigen, nicht einmal im Ansatz harmonischen Filmmusik, die aber doch in den Film passt und durchaus eine Abwechslung anderen Werken gegenüber bietet, von Anfang bis Ende durch. Dabei lässt er seinen beiden Hauptdarstellern viele Freiräume und weiß genau, wie er die beiden Darstellungen in den Film einzubringen hat. Auch wenn er sich im Mittelteil dann doch ein bisschen zu viel Zeit lässt, zumal die berauschenden und faszinierenden Bilder irgendwann ihren Reiz verlieren, ist "There Will be Blood" so durchaus unterhaltsam und auf jeden Fall sehenswert. Es gibt kaum vergleichbare Werke, die eine solche Größe und Faszination, mit monumentalen, beinahe biblischen Ausmaßen erreichen, aber auch kaum Werke, die dermaßen sperrig sind. Ein echtes Monstrum von einem Film eben.

Selbst verglichen mit den Oscar-Gewinnern, der letzten Jahre, wie Adrien Brody, Forest Whitaker oder Philip Seymour Hoffman, ist die Leistung von Daniel Day-Lewis absolut sehenswert und eine der mit Abstand besten aller Zeiten, die Robert de Niro in "Wie ein wilder Stier" oder Anthony Hopkins in "Das Schweigen der Lämmer" in absolut nichts nachsteht. Lewis spielt seinen Charakter absolut überlebensgroß und entwickelt mit der Zeit eine Leinwandpräsenz, wie man sie nur ganz selten zu sehen bekommt. Egal ob Wut, Hass oder Trauer, Lewis denkt sich tief in seinen komplexen Charakter hinein und stellt jede Gefühlsregung absolut perfekt dar. Allein diese fantastische darstellerische Leistung ist das Ansehen des Films schon wert. Auch wenn er schon in "Mein linker Fuß", "Gangs of New York" und "Im Namen des Vaters" brillieren konnte, ist dies die beste Leistung des doppelten Oscar-Preisträgers, der sich nun endgültig in die Liste der besten Darsteller aller Zeiten eingereiht hat. Nach seinem starken Auftritt in "Little Miss Sunshine" wurde Paul Dano als viel versprechendes Nachwuchstalent gefeiert und dem wird er auch in "There Will Be Blood" voll und ganz gerecht, auch wenn er neben Lewis definitiv nur die zweite Geige zu spielen hat. Er löst die Rolle des gierigen Predigers hervorragend und spielt diese Rolle makellos, beinahe furchterregend gut.

Fazit:
"There will be Blood" ist ein überragendes und gewaltiges Epos, eine Charakterstudie mit monumentalen Ausmaßen, mit einer darstellerischen Glanzleistung von Daniel Day-Lewis und einer fast ebenso guten von Paul Dano, dargestellt in faszinierenden, wie in Öl gemalten Bildern. Dabei überzeugt "There Will Be Blood" auch als Parabel über den Kapitalismus und verstört mit seinem Sog aus Hass, Gier und Rache über weite Strecken, auch wenn dem sperrigen Epos zum Ende hin teilweise die Luft ausgeht. Dennoch vor allem für Filmliebhaber sehenswert.

82%

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