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*** SPOILERWARNUNG ***


John Murdoch (Rufus Sewell) erwacht in einem Badezimmer. Ohne eine Erinnerung an seine Identität, wie er dorthin kam oder was es mit der blutverschmierten Frauenleiche im Schlafzimmer auf sich hat, macht er sich auf den Weg durch eine dunkle Stadt. Ihm auf den Fersen dabei Inspektor Bumstead (William Hurt) und eine Gruppe von Männern in schwarzen Mänteln, die nicht von dieser Welt scheinen.

Inhalt und Optik gehen hier Hand in Hand. Man findet im Design einige Stile von Art Deco bis hin zum deutschen Expressionismus. Auch die Geschichte ist ein Gemisch, vorherrschend aus den Bereichen der Science-Fiction und des Film Noir. Dies alles zusammen erschafft stilvolle Bilder und Sets, an denen ich mich kaum sattsehen kann. Die Straßenschluchten und Hinterhöfe, Interieurs, Fassaden und Kanäle, alles umhüllt von der steten Dunkelheit und in künstliches Licht getaucht – (Alb-)Traumhaft schön und in ebensolche Bilder eingefangen durch Dariusz Wolski, der schon bei „The Crow“ mit Regisseur Alex Proyas zusammenarbeitete.
Und auch wenn die Story mitunter etwas zu schnell fortschreitet, bietet sie genug, um sich von anderen Genrevertretern abzuheben. Die Frage nach der Realität der eigenen Erinnerungen geht zwar nicht übermäßig in die Tiefe, reicht aber für das Vorankommen der Geschichte und ihrer Ausgestaltung mit mysteriösen Einschüben vollkommen aus. Da bleibt aber auch manche Ungereimtheit nicht aus. So wundert sich scheinbar niemanden, nachts auf dem Gehweg liegend aufzuwachen. Auch beherrscht Murdoch seine Fähigkeiten viel zu schnell. Verzeiht man dies dem Film, funktioniert das Ganze aber.

Ebenfalls funktioniert die Besetzung überwiegend gut. Rufus Sewell ist nicht der typische Held, ins vorliegende Szenario passt er jedoch. An seiner Seite gibt es mit Kiefer Sutherland, William Hurt und Jennifer Conelly weitere gute Darsteller und auf der Schurkenseite ein Wiedersehen mit Richard O'Brian (Rocky Horror Picture Show) und Bruce Spence (Mad Max 2). Und auch wenn Sie unter dem Make Up erst mal schwer auszumachen sind, so reicht das Charisma durch dieses hindurch.
Die Effekte gehen auch heute noch oftmals in Ordnung, insbesondere das sich ändernde Design der Stadt und des Lebens so mancher Bewohner macht optisch Laune. Im Showdown zeigt das Budget dann aber der FX-Abteilung die Grenzen auf und es schleichen sich ein paar billige Shots ein. Auch die Visualisierung des Einsatzes der telekinetischen Kräfte ist eher unspektakulär.

„Dark City“ ist eine interessante Dystopie, eingebettet in eine überaus ansprechende Präsentation. Mitunter etwas zu schnell voranschreitend und mit ein paar halbgaren Effekten zum Ende hin versehen, ist Proyas' Film ein sehenswerter Vertreter seines Genres.

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