Review

Wer sich, eventuell mit der kompletten Familie, auf einen Kinobesuch einstellt, sollte mit einer kinderfreundlichen Mixtur aus „E.T.“ und „Free Willy“ rechnen, auch wenn hier einmal mehr die Geschichte einer zeitgenössischen Legende im Vordergrund steht: Nessie, das sagenumwobene Ungeheuer von Loch Ness.
Allerdings wird dessen Entstehung aus einer erfrischend neuen Sicht geschildert, was so manchem Zuschauer eine charmante Unterhaltung bieten dürfte.

Eingebettet wurde die Story in eine Rahmenhandlung, in der zwei Rucksacktouristen in einem Pub das berühmte Foto von Nessie an der Wand entdecken, woraufhin ihnen ein alter Mann eine Geschichte dazu erzählt.
Diese ist angesiedelt in Schottland im Jahre 1942, wo der Junge Angus mit Mutter und Schwester in der Nähe von Loch Ness wohnt, während sein Vater im Krieg ist.
Eines Tages entdeckt Angus ein ungewöhnliches Ei im Wasser, woraus nach einer Gewitternacht ein kleiner Wasserdrache schlüpft, der fortan ständig wächst und von niemandem entdeckt werden soll. Was sich als recht schwierig erweist, da just ein Militär-Regiment in und ums Haus herum Quartier bezogen hat. Crusoe, wie der Junge seinen neuen Freund liebevoll nennt, muss also in größere Gewässer als die heimische Badewanne, doch dort lauern erst die schlimmsten Gefahren…

Es ist eine Geschichte über Mut, Vertrauen und Selbstvertrauen, aber auch über das Erwachsenwerden, bei der der Sympathieträger Angus im Mittelpunkt steht.
Eigentlich hat er Angst vor Wasser, doch andererseits zieht es ihn an, oft denkt er an seinen Vater, bevor er in den Krieg musste und streicht die Kalendertage an der Wand, bis dieser wieder heimkehrt, nichts ahnend, dass sein Schiff bereits vor einem Jahr versenkt wurde.
Kein Vaterersatz, aber ein weiterer Freund findet sich im Angestellten Mowbray, der eher unfreiwillig in das Geheimnis des Wasserdrachen eingeführt wird und über den fabelähnlichen Hintergrund zu berichten weiß.
Angus Mutter erweist sich hingegen eher als filzige Ziege mit zu wenig Aufmerksamkeit für ihren Sohn und auch die Figur des leitenden Militärs als Bösewicht bringt nicht allzu erquickende Szenen, im Gegenteil, eine Sequenz mit dem Versuch militärischer Erziehung von Angus wirkt sogar völlig deplatziert, obgleich der historische Hintergrund des Kriegsgeschehens nicht allzu viel Raum einnimmt, etwaige Gräuel werden, schon allein aus Rücksicht auf das junge Publikum, völlig zurecht außen vor gelassen.

Ansprechende Schauwerte bietet hingegen das voll computeranimierte Fabelwesen, von der FX-Schmiede Weta („Lord of the Rings“) effektvoll und gleichermaßen niedlich entworfen.
Ein Pixelwesen in das Element Wasser einzubinden, bedarf ohnehin sehr versierter Kräfte und dies kann in jeder Hinsicht alle Ansprüche in Sachen geschmeidiger und lebendig wirkender Bewegung befriedigen.
Besonders in der ersten Hälfte kommt es zu recht turbulenten Szenen, etwa, als Crusoe von Bulldogge Churchill die Treppe herunter gejagt wird, im Klo versteckt wird, während einer weiteren Flucht Inventar zerdeppert oder einfach nur Freudensprünge in einer Wassertonne vollführt.
Später, im ausgewachsenen Zustand, kann vor allem ein rasanter Ritt über und unter Wasser begeistern, der, begleitet vom gefälligen und beschwingten Score von James Newton Howard zu den kleinen Höhepunkten des Streifens zählt.

Dennoch hätte das kindgerechte Abenteuer, aufgrund recht biederer Erzählweise und leicht überschaubarem Aufbau, etwas mehr Pfiff und Abwechslung vertragen können.
Der Humor kommt stellenweise ein wenig zu kurz und auch die Kommunikation zwischen Angus und den üblichen Protagonisten (einschließlich Wasserdrache) leidet im Verlauf ein bisschen.
Dafür entschädigt das Finale wiederum, da versuchen Kneipen-Dörfler ein Beweisfoto des Ungeheuers zu schießen, das Militär wird auch richtig aktiv und Crusoe muss vor allen möglichen Gefahren in Sicherheit gelenkt werden. Gegen Ende kommt noch einmal ordentlich Tempo und Dramatik ins Spiel.

So wird denn Nessie noch mal neu geboren, dank der niedlichen Vorlage des Kinderbuch-Autors Dick King-Smith und der überaus soliden Umsetzung des Regisseurs Jay Russell.
Wir sehen einmal darüber hinweg, dass Loch Ness anno 1942 eine offene Anbindung an die Ostsee gehabt haben soll und einige der schönen Weitwinkelaufnahmen in Neuseeland statt in Schottland entstanden sind.
Im Gesamtbild erstrahlt ein lebendiger, wenn auch zuweilen etwas zu braver Beitrag über ein Fabelwesen, das einem, selbst in monströser Körpergröße, rasch ans (Kinder)Herz wächst.
Knapp
7 von 10

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