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„The Heartbreak Kid“ alias „Nach 7 Tagen – Ausgeflittert“ sollte die Wiedervereinigung des „Verrückt nach Mary“-Teams darstellen, Ben Stiller unter der Regie der Farrelly-Brüder, wurde jedoch allgemein als Fehlschlag wahrgenommen – und das mit Recht.
Eddie (Ben Stiller) ist der Normalo, der hier mal wieder Spießrutenlauf der Erniedrigungen erdulden muss. Nicht nur schleppt er sich zur Hochzeit seiner Ex-Freundin geschleppt, nein, er muss auch am vermeintlichen Kindertisch sitzen – doch der Organisator erklärt ihm, dies sei der Tisch für die Singles. Ein durchaus bissiger Kommentar, denn oft kennt man die Geschichten von Singles, die sich in einem mein Partner-meine Kinder- mein Haus-Kreis von Pärchen einfach nur deplaziert fühlen, da sie die einzigen sind, die nicht emsig heiraten und/oder gebären.
Durch Zufall lernt Eddie die adrette Lila (Malin Akerman) kennen, in die er sich verguckt. Da sie aus beruflichen Gründen versetzt werden soll, Verheiratete aber davon ausgenommen sind, organisiert er blitzschnell eine Hochzeit, was als Drehbuchkniff dienen soll, damit er in den Flitterwochen eine neue Seite an ihr entdecken kann. Das ist zwar alles reichlich dünn, da Lila nach der Heirat kaum etwas mit der Figur aus den Anfangsszenen zu tun hat, für eine solche Komödie aber durchaus noch im Bereich des Akzeptablen was strapazierte Glaubwürdigkeit angeht.

In den Flitterwochen entpuppt sich Lila also als Alptraumfrau, was Eddie schon zu schaffen macht, doch dann lernt er auch noch die bezaubernde, ihm seelenverwandte Miranda (Michelle Monaghan) kennen, womit das Chaos perfekt ist…
Nach kurzer Zeit man das Gefühl nicht einen Film zu sehen, sondern zwei, die lose miteinander verbunden sind: Da wäre eine behutsame Romantic Comedy mit Stiller und Monaghan, auf der anderen Seite plumper Brachialklamauk mit Stiller und Akerman. Trotz gelegentlicher Berührungspunkte gehen beide Filmteile aneinander vorbei, wollen nie so recht harmonieren. Den besseren Part gibt dabei die Geschichte um Eddie und Miranda ab, denn das Flirten wird durch widrige Umstände erschwert: Vor Mirandas Verwandtschaft muss sich Eddie erst beweisen, Martin (Danny McBride) sähe sie sowieso lieber mit ihrem Ex-Freund vereint und noch dazu glauben die Verwandten durch ein Missverständnis, dass Eddies Frau tot sei, was er weder aufklären kann noch wirklich möchte. Ergo gibt es Komik, wenn Eddie verzweifelt versucht mit allen Bällen zu jonglieren, seine Notlügen ihm immer mehr über den Kopf wachsen, das Ganze aber nie in eine Peinlichkeits- oder Erniedrigungstour abdriftet.
Letztere gibt es dann aber mit dem Eherochen, der gerne laut und falsch im Auto singt, sich alsbald als hysterische Planschkuh erweist und noch dazu als Sexmaniac – wobei letzteres ja noch insofern lustig ist, da sich hier eine männliche Wunschvorstellung bald als Alptraum herausstellt. Doch schon bald läuft „Nach 7 Tagen – Ausgeflittert“ hier immergleich ab, egal ob Eddie jetzt etwas über die Drogenvergangenheit seiner Freundin erfährt, mit einem Sexvideoverkäufer in Kontakt kommt oder den berühmt-berüchtigten „mule act“ zu sehen bekommt – es läuft stets auf die typische Stiller-Reaktion des leidenden Prügelknaben hinaus, die nach gefühlten 347 Filmen nach dem gleichen Schema nicht mehr ganz so frisch wirkt und hier dann noch innerhalb des Films zu Tode geritten wird.

Teilweise ist das ja ganz witzig, aber für eine Laufzeit von 111 Minuten doch zu dünn, zumal das letzte Viertel dann das obligatorische Happy End noch künstlich hinauszögert, von dem jedoch jeder weiß, dass es kommen wird. Denn nach 80 bis 90 Minuten Klamauk und Chaos muss nicht noch die Realismuskeule geschwungen werden, da hätte auch märchenhaft alles auf einmal gut sein können – und für den kurzen, relativierenden Joke kurz vor dem Abspann ist das dann zuviel Vorbereitung.
Routiniert gibt uns Stiller dazu den Fußabtreter, nicht ohne Charme, aber auch mit deutlichen Abnutzungserscheinungen bei seiner Standardrolle. Malin Akerman als wandelnder Alptraum ist wie vom Drehbuch gewollt schrill, killt aber so auch schnell jede sympathische Facette ihrer Figur, während Michelle Monaghan eine wirklich famose Leistung erbringt. In Nebenrollen haben Jerry Stiller, Rob Corddry und Danny McBride Amüsantes beizusteuern und helfen dem Film damit teilweise über die Runden.

Es bleibt jedoch ein misskonzeptionierter Film, der in seinen Parts als leise Romanze ganz gut funktioniert, doch die ebenso plumpen wie derben Klamaukparts nerven häufiger als dass sie belustigen, zumal das Konzept von Stillerschen Spießrutenläufen so langsam abgenutzt ist, zu lang ist „Nach 7 Tagen – Ausgeflittert“ auch noch und nur passagenweise witzig.

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