Review
von Leimbacher-Mario
Angriff der Lederhandtasche
Bevor mit „Crawl“ bald ein recht groß produzierter Krokoterror die Leinwände flutet, wollte ich unbedingt noch „Black Water“ abhaken, vom Ruf her einer der besseren Krokodilangriffe der jüngeren Filmgeschichte. Und diesen kann er durchaus bestätigen, selbst wenn er das Subgenre alles andere als neu erfindet, im Grunde nur „Open Water“ in einem australischen Sumpfgebiet mit einem großen Krokodil ist. Doch das reicht um einen zu fesseln und auf die Folter zu spannen. „Black Water“ erzählt von einer Bootsfahrt durch die Sümpfe Australiens, die plötzlich durch ein hungriges Krokodil beendet wird und deren drei überlebenden Insassen sich auf den nächsten Baum flüchten können. Doch das Boot treibt ab, die Kräfte schwinden und der Riesenkiefer des Ungetüms wartet nur gierig auf einen Ausrutscher oder Fehler...
Überall ist heutzutage Zivilisation und Rettung... könnte man meinen. Doch „Black Water“ zeigt eindrucksvoll, wie erbarmungslos und weit weg von Hilfe und Menschen die Natur und das Tierreich uns zusetzen und wortwörtlich verschlingen können. Die drei Protagonisten sind solide (wenn auch bei weitem keine großartigen) Identifikationsfiguren, das Sumpfgebiet wird atmosphärisch (immer wieder mit Close Ups von Ameisen, Mücken und anderem Getier) eingefangen, das Recht des Stärkeren regiert, Mr. Killerkroc wird lange im Verborgenen gehalten und enttäuscht dann nicht, wenn er auftaucht. Leider sind seine Angriffe sehr hektisch und recht unspektakulär, unblutig, was jedoch den Anspruch auf Realismus (soweit eine solche Produktion dies überhaupt haben kann) weiter in die Höhe treibt. „Sharknado“ oder Tierterrortrash ist das hier nicht. Und das ist auch gut so! Das ist alles andere als bahnbrechend, als kreativ, als spektakulär. Doch es ist höchst effektiv, involvierend und in den besten Momenten atemberaubend. Keine Werbung für Australien und seine Sumpfgebiete. Aber vielleicht als (gar nicht so unrealistische) Warnung nicht übel. Man/Der Mensch muss ja nicht überall hinfahren und alles erforschen, verdrängen, reizen...
Fazit: einer der besseren Creature Feature-Tipps, des neuen Jahrtausends. Intensiv, spannend, längenlos. Es kann manchmal so einfach sein. Oder zumindest so aussehen... Purer Tierterror irgendwo zwischen „Duel“ und „Jaws“ - nur eben mit sehr gut getarnten Krokodilen und matschigem Wasser.