Review

So kurz wie möglich zur Story, da ich diese nach den bereits vorhandenen Reviews nicht wiederkäuen möchte. Der Anführer einer Bande von Mördern (Russell Crowe spielt diesen Zyniker hervorragend) wird nach einem spektakulären Postkutschenüberfall ein unnötiges Schäferstündchen zum Verhängnis. Der Desperado wird verhaftet und muß mit Hilfe einer Eskorte von Freiwilligen und Pinkerton Dedektiven in das nächste Nest mit Bahnhof geschafft werden. Von dort aus soll er dann mit dem Eisernen Pferd (da kommt der TODESZUG ins Spiel) weiter nach Yuma in den Knast transportiert werden. Ein vollkommen verarmter und deshalb verzweifelter Farmer ("Dragonslayer" Christian Bale), schliest sich den Bewachern für eine Handvoll Dollar (ha,ha) an. Da die Gang des Killers ihren Boss befreien will, wird der Job für alle Beteiligten zum Ritt durch die Hölle.

Der hier besprochene amerikanische Spielfilm ist ein Remake eines Western des B Filmers Delmar Daves. Ich vermute einmal frech das Regisseur James Mangold nach seiner letzten künstlerischen Katastrophe WALK THE LINE (ich bitte um Entschuldigung bei Fans,Kritikern und Preis nach Werfern, das ich die womögliche Genialität dieses Streifens nicht im geringsten zu erkennen vermochte) wegen derer hohen Dividende ein Wunschprojekt verfilmen durfte. Also erinnerte er sich wohl an einen Lieblingsfilm seiner Kindheit und machte was er wollte (John Carpenter wollte auch immer einen richtigen Western drehen. Tja John, hätteste mal nen Oscar abräumen müssen!).

Wann ist ein Remake gelungen und nicht unnötig, oder gar ärgerlich? Genau, wenn man es anders (z.B. NIGHT OF THE LIVING DEAD von Tom Savini) oder sogar tatsächlich besser macht (z.B. MAN ON FIRE von Tony Scott). Zweites ist James Mangold mit seinem Remake von "3:10 TO YUMA" gelungen.

Ich kannte das Original mit Glenn Ford und Van Helfin zu meiner großen Schande noch nicht, als ich mir letzte Woche Mangolds Film zu Gemüte führte. Gestern holte ich dieses Versäumnis nach und muß gestehen, das ich von ZÄHL BIS DREI UND BETE (so der deutsche Titel des schwarz/weiß Oldies) doch stark enttäuscht war. Durch dieses langweilige Erlebnis kommt TODESZUG NACH YUMA bei mir nun um so besser weg. OK, beide Filme haben Schwächen, doch während sich Mangolds Film immer kurz vor dem Zusammenbruch wieder erzählerisch und ereignisreich fangen kann, kackt das Original ziemlich öde ab.TODESZUG NACH YUMA hat die besseren Darsteller, ist Action orientierter und vor allem kaltschnäutziger. Das Remake bedient sich ganz klar in seiner Kompromißlosigkeit beim Spaghetti Western und das ist gut so! Da ignoriert man auch schon mal großzügig den nervenden Rotzbengel, der seinem Pa entgegen dessen Anweisung hinterher rennt und dadurch für entscheidende Plot Twists sorgen darf. Auf den ersten Blick ist auch der Wandel vom Saulus zum Paulus des Bösen Killers nicht gerade nachvollziehbar. Nach dem Hechtsprung in den Zug von Glenn Ford im Jahre 1958 der rational noch dämlicher ist, fresse ich aber die eben beschriebene Kröte gerne. Außerdem pfeift Russell ja schon kaum im Zug sitzend wieder schelmisch grinsend nach seinem Pferdchen.

ZÄHL BIS DREI UND BETE beherrschen einfach zu viele "Gesetze" die ich bei US Western aus dieser Zeit verabscheue. Ekelhafte glatt gescheitelte vorlaute Kinder, unrealistisch aussehende und handelnde Frauen, schlecht realisierte Ballereien, langweilige Gespräche, lustige Hüte und Westen und widerliche Happy Endings (Van Helfins Eheweib steht winkend am Gleis) usw. usf. Das es bereits Jahre vor Delmar Daves Trauerspiel moderne knallige US Genre Vertreter gab, bewies ja Robby Aldrich mit seinem genialen VERA CRUZ (1954).

Schön am Remake ist auch, das James Mangold viele neue Akteure erfindet (darunter Pinkerton Männer, die ja eigentlich bezahlte Killer sind, gibt es im Original nicht) oder den sich bereits im Original befindenden Figuren mehr Tiefe gönnt. Am wichtigsten erscheint mir da der fast schon homosexuell agierende Ben Foster. Dieser spielt den "zweiten Mann" aus Crowes Wild Bunch mit sklavisch ergebener (sexueller?) Hingabe zu seinem Anführer. Ein eiskalter Gunfighter der seinen Boss sichtlich zu lieben scheint und für "dessen Wohl" er über dutzende (frisch erlegter) Leichen steigt.

Im Original spielt der geschätzte Richard Jaeckel diese Rolle auch cool, aber ohne die geringste Chance vom Drehbuch seiner Figur mehr Leben einzuhauchen. Da wo im Original eine geschlagene halbe Stunde in einem Hotelzimmer fast nur noch gequatscht wird, passiert bei Mangold (bereits auf den Ritt zur Absteige) immer wieder etwas Verblüffendes Unerwartetes. Ob man nun aus dem Farmer im Remake einen Einbeinigen machen mußte, kann diskutiert werden. Unumstößliche Tatsache aber ist, das GLENN FORDS Gefährlichkeit in ZÄHL BIS DREI UND BETE nur zu erahnen ist. RUSSELL CROWE dagegen überzeugt in der Rolle des sarkastischen intelligenten Alpha Wolfes einer Killerbande von seiner ersten bis zur letzten Szene. Ja sogar seine erstaunliche (Über)Reaktion am Ende des Remakes ist deshalb mit seiner instinktiven Unberechenbarkeit zu erklären. Nicht nur deshalb ist für mich ein überraschender Fall eingetreten. Ein Remake besiegt sein Original um Längen.

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