Review

Dass „schön düster“ nicht immer gleichzusetzen ist mit „schön böse“, kann man am Beispiel „Dark City“ verdeutlichen. Regisseur Alex Proyas zeichnete in diesem Film eine sehr, sehr düstere Kulisse, die aber leider nicht so bedrohlich wirkt, wie sie es vielleicht sollte.

John Murdoch (Rufus Sewell) findet sich mit einigen Gedächtnislücken wieder. Nach und nach wird ihm durch mysteriöse Umstände klar, dass die Welt, die Stadt, wie er sie kennt, von seltsamen Wesen aus der Unterwelt kontrolliert wird. Sie halten tagtäglich um Mitternacht das Geschehen an, um Existenzen auszutauschen oder um ganze Straßenzüge umzugestalten. „Tuning“ nennen sie diese Tätigkeit und seltsamerweise ist nun auch John in der Lage, dieses „Tuning“ durchzuführen. Nur er und der Mediziner Dr. Schreber (Kiefer Sutherland), der die Menschheit verraten hat, um den Wesen aus der Unterwelt bei ihren Machenschaften zu helfen, wissen von der Existenz dieser mächtigen Rasse.

Ja, da kommen entfernte Erinnerungen an die Matrix-Trilogie auf… ob zurecht oder nicht, sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass wir es hier mit einem sehr seltsamen Vertreter des Science-Fiction-Mystery-Thrillers zu tun haben. In der Regel sollte es ja so sein, dass man den Zugang zu einem Film in erster Linie über den Helden finden sollte. Und genau das gestaltet sich im Falle von „Dark City“ äußerst schwierig. Rufus Sewell verkörpert die Hauptfigur John Murdoch so herzlos, so eiskalt, dass es dem Zuschauer verdammt schwer fällt, Sympathien für jenen Helden aufzubauen. Selbstverständlich kann man in einem Film, der vom Grundtenor her schon sehr düster sein soll, nicht freudestrahlend den Sunshine-Helden mimen, aber Mr. Sewell scheint sich mit seiner Performance vollkommen seinem Publikum zu verschließen. Zugang unmöglich. Access denied. Wenn man überhaupt einen Zugang zu irgendeiner Figur finden kann bzw. will, dann ist das wohl am ehesten über den durch Kiefer Sutherland verkörperten Dr. Daniel Schreber möglich. Und das, obwohl man den Mediziner eigentlich von Beginn an eigentlich überhaupt nicht sympathisch finden soll; nichtsdestotrotz war er mir sofort bedeutend sympathischer als John Murdoch. Was soll’s… wenden wir uns den filmischen Stilelementen zu. Ja, Proyas schafft es, eine düstere Atmosphäre aufzubauen. Dies gelingt ihm in erster Linie dadurch, dass er einfach alles dunkel lässt. Sehr geschickt, Mr. Proyas. Und auch die glatzköpfige, „herrschende“ Rasse gibt noch mal einen entscheidenden Kick in Sachen „Darkness-Faktor“, sodass die „Dark City“ ihrem Namen wirklich alle Ehre macht. Und genau da springt dann auch der Hase in den Pfeffer (oder so): Dieser Film hätte so richtig schön böse werden können, aber anstatt die Dunkelheit nicht nur auf der farblichen, sondern auch auf der dramaturgischen Palette anzusteuern, wird uns hier ein Film geliefert, der sich irgendwie den Weg auf dem schmalen Pfad zwischen Gut und Böse sucht, um letztlich gewissermaßen abseits von beidem zu landen. Ein etwas zu sehr überdehntes Finale trübt dann den ohnehin schon bitteren Nachgeschmack auf ein Neues…

Moralische Aspekte, die „Dark City“ wohl übermitteln will, lassen wir einfach mal außer Acht. Denn genau diese übermittelt der Film unzulänglich. Ich könnte jetzt noch Ewigkeiten weitermachen und meinem Unmut freien Lauf lassen, aber dann würde ich Gefahr laufen, genauso langatmig zu wirken wie „Dark City“. Deshalb belasse ich es bei einem finalen Urteil: 4 von 10 Punkten!

Details
Ähnliche Filme