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Russel Crowe spielt einen gefährlichen Bandenführer, der nach seiner Verhaftung wegen Mordes vor das Gericht in Yuma gebracht werden soll. Die Überstellung des Mörders übernimmt ein prinzipientreuer Kriegsveteran, gespielt von Christian Bale, da er das Geld dringend für sich und seine Familie benötigt. Doch Crowes Bande setzt alles daran ihren Führer zu befreien.

1992 erschien Clint Eastwoods zynischer Abgesang auf das Western-Genre "Erbarmungslos", in dem er die meisten gängigen Western-Klischees verwendete und virtuos miteinander variierte und sowohl Fans des Genres, als auch Kritiker waren der Auffassung, dass eigentlich nichts Neues mehr kommen kann und das Western-Genre damit definitiv abgeschlossen ist. Das heißt natürlich nicht, dass keine weiteren, gelungenen und unterhaltsamen Neo-Western mehr erscheinen können und "Open Range" oder "Broken Trail" haben bereits vorgemacht, wie es geht und nun liefert auch James Mangold einen wirklich starken Neo-Western mit zwei hervorragenden Hauptdarstellern. Harte Kerle, Knarren, Pferde und Blei, der Western lebt definitiv noch und vor allem die starke Inszenierung von James Mangold, der zuletzt unter anderem mit "Walk the Line" und "Identität" sehr positiv auffiel garantiert ein spannendes und gelungenes Western-Erlebnis. Die Kulisse des wilden Westens setzt er gekonnt in Szene und auch an der Filmmusik gibt es nicht zu bemängeln. Durch die Unberechenbarkeit des Häftlings und die allgegenwärtige Bedrohung durch dessen Bande hält Mangold die ganze Zeit über eine gespannte Atmosphäre aufrecht und steigert sowohl Spannung, als auch Dramatik bis zum großen Showdown, bei dem er beides perfekt entlädt. Das Erzähltempo ist genau richtig, sodass "Todeszug nach Yuma" von Anfang bis Ende gut unterhält. Er setzt seine beiden Hauptdarsteller perfekt in Szene und liefert damit einen der besten Neo-Western und natürlich gibt es auch die üblichen Schießereien, die für jeden Western existenziell sind. Nachdem er bereits gelungene Psycho- und Cop-Thriller, Dramen und sogar eine Musical-Biografie inszenierte stellt er zudem seine Vielseitigkeit unter Beweis.

Die Story ist ebenfalls sehr gut. Neben ein paar der typischen Western-Klischees hat der Film durchaus emotionale Tiefe. Vor allem die Konstruktion des Kriegesveteranen Christian Bale, der sein Selbstwertgefühl mit aller Macht zurückhaben will und deshalb einen brutalen Killer gegen den Willen seiner ebenso brutalen Bande zu einem Gericht überstellen will ist dabei sehr gut gelungen und wurde mit viel Einfühlungsvermögen auf die Leinwand gebracht, aber auch die Konstruktion von Crowe, der mehr als nur eine brutale Bestie ist, kann sich sehen lassen. Neben dieser vielschichtigen Charakterkonstruktion ist aber auch die Handlung nicht schlecht. Auch wenn hier das eine oder andere Western-Klischee verwendet wird und der Film damit teilweise vorhersehbar ist, überrascht vor allem das hervorragende Finale, das kaum spannender und dramatischer sein könnte.

Dass Russel Crowe gern den harten Mann raushängen lässt ist spätestens seit seiner Oscar-Rolle in "Gladiator" klar, aber auch in "Die Insider", "A beautiful mind", "Master und Commander" und zuletzt in "American Gangster" brillierte Crowe und so zeigt er auch in "Todeszug nach Yuma", dass er zu Recht zu den besten Darstellern seit der Jahrtausendwende gezählt wird. Vor allem in der ersten Hälfte beeindruckt er durch eine knallharte Darstellung des mehrfachen Mörders und liefert ein perfektes Feindbild ab, aber auch in der zweiten Hälfte, in der sein Charakter besser beleuchtet wird, liefert er eine starke Vorstellung ab und beim Finale zeigt er dann auch starke Emotionen. Crowe zeigt in diesem Film ein vielfältiges Spektrum seiner Schauspielkunst und überzeugt damit einmal mehr voll und ganz. Gerade nach seinem starken Auftritt in "Prestige" und vor seiner Rolle in dem, demnächst erscheinenden Blockbuster "Batman: Dark Knight" steht Christian Bale momentan ziemlich hoch im Kurs und auch in "Todeszug nach Yuma" zeigt er, dass er mehr als nur ein solider Action-Darsteller ist. Als pflichtbewusster Veteran, ohne Selbstwertgefühl besticht er durch eine emotionale und einfühlsame Vorstellung und liefert sich ein starkes psychisches Duell mit Crowe. Darüber hinaus bringt er seine Figur sehr sympathisch auf die Leinwand und macht das Finale damit noch emotionaler und dramatischer.

Fazit:
Mit 2 hervorragenden Hauptdarstellern, einer starken Inszenierung von James Mangold, die wirklich nichts vermissen lässt und einer vielschichtigen Story mit furiosem und dramatischen Showdown ist "Todeszug nach Yuma" einer der besten Neo-Western seit "Erbarmungslos", an dem nicht nur Fans des Genres Gefallen finden werden.

92%

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