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Noch kurze Zeit vor dem Megaerfolg von „Matrix“ beackerte Alex Proyas bereits ähnliche Gefilde mit seinem weniger bekannten „Dark City“.
John Murdoch (Rufus Sewell) auf und findet eine Leiche im Nebenzimmer. Er kann sich an nichts erinnern in der dunklen, verregneten Stadt, in die er hinausläuft. Wer ist der geheimnisvolle Dr. Daniel Schreber (Kiefer Sutherland)? Kann er dem Inspektor Frank Bumstead (William Hurt) trauen? Oder seiner (angeblichen) Frau Emma (Jennifer Connelly)? „Dark City“ geht direkt in medias res und lässt den Zuschauer zusammen mit John rätseln, was denn genau hier vorgeht.
Das einzige, was klar ist, dass die seltsamen Fremden mit übernatürlichen Kräften, die John verfolgen, etwas mit dem Geheimnis der Stadt zu tun haben. Also flieht John durch die Straßen und sucht gleichzeitig nach Antworten...

„Dark City“ ist ein eigenwilliger Mix aus Science-Fiction-Thriller und Film Noir, wobei vor allem das Figureninventar und die Sets an den Film Noir erinnern. Emma ist natürlich Nachtclubsängerin und potentielle Femme Fatale, Johns Suche nach dem Geheimnis hat etwas von Detektivarbeit und die Fremden erinnern in ihrem Auftritten an Gangster – von offensichtlichen Anleihen wie den Frauenmorden und der ermittelnden Polizei, die sowohl Hilfe als auch Hindernis für den Ermittelnden ist. Auch Bildsprache und Lichtsetzung (die dem Film Noir in erster Linie seinen Namen gab) erinnern stark an Filme dieser Coleur.
Doch zwischen den farbarmen, gelegentlich wirklich beinahe schwarz-weiß scheinenden Bildern steckt noch eine übernatürliche Komponente, wie man schnell merkt. Auch hier kann sich „Dark City“ so richtig austoben mit seinen eigenwilligen FX, meist dann, wenn sich das Stadtbild ändert, wobei man erst nach einer Weile erfährt wie und warum. Bis auf einige mäßige Shots gegen Ende sind die Tricks gut umgesetzt und auch Jahre nach dem Release von „Dark City“ gut goutierbar.
Gleichzeitig muss man allerdings sagen, dass „Dark City“ bei all seiner Schönheit seine Geschichte etwas vernachlässigt, sich bisweilen fast nur auf seine Bilder verlässt. Die Konferenzen der Fremden sind hübsch anzusehen, bringen den Film aber nur gelegentlich voran und einige der Subplots (u.a. das Injizieren von Johns Erinnerungen in das Gehirn eines Verfolgers) machen leider wenig Sinn, wirken wie eine nette, aber gleichzeitig auch verzichtbare Beigabe zu dem ansonsten gut funktionierenden Mainplot.

Denn das Geheimnis, das hinter der dunklen Stadt steckt, liefert eine wirklich lückenlose Erklärung für alles zuvor Gesehene und überrascht durchaus. Dabei sind die Hinweise schon zuvor deutlich gesät, schon beim Design der Stadt fällt das eine oder andere Detail auf und mit geschickt eingebauten Plottwists sowie falsch gelegten Fährten gestaltet „Dark City“ diese Schnitzeljagd spannend. Da verzeiht man auch durchaus, dass die Charaktere bisweilen etwas flach und scherenschnittartig bleiben. *SPOILER* Was in gewissem Sinne ja auch passt, da die Fremden ihnen ja kaum Gelegenheit zur Persönlichkeitsentfaltung gelassen haben, die Handlung aber leider etwas weniger packend macht. *SPOILER ENDE*
Auf Megastars verzichtet „Dark City“ dankenswerterweise und gibt dem sonst eher im Hintergrund stehenden Rufus Sewell die Hauptrolle. Gerade die Tatsache, dass er sonst nicht so prägnant ist, hilft bei seiner Verkörperung der gejagten Jedermanns. Jennifer Connelly passt in die Rolle der geheimnisvollen Schönheit ebenso wie William Hurt in die des aufrechten Inspektors. Ungewohntes Terrain betritt Kiefer Sutherland mit seiner duckmäuserischen Rolle, doch auch dann kann er sein Können beweisen.

Der letzte Schritt zum großen Science-Fiction-Highlight mag „Dark City“ noch fehlen, da er sich bisweilen etwas zu sehr auf die zugegeben brillante Optik verlässt, doch ein stilvoller wie spannender Film ist Alex Proyas hiermit doch gelungen.

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