Review

Dark City(1998)

Pardon. Darf man Matrix schei*e finden? Das ist vielleicht ein etwas zu heftiges Adjektiv für den Wachowski Film, aber gerade in den letzten Jahren, fand ich "The Matrix" jedes Jahr ein Stück weit schlechter, als noch 1999. Wer kam damals nicht begeistert aus dem Kino. Diese Action, dieser fetzige digital Schnitt, die brillianten (Bullet Time)Effekte und eine Philosophie, die in ihrer Mystik durchaus spass macht. Was ist passiert? Auch wenn die Schießereien und Kloppereien deutlich überzeichnete spielereien sind, jeder Heroic Bloodshed eines John Woo's(Hard Boiled, The Killer, Bullet in the Head) machte das schon Jahre vorher, trotz fehlender Digital Ultra Slow Motion's, besser und eindrucksvoller. Auch philospohisch angehauchte Traumszenarien wurden vor- wie nachher besser erzählt. Ich sag nur Inception. Die beiden größten Knackpunkte im Neo Mr.Smith Universum sind aber, zum einen die Fortsetzungen, die an sinnloser Entmystifizierung und dumm philosophischen Gerede kaum zu überbieten sind und zum anderen Dark City, der circa ein Jahr vorher die Lichtspielhäuser durchflutete.

Es war schon mutig von den Wachowski Brüdern, derart viele Ideen aus Alex Proyas(The Crow, Knowing, iRobot) Meisterwerk, der wiederum auf dem Roman "Das Experiment"(Boris & Arkadi Strugazki) basiert, zu mopsen. Das sogar teilweise identische Kulissen aus Dark City verwendet wurden stößt umso ironischer auf. Die Wachowski s hatten vorerst Glück, spielte Dark City doch gerade so seine geringen Produktionskosten(27 Mio. Dollar) wieder ein und ist, ähnlich wie Blade Runner seinerzeit, alles andere als ein Kassenschlager. Daher fiel es weniger auf, dass Matrix gar nicht so revolutionär war, wie seinerzeit prophezeit. Der sehr intelligente, faszinierende und unheimlich stilisierte Dark City wurde im nachhinein auf Video und DVD zum Kult. Zurecht. Mit welch genialen Einfällen hier Proyas durch die dystopische Noir Wolke inszeniert, ist schon beeindruckend. Gerade dieses wohlig "Zeitlos Feeling" wie es eben bei Dark City, Total Recall, Blade Runner, Alien, Star Wars oder Robocop auftritt, geht bei Matrix einfach nicht auf. Auch die Besetzung(Kiefer Sutherland, Rufus Sewell, William Hurt, Jennifer Connelly) ist durch die Bank spielfreudig und überzeugt auf ganzer Linie. Was für eine Bilderflut, was für eine Geschichte.

Über die Story selbst sollte man gar nicht so viel wissen. Auch wenn es sich bei Dark City um ein Kleinod handelt, das zum wiederholten sehen einlädt. Auch der Roman(mittlerweile drei mal glesen) entfaltet eine ähnliche Sogwirkung. Es geht auch ohne riesig aufgezogene Effektgewitter, ohne ein immenses Budget im Rücken.

Fazit: Ein unkaputtbarer, nicht fortsetzbarer Koloss im Sci Fi Universum. Nicht fortsetzen. Das hätte sicher auch Matrix etwas "wichtiger" oder "zeitloser" machen können, aber in dieser Trilogieform kann man den Wachowski Brüdern nur gehobenes Mittelmaß bescheinigen. Im Angesicht wahrer Sci Fi Klassiker nimmt Dark City unbedingt einen Top Five Rang ein, während Matrix, zumindest für mich, nicht mal in eine Top 100 gehört. Man darf gespannt sein, ob das geplante Blade Runner Sequel etwas wird. Den Bruder im Geiste hatte Blade Runner ja schon 1998 gefunden.

8/10

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