Die Anfänge der Vereinigten Staaten von Amerika wie wir sie heute kennen - als mächtige Industrienation - porträtiert Regisseur Paul Thomas Anderson in seinem Epos "There will be blood" als psychologisch dichte Tragödie, die sich über einen Zeitraum von 30 Jahren erstreckt, voller symbolisch aufgeladener Bilder und brillanter Darsteller.
Daniel Day-Lewis spielt einen Ölmagnaten, der über seiner Gier nach Reichtum nicht nur seinen Sohn vernachlässigt, sondern sich auch mit dem jungen Pfarrer einer Gemeinde anlegt, in der er ein gewaltiges Ölvorkommen vermutet. Seine Sucht nach Erfolg und Profit lässt ihn sich in immer schlimmere Raserei steigern - und am Ende alles verlieren.
Bei der Inszenierung nimmt der Film die gigantomanischen Vorstellungen seiner Hauptfigur mitunter selbst zum Vorbild: Die Bilder wirken immer wieder wie Gemälde, wenn sie riesige, brennende Öltürme oder spektakuläre Landschaftspanoramen zeigen. Die Kamera fängt immer wieder starke Totalen ein, schneidet schnell zu Großaufnahmen von Day-Lewis über und geht wieder in Totalen über. So wird schon formal der Größenwahn dieses Unternehmers der ersten Stunde visualisiert. Überhaupt strotzen die Einstellungen vor visuellen Symbolen: Wenn sich der Ölmagnat und der örtliche Pfarrer gegenüberstehen, ist das eine Bildmetapher auf den großen Kampf, der zum Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA ausgetragen wurde - wirtschaftlicher Erfolg gegen religiöse Überzeugungen. Und hier wird kein Blatt vor den Mund genommen: Die Grundsteine, auf die sich die heutige Wirtschaftsmacht stützt, werden als Schlachtfeld zwischen Ökonomie und Glauben dargestellt, und beide Parteien sind dabei derart fanatisch, dass Dinge wie Menschlichkeit oder Mitgefühl bestenfalls Mittel zum Zweck sind.
Das Duell zwischen Mann der Wirtschaft und Mann des Glaubens nimmt dabei auch stetig grausamere Züge an. Es beginnt bei Ignoranz und herablassenden Sprüchen, steigert sich zu gegenseitiger Erniedrigung und Demütigung und mündet schließlich, nach beinahe zweieinhalb Stunden, in ein rigoroses Schockfinale, das den innerlichen Zerfall sämtlicher Akteure glaubhaft und erschreckend darstellt. Die völlige Verschreibung einer Sache, das kommt hier zum Ausdruck, muss auf lange Sicht zum Tod des eigenen Charakters führen.
Diese Aussage wird genial von Hauptdarsteller Daniel Day-Lewis getragen. Die Mischung aus kaltem Geschäftssinn und Liebe zu seinem Sohn, durch die immer häufiger und immer stärker reiner Wahnsinn durchbricht, gibt er mit einer schier überlebensgroßen Leidenschaft, die diesen Charakter so real macht, wie man es nur selten in Hollywood-Filmen erlebt. Zu diesem schauspielerischen Kraftakt gesellen sich die großartigen Bilder, eine anspruchsvolle Inszenierung - schon der Einstieg, der ohne Dialoge die Geschichte der ersten Jahre dieses Mannes, der schließlich zum Erfolg kommt, zeigt, zeugt von großer Kunstfertigkeit - und eine düstere, aber authentische Story, die die Anfänge der USA als morallosen Krieg zwischen verschiedenen Parteien zeigt - die am Ende alle doch nur ein Stück vom selben Kuchen haben wollen: dem Geld.
Trotz einiger Längen und dem einen oder anderen Zeitsprung, der gar zu große Lücken in die Kontinuität der Geschichte reißt, ist "There will be blood" ein gewaltiger, authentischer und stark ausgestatteter Film über Gier und Fanatismus. Ein großes Kunstwerk mit großer Aussagekraft.