Eine US-Highschool in den Siebzigern: Der neue Schüler David wird von einer Clique gemobbt und dabei schwer verletzt, er wehrt sich und dreht den Spieß um, indem er seine Peiniger erledigt. An deren Stelle treten dann andere ehemalige Mobbing-Opfer, die sich plötzlich ähnlich aufführen wie die ehemalige Clique - und ebenfalls von David abserviert werden. Das ist der Plot von Massaker in Klasse 13, dessen Titel mal wieder viel mehr verspricht als er halten kann.
Das an sich nicht uninteressante Thema - (Macht-)Kämpfe zwischen Schülern - um die Sozialisierungsphasen der jungen oder werdenden Erwachsenen wurde bereits in mehreren Filmen aufgearbeitet, die Methoden der Provokation und Rache untereinander beispielsweise im Krieg der Knöpfe (1962) und dem späteren Die Klasse von 1984 (1982) überzeugend dargestellt, sodaß man auf die Aufarbeitung dieses Stoffs in Massaker in Klasse 13 gespannt sein darf, zumal das wie üblich überzogen bluttriefende Cover (es liegt die große Hartbox von X-Rated vor) Appetit auf einen trashigen Slasher der Siebziger macht.
Leider weit gefehlt, denn Massaker in Klasse 13 fehlt es schon am Grundsätzlichsten, nämlich überzeugenden Darstellern. Die gecasteten Buben und Mädel verbreiten dezente Langweile und vermögen an keiner Stelle einen wirklich bösen Eindruck zu hinterlassen oder den Zuseher gar zum mitfiebern zu animieren. Dazu kommen besonders in der zweiten Filmhälfte gröbere handwerkliche Fehler in Sachen Kameraführung und Schnittechnik, die das Anschauen dieses knapp über Amateurniveau liegenden Streifens zusätzlich erschweren. Eine die Geschehnisse begleitende und verifizierende "Hintergrundmusik" (wie Reaktionen der Lehrer, der Polizei und der Presse beispielsweise) hat das Drehbuch völlig vergessen, sodaß hier größtenteils eine Aneinanderreihung von Schüler-aktionen und -reaktionen vorliegt, die zunehmend Kopfschütteln angesichts immer größer werdender Logiklöcher auslöst.
Während in der ersten Viertelstunde noch der Versuch einer Charakterzeichnung unternommen wird (David hat einem Mitglied der Clique früher mal geholfen und somit bei diesem einen Bonus) spitzt sich die Lage dann immer weiter zu in Richtung Konfrontation David gegen die Clique. Die dargestellten Schandtaten der Gang sind zwar nicht harmlos, aber einfach zu alltäglich, um Spannung zu erzeugen: Ein dickerer Mitschüler muß am Seil nach oben klettern, ein anderer räumt freiwillig den Swimmingpool wenn die Clique anrückt, die Schrottkarre eines Mitschüler wird ganz geschrottet und eine Bibliothek wird verwüstet. Erst als zwei Mitschülerinnen ausgezogen werden sollen und David körperlich eingreift um dies zu verhindern, sind die Fronten geklärt. Nachdem dem "Held" der Geschichte recht unspektakulär ein aufgebocktes Auto aufs Knie fällt und er somit zum "Krüppel" erklärt wird (in Wirklichkeit humpelt er nur ein wenig), nimmt der Rachefeldzug seinen Lauf. Hier merkt man dem Film nicht nur das fehlende Budget an, auch das Drehbuch macht einen Logikfehler nach dem anderen. Die amateurhaft abgefilmte Landung eines drachenfliegenden Cliquenmitglieds in eine Stromleitung wird ebenso wenig schlüssig erklärt wie der Sprung eines anderen Mitglieds in den leeren Swimmingpool, der nachts alleine in die Schule fährt und vom Dreimeter-Brett ins Dunkle hüpft. Zwar hatte David vorher das Licht abgedreht, aber den Aufprall hat man aus Kostengründen weggelassen. Ein weiteres Gangmitglied stirbt als sich deren schwarzer Van unvermittelt in Bewegung setzt - dessen durchschnittenes Bremsseil wurde schon etliche Szenen vorher gezeigt und hat wohl seinen Dienst bis zur Fahrt an der Küste getan, bevor es dann doch mal versagte... Es folgen weitere, nicht schlüssig zu erklärende Szenen wie das Herumwerfen mit Essen, welches offenbar das wenig nachvollziehbare Aufmucken der bisher Gemobbten symbolisieren soll. In der Folge passieren weitere Morde, die ebenso kurz und schlecht abgefilmt sind wie die vorangegangenen. Zur Auflockerung(?) sind ein paar wenige, kurze und unspektakuläre Nacktszenen vorhanden, allerdings kann auch dieses Stilmittel das immer abstruser werdende Möchtegern-Terrorfilmchen nicht mehr retten. Trauriger Höhepunkt ist eine Teleaufnahme eines größeren Felsbrockens, der halb über ein erkennbar (menschen-)leeres Zelt rollt...
Insgesamt wirft Massaker in Klasse 13 am Ende bestenfalls Fragen auf, eine weitergehende Interpretation (beispielsweise über das Machtvakuum, das der plötzliche Ausfall einer den Alltag dominierenden Gruppe hinterläßt) schliesst sich angesichts der haarsträubenden Logiklöcher in der zweiten Filmhälfte aus. So endet der Film in ungeklärtem, auch gedanklichem Chaos, dem so recht ohnehin niemand mehr folgen kann. Aufgrund des wirren Verlaufs und der völlig verstümperten "Action"-Szenen reicht es nicht einmal mehr für 2 oder 3 Gnadenpunkte. Von diesem Film bleibt einfach nichts hängen...