Rufus Sewell spielt einen Mann, der in einer Badewanne erwacht, sich an wenig erinnern kann und darüber hinaus auch noch für eine Mordserie verantwortlich sein soll. Ein Arzt, gespielt von Kiefer Sutherland, und eine Frau, die behauptet, seine Frau zu sein, gespielt von Jennifer Connelly, scheinen ihn zu kennen, aber er erkennt die beiden nicht wieder und wird zu allem Überfluss von ein paar fremden, glatzköpfigen Männern verfolgt, die scheinbar über übernatürliche Fähigkeiten verfügen. Er selbst verfügt ebenfalls über diese Fähigkeiten und stellt darüber hinaus nach und nach fest, dass es in der Stadt, in der er sich befindet, nicht mit rechten Dingen zugeht.
Bei “Dark City“ hat sich Alex Proyas, der sich zuvor bereits mit “The Crow“ einen Namen machen konnte und später unter anderem “I, Robot“ und “Knowing“ inszenieren sollte, mit seinen beiden Co-Autoren durchaus ein einfallsreiches Szenario, eine gelungene Dystopie zusammenkonstruiert und sich hier und da bei einigen Klassikern bedient, ohne die Parallelen allzu offensichtlich hervortreten zu lassen. Doch statt bereits im Vorspann zu erzählen, um was für eine Welt es sich hier handelt, was vor sich geht und wer die merkwürdigen Fremden mit den Glatzen eigentlich sind, bleibt es bei einem vielsagenden Einstieg, bevor der Protagonist schließlich unvermittelt in seiner Badewanne erwacht.
Erst nach und nach erfährt man, was es mit der dunklen Stadt auf sich hat, in der sich der Protagonist befindet, vieles bleibt aber bis zuletzt unbeantwortet, auch die Motive der Fremden bleiben über weite Strecken ein Geheimnis. Statt zu viel preiszugeben, hetzt Proyas seine Hauptfigur lieber durch die Stadt und lässt sie nach und nach herausfinden, dass beispielsweise die Sonne niemals scheint oder dass es aus der Stadt kein Entkommen gibt. Alle Stadtbewohner erinnern sich an denselben Urlaubsort, an dem alle einmal gewesen zu sein scheinen, einen Sandstrand unter blauem Himmel, aber niemand kann sagen, wie man dorthin kommt. Auch die Rolle des Doktors, der mit den Fremden zusammenarbeitet, wird nicht wirklich klar.
Auf der Suche nach Antworten ergeben sich für die Hauptfigur also zunächst einmal primär neue Fragen, die das Geschehen dann auch zunehmend spannender und mysteriöser gestalten. Dabei wird er von den Fremden und der Polizei verfolgt, wodurch der Film weiter an Fahrt gewinnt. Hinzu kommt noch die düstere Atmosphäre, die “Dark City“ bis zuletzt zu einem sehenswerten Sci-fi-Thriller macht, der seine Zuschauer kaum besser bei der Stange halten könnte. Die Stadt erscheint nicht nur auf den ersten Blick düster und dreckig, sie hält die Atmosphäre auch weiterhin aufrecht mit ihrer dunklen, bedrohlichen Art, mit ihren postmodernen aber wenig einladend wirkenden Bauten und da auch die Spezialeffekte nicht schlecht aussehen, ist auch der optische Eindruck letztlich sehr gut gelungen. Hinzu kommt die nervenaufreibende Musik, die ihrerseits Akzente setzt und das Tempo ebenfalls immer wieder ankurbelt. Und nicht nur inszenatorisch, auch darstellerisch gibt es wenig Grund zur Beschwerde, Rufus Sewell trägt in der Hauptrolle durchaus gelungen durch den Film, während Kiefer Sutherland den undurchsichtigen Doktor mit einer etwas kauzigen Art gelungen darstellt und sowohl Jennifer Connelly, als auch William Hurt gewohnt makellose Vorstellungen abliefern.
Am Ende gibt es dann eine solide, aber auch nicht wirklich umwerfend gute Auflösung der Vorfälle und einen Showdown, der die Erwartungen vielleicht nicht ganz erfüllt. Letztlich ist die Erwartungshaltung am Ende aber auch nur deshalb so hoch, weil das Vorangegangene gelungen konstruiert war, immer wieder neue Fragen aufgeworfen und damit viel versprochen hat. Daher mag man es dem Film verzeihen, zumal viele ähnlich angelegte Filme am Ende noch weniger zustande gebracht haben und das Finale zumindest eine wirklich gelungene Wendung bezüglich des Doktors zu liefern vermag. Dabei werden noch ein paar Überlegungen zum Wesen des Menschen angestoßen, die dann aber nicht wirklich zu einem klaren Gedanken oder einer Aussage gefasst werden können, dies ist vielleicht der größte Kritikpunkt am Film, denn hier beginnt er dann doch, sich ein wenig zu ernst zu nehmen.
Fazit:
“Dark City“ ist eine hervorragende Dystopie, die sich erst nach und nach erschließt, wenn der Protagonist, verfolgt und verunsichert, durch die Stadt irrt und allerlei Ungereimtheiten aufdeckt. Diese Suche nach Antworten gestaltet sich aufgrund der düsteren Atmosphäre, der spannenden Inszenierung und dem permanenten Aufwerfen weiterer Fragen ausgesprochen spannend, weswegen sich das durchwachsene Ende ohne Weiteres verzeihen lässt.
87%