"Frau Doktor, Mein Mann ist nicht mehr mein Mann!"
Invasion von Oliver Hirschbiegel ist, wie auch schon die drei Vorgänger-Filme, dann am beklemmensten und dann am besten, wenn er sich mit der (Ur-)Angst vieler Menschen befasst, dass man zu seinem Gegenüber und im schlimmsten Fall zu seinen vertrautesten Menschen die emotionale Bindung, das Einfühlungsvermögen verliert.
Wenn die Menschen in der "Bodysnatcher-Serie" dieses Unbehagen fühlen sind allerdings nicht sie diejenigen, die an Empathie-Mangel leiden. Es sind die Aliens! Waren es 1958 noch "richtige" Außerirdische, die mit einem "richtigen" Ufo geflogen kamen, sind es diesmal außerirdische Sporen, die aus dem fühlenden Individuum mit allen seinen Höhen und Tiefen, die das Mensch-Sein zu bieten hat, via REM-Schlaf ein Mitglied der neuen, ultra-lauwarmen Gleichförmigkeit zu machen.
Es sind die ersten ca. 50 Minuten im Film, die eine wirklich beklemmende Wirkung hervorrufen: Wie die Hauptdarstellerin Nicole Kidman langsam merkt, wie immer mehr Menschen immer seltsamer werden und es macht Spaß zu verfolgen, in welchen subtilen Handlungen sie - ein Profi in Sachen Empathie, ein Psychiater und somit die Antithese zu den Invasoren - die Andersartigkeit der menschlischen Kopien entdeckt, aber noch nicht zu deuten weiß. An einer Stelle des Films muss sie befürchten, dass sogar ihr Sohn von den Aliens assimiliert worden ist. Spätestens hier wird einem die Tragweite der Invasion bewusst und hieran kann man auch eine Stärke des Films festmachen - die Darstellung der rührenden, liebevollen Bindung von Mutter und Kind, die von beiden Seiten wunderbar gespielt ist. Invasion erschafft mit dieser "Variante der Körperfresser" den "absoluten" Gegenspieler zu dem Bösen im Film: Die Bindung zwischen Mutter und Kind.
Mit einigen guten Nebendarstellern sind auch die Klone durchaus recht passend besetzt und passend gespielt. Dem Anführer der fiesen Duplikate, der im Film der Ex-Mann der Hauptdarstellerin ist, steht die menschlische Kälte ganz gut und ebenso sind auch Handlungen der Aliens durchaus recht furchteinfösend dargestellt. Allerdings kommt Invasion in diesem Punkt nicht ganz an das Remake von Abel Ferrara heran, wo die Aktionen der Aliens noch beängstigender gemacht sind. Toll besetzt (mit Daiel Craig) ist auch die Rolle des ständigen Vertrauten, der am Schluss dann doch auf die andere Seite gewechselt wird.
Klar - der Film ist als Blockbuster produziert, bedient sich einiger Hollywood-Klischess inklusive dem klassischem Happy End und hat vielleicht auch ein Paar Mängel in der Logik.
Dennoch: Mehr als "nur" ein guter Science-Fiction-Film, mit tollen Darstellern, durchweg spannender Handlung und einer angemessenen Dosis psychologischem Tiefgang. Super Remake!
8 von 10 Punkten