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Das Genre des Krokodilhorrors ist in erster Linie für laute, öfters auch mal trashige Creature Features bekannt, ein Trend, dem „Black Water“ anno 2007 in der geerdeten Variante begegnete.
Die Schwester Grace (Diana Glen) und Lee (Maeve Dermody) sowie Grace‘ Ehemann Adam (Andy Rodoreda) begeben sich auf eine Ferientour, die sie unter anderem auf eine Krokodilfarm führt, später zu einem Angeltrip ins australische Inland. Kurz etabliert „Black Water“ seine eher grob gezeichneten, aber doch stimmig portraitierten Hauptfiguren und gibt dem Ganzen auch noch eine ironische Färbung: Sind die Krokodile auf der Farm noch Touristenattraktion und potentielles Handtaschenmaterial, wird sich das Machtverhältnis im Hauptteil des Films gewaltig umkehren.
Der Wendepunkt ist der, wenn ein riesiges Salzwasserkrokodil das Boot der drei Urlauber mitsamt Fremdenführer auf den Kopf wendet und den Ortsansässigen verknurpst, während der Rest sich in die Mangrovenbäume verkrümelt. Dabei vermeidet „Black Water“ zwar die üblichen Topoi um mutierte Tiere und die Rache der Natur in ihrer gewohnten, extremen Ausprägung, verweist aber gleichzeitig sanft darauf, dass kleinere Rückzugsgebiete und Überfischung die Salzwasserkrokodile zu Angriffen auf Boote und Menschen treiben können.

Da keiner weiß wo sie sind, kein Festland jenseits der im Wasser wachsenden Baumgruppen in Sicht ist und das gekenterte Boot inmitten des schwarzen Wassers liegt, in dem das Krokodil immer noch lauern könnte, ist bald guter Rat für das Trio teuer…
Ein niedrig budgetierter Film aus Australien, mit wenig Geld für Effekte und erst recht keinem für Stars. Insofern sind wenige, unbekannte Darsteller in den Hauptrollen zu sehen, durchaus treffend besetzt, denn sie schaffen es die Gefühle dreier Normalbürger zu vermitteln, die in einer solchen Extremsituation gefangen sind. Das Unverständnis nach dem Motto „Das passiert gerade nicht wirklich mir?“, die Angst, die Verzweiflung – keine Machosprüche, keine überzogenes Heldentum, aber trotz vieler vergossener Tränen auch kein hilfloses Gewimmer, sondern der Wille zum Überleben. All das spielt das Hauptdarstellertrio überzeugend.
Tatsächlich ist das Krokodil kaum zu sehen, oft ist sogar gar nicht zu sagen, ob es gerade anwesend ist, doch daraus zieht „Black Water“ sein Suspensepotential: Die Kameraarbeit ist suggestiv, wenn sich Figuren durch die Mangrovenbäume hangeln, dem Wasser näher kommen oder sich gar hineinwagen – immer wieder vermittelt der Film die Angst, dass das Tier in der Nähe sein könnte, wenn nicht sogar mehrere. Gleichzeitig beschreibt dieses Potential auch den Konflikt des Films: Der Wunsch nach Sicherheit (also statisch in der Baumkrone sitzenbleiben) oder die Notwendigkeit zu handeln (sich also in die Nähe des gefährlichen, undurchsichtigen Wassers zu wagen).

Durchaus realistisch werden Möglichkeiten durchgespielt: Versuche das Boot durch Hilfsmittel heranzuziehen, die Strömung auszunutzen, Hilfe via Handy oder durchs lautes Rufen zu erreichen usw. Das zieht sich hin und wieder, denn so effektiv „Black Water“ das Gefühl des Ausgeliefertseins auch vermittelt, so wirkt das Ganze dennoch zwischendurch ein bisschen zäh. Andrerseits hilft die knackige Lauflänge von gut 80 Minuten, die verhindert, dass die kleineren Längen dem Survivaldrama allzu empfindlich schaden.
Außerdem gibt es noch das Finale, das gleichzeitig Anlass zur Freude und zur Klage ist. Freude darüber, dass der Film tatsächlich mehr Gas gibt, eine Art Showdown, der zum Glück nicht zu unrealistisch ist, abfeiert und in ein Ende bietet, das alles andere als hollywoodesk happy ist, denn Überleben ist hier mit Verlusten verbinden. Klage deswegen, da der Filmgott Zufall einigen Personen doch etwas sehr unter die Arme greift, gerade wenn hier Personen nur verletzt werden, während vorige Opfer direkt verknurpst wurden. Erfreulich hingegen ist die Tatsache, dass die Effekte qualitativ nicht nachlassen, sobald man das Tier dann in Gänze sieht, trotz des geringen Budgets.

Insofern kann man „Black Water“ trotz einiger Schwächen, darunter einige Längen in der Mitte und einige Unglaubwürdigkeiten im Finale, attestieren ein gelungenes Kroko-Kammerspiel zu sein: Die Kameraführung sorgt für Suspense, der Grat zwischen Realismus und Schauwerten wird fast immer sinnvoll bewandert und dem Film gelingt es Angst und Verzweiflung der Protagonisten zu vermitteln, beispielsweise in der regelrecht alptraumhaften Schilderung einer Nacht, in der eine Montage aus Erinnerungsfetzen und traumatischen Visionen den Horror der Ereignisse verdeutlicht.

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