''There will be blood'' erzählt die Geschichte von Daniel Plainview, der vom kleinen hart arbeitenden Mann mit Fleiß, Zielstrebigkeit und Skrupellosigkeit in die höheren Reihen der ''Ölmänner'' gerät, Geld scheffelt, berüchtigt wird und in einem großen Bogen, den der Film spannt, letzlich größenwahnsinnig wird und letzten Endes in der Schlusssequenz und Schlüsselszene eskaliert und druchdreht.
Was der Film hierbei in kleinster Feinarbeit behandelt sind vorallem die Themen Öl, Religion und Kapitalismus. Ohne diese direkt und frei auszusprechen belässt es der Film dabei, genannte Konflikte zu umschneiden, sie zu zeigen aber eben nicht direkt anzusprechen und die Themen in langweiliger Art abzuhandeln.
Der Zuschauer bekommt also, so zumindest ich, dass Gefühl, dass man sich tatsächlich nicht zu viel mit den Themen auseinandersetzen muss, da der Film diese Konflikte keineswegs aufzwingt. Trotzalledem kann der Film, je nach dem, wie man sich darauf einlassen will, zum nachdenken anregen.
Was passiert, wenn ein Mensch zu viel Macht hat? Wenn er Menschen sagen kann, was sie zu tun und zu lassen haben?
Das natürliche Verlangen des Menschen nach mehr Macht, mehr Anonymität, und
vernab von Menschlichkeit, führt zur unmittelbaren Konsequenz des Krieges. Des physischen, psychischen oder des verbalen Krieges.
Oder das Vorkommen an Ressourcen, dass man sichern möchte. Das man nicht teilen möchte. Ein gewisser Grad der Unmensschlichkeit steckt vermutlich in einem jeden von uns. Wo Macht ist, da ist auch fast immer eine gewisse Ungerechtigkeit zu erkennen. Wenn ein Mensch viel Macht hat oder erhält, damit geboren wird, oder sie sich sogar erkämpft, ist es selten genug, etwas verlangt nach mehr. Etwas das wir vielleicht bei uns selbst noch nie gesehen, noch nie erkannt haben, verlangt plötzlich nach mehr. Weil Macht oft ein gutes Gefühl darstellt. Die Grenze zwischen Menschlichkeit und Unmenschlichkeit verschwimmt zunehmens.
Es heißt, je mehr Lebensfreude wir haben und pflegen, dass wir länger leben. Hiernach haben die ärmeren oder die Bescheidenen einen deutlich längeres Leben. Diese Menschen erzeugen Gerechtigkeit, während die Macht und Habgier anderer Menschen diese wieder zerstört. Weil sie eine Sternschnuppe sind, sich für eine wunderschöne halten und geradewegs die Erdlaufbahn überqueren, in die
Erdathmosphäre eintreten und mit großer Geschwindikeit einen Krater auf der Erde und in uns hinterlassen und nichts als Staub, Verwüstung und Enttäuschung übrig bleibt.
Der Konflikt der Hauptfigur erzeugt für gewisse Zeit eine Identifikation. Eine Figur, die man bis zu einem gewissen Punkt verstehen kann. In der ersten Hälfte wirkt Daniel noch wie ein Mann, der sich sein ganzes Leben lang abgerackert und gekämpft hat (Berachtet man hier einmal die ersten 10-20 Minuten) und jetzt einen Weg gefunden hat etwas Wohlstand und Ruhe zu erfahren. Das alles zusammen mit seinem Sohn, bzw. seinem treuren Gefährten und Geschäftspartner H.W.. Als er das Land in Little Boston aufkauft erscheint er als durchaus guter Mensch. Er beteiligt alle (Schon hier ist aber zu sehen, dass seine großzügigen Angebote an die Menschen und ihr Land in Relation zum Ölvorkommen und dessen Gewinn, dann doch bescheiden und kalkulierbar sind) und verspricht viel. Ähnlich wie wir es alle von unseren bescheidenen Politikern kennen. Er verspricht Wohlstand, eine Verbesserung der Lebensqualität usw. und sofort. Man nimmt es ihm noch ab, bis die erste Hälfte, die Explosion und das damit verbundene Wissen um ein riesiges Ölvorkommen gelüftet ist. Dazu kommt der tragische Unfall seines Sohnes während der Explosion, dass ihn für kurze eit vollkommen kalt lässt als er erkannt hat, dass dort ein Vermögen auf ihn wartet. Die Grenze ist gesponnen und darf ab jetzt zunehmens verschwimmen.
Die nächste hörere Hürde erreicht der Film mit Paul Sunday, der Prediger, mit dem Daniel sich in einer Art Machtkampf befindet. Dieser Konflikt verbirgt sich im Ende und muss an dieser Stelle nicht gelüftet werden.
Die Bruder-Geschichte um einen nie dagewesenen und unbekannten, der vorgibt Daniel's Bruder sein, lässt die bereits verschwommenen Grenzen ins Daniels Kopf verschärft erkenne. Er mistraut ihm, trinkt und ist geplagt von Rache-Fantasien und Verschwörung gegen ihn selbst. Der Konflikt endet mit einer klaren Botschaft.
In der letzten Partie des Films erkennt er auch seinen Sohn nicht mehr an und verweigert den Glauben an sein eigenes Kind. In aller Hoffnung das Folgende ist okay, zitiere ich eine Überschrift eines alten Beitrages hier von MP, der mit wenigen Worten weiß, das gesamte Drama ''There will be blood'' zu beschreiben:
'' 'There Will Be Blood' - Sinnbild des menschlichen Zerfalls ''
Eine tragische Geschichte über einen Mann und seine Psyche, der immer hart gearbeitet hat, sich doch nur gewünscht hat auch mal etwas zu erreichen und letzlich an der Macht, die er erschafft und bekommt und seinem Verlangen nach mehr, scheitert und ''zerfällt''. Der Film ist die Konsequenz pur und zeigt das Leben, wie es sein Kann und wie es ist. Er schneidet dabei natürlich auch das Thema ''Öl'' an, dass in Amerika immerhin schon immer, nicht nur zu dieser Zeit, ein großes Thema darstellt. Paul Thomas Anderson und sein Komponist Jonny Greenwood finden dabei eine ausgewogene und, ich weiß es nicht anders zu sagen, ''etwas andere Art'' der Darstellung und Inszenierung. Die Musik ist stets bedrückend und weiß schlimme Szenarien der Handlung einzuleiten. Man könnte fast sagen, die Musik bewahrt einen vor einem kleinen ''Jump-Scare''. So ist der Einsatz von teils übertriebenen teils spannend klingenden Geigen-Spiel sehr passend. Ein rundes Paket, dem, wie ich erst im Nachhinein sah, auch viele Preise vergönnt sind.
Eine klare 9/10 gibt's von mir für Daniel-Day Lewis und ''There will be blood''!