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Regisseur Benny Chan (Nobody) war es, der mit "New Police Story" den für mich besten Hongkongfilm aller Zeiten schuf. Mit "Invisible Target" kann er ordentlich nachlegen, locker auf "SPL - Kill Zone" Niveau. Für Jackie Chans Sohn Jaycee ist es die erste Hauptrolle, doch er schlägt sich wacker, durchaus bereit um in die Fußstapfen von Papa zu treten. Er verkörpert den jungen Polizisten Wai King Ho, der zusammen mit Detective Chan Chun (Nicholas Tse) und Inspektor Fong Yik Wei (Shawn Yue) den Verbrecher Tien Yeng Seng (Wu Jing) jagt. Jaycee gerät nur durch Zufall in diesen Fall, da sein Bruder angeblich die Seiten gewechselt haben soll. Er ist angeblich in Tiens Gang zu finden. Chan Chun will Rache für den Tod seiner Verlobten und Fong ist nur auf seine steile Karriere aus.
Ein unterschiedliches Trio, dass sich zusammenraufen muss. Natürlich stößt man anfänglich auf Diskrepanzen, doch gegen Tien und seine Gang kann man nur zusammen gewinnen. Dank der Laufzeit von über zwei Stunden, kann sich Chan auch mit den Charakteren beschäftigen. Er geht richtig in die Tiefe, etwas ungewöhnlich für einen Actionfilm mit gängiger Story. Leider raubt das der zweiten Halbzeit das hohe Tempo. Die Action muss hinten anstehen, die Spannung kommt auch zu kurz, doch im langen Showdown lässt er es dann wieder richtig krachen. Die Story wird ein wenig vernachlässigt, auch ist die Geschichte um Tien und seine Geschwister zu schleierhaft, da bleiben einige Fragen offen. Auch der vermeintliche Verräter ist zu leicht und zu schnell enttarnt.

Die Action kann sich dann wahrlich sehen lassen. Die vielen Nahkämpfe bieten spektakuläre Choreographien, besonders der lange Endkampf, wo das Trio gegen Tien antreten muss, der schier unbesiegbar ist. Shootouts sind auch gut vertreten. Da ist richtig Bewegung drin, plus Sachschäden und blutige Einschüsse. Auch die Verfolgungsjagden sind flott inszeniert, ob zu Fuss oder mit dem Auto. Zu übertrieben sind jedoch die Sprünge von Haus zu Haus. Man springt oder fällt locker fünf bis zehn Meter in die Tiefe, ohne einen Kratzer oder Bruch davonzutragen. Auch bei den Explosionen gibt es einen Kritikpunkt. Man half sichtlich mit CGI nach und gerade bei der Explosion des Geldtransporters oder im Polizeirevier, fällt das extrem auf. Doch insgesamt kann sich die Palette sehen lassen, mit der Chan locker zwei Stunden überbrückt. Der halbstündige Showdown artet richtig aus, nur das Ende ist für meinen Geschmack zu traurig.
Das Hongkong - Kasperletheater scheint größtenteils ausgestorben, zumindest in "Invisible Target". Bis auf ein paar kleine Kalauer ist der Film bitterernst. Zusätzlich haben wir mit Nicholas Tse, Shawn Yue und Jaycee Chan drei überzeugende Mimen. Erstklassig auch Wu Jing, der besonders bei den Fights alle in den Schatten stellt.

Ein zweistündiger Actionkracher, von Benny Chan sauber und schnell inszeniert. In der zweiten Halbzeit flacht "Invisible Target" ein bisschen ab, die Story kommt eindeutig zu kurz und störender CGI versaut die ein oder andere Explosion. Trotzdem kommt man als Action oder Hongkongfan nicht drum herum. Normalerweise halte ich mich von Hongkongfilmen größtenteils fern, doch hier wurde ich positiv überrascht.

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