„Todeszug nach Yuma“, so der deutsche Titel von James Mangolds modernem Western-Epos „3:10 To Yuma“, womit mal wieder bewiesen wäre, dass die Leute, die in Deutschlands Filmindustrie was zu sagen haben, wohl am liebsten besoffen arbeiten. Doch sollte man sich hier vom Titel nicht ablenken lassen, der vielleicht an die Titel der Western, die in den Fünfzigern und Sechzigern herausgekommen sind, erinnern soll, obwohl diese auch damals oft genug grenzdebil anmuteten, denn „Todeszug nach Yuma“ ist ein klasse Film, der durch ein hervorragendes Drehbuch, sehr gute Schauspieler und solide Regiearbeit besticht.
Dan Evans (Christian Bale) ist Bürgerkriegsveteran, der sich nun, in Friedenszeiten, mit seiner Familie auf eine Farm zurückgezogen hat. Doch zur Idylle fehlt es an allem: Sein Land ist dürr, er ist hoch verschuldet und seine Familie, besonders sein ältester Sohn William (Logan Lerman), verliert langsam, aber sicher jeden Respekt vor ihm. Bei einem letzten verzweifelten Versuch, sein Hab und Gut vor den Händen seiner Gläubiger zu retten, wird er Zeuge, wie der Sheriff der nahe gelegenen Stadt den berüchtigten Gangster Ben Wade (Russell Crowe) verhaftet. Um vom Lohn seine Schulden bezahlen zu können, aber auch, um den Respekt seiner Söhne zurückzugewinnen, meldet er sich für den Trupp, der Wade in die Stadt Contention bringen soll, von wo aus ein Zug zum Gefängnis in Yuma startet. Dieser Trip erweist sich jedoch als gefährlicher, als geahnt, denn Wades Bande setzt unter der Führung von Wades rechter Hand Charlie Prince (Ben Foster) alles daran, ihren Boss zu befreien, bevor der Zug in Richtung Yuma abfährt. Aber auch Ben Wade selbst stellt trotz Handschellen eine Gefahr für seine Eskorte dar … .
Dies ist die Ausgangssituation des Films, die jedoch glücklicherweise von Regisseur James Mangold nicht als bloßer Waffen- und Prügel-Actioner inszeniert wird, wie man bei dem Titel und dem Plot hätte erwarten können. Stattdessen zeigt Mangold uns ein Epos, welches zwar auch von seinen Actionsequenzen lebt, aber dennoch immer wieder Dialogszenen einbaut, welche die durch die Bank weg sehr guten Schauspieler fordern. Ein großes Kompliment muss hier vor allem ans Drehbuch der Autoren Halsted Welles, Michael Brandt und Derek Haas gemacht werden (basierend auf einer Kurzgeschichte von Elmore Leonard), welches die Charaktere, besonders Ben Wade und Dan Evans, sehr tiefgründig zeichnet und den Darstellern einiges an Charakterspiel abverlangt.
Diese kommen den Forderungen des Scripts natürlich gerne nach und spielen, als wenn's ihr letzter Film wäre: Christian Bale nimmt man den irgendwo leicht verbitterten, erfolglosen Farmer so gerne ab, dass man geneigt ist zu glauben, der Mann sei vor seiner Filmkarriere selbst im Kriegsveteranen-Geschäft tätig gewesen, Russell Crowe zeigt eine seiner besten Performances der letzten Jahre und Ben Foster ist als Fiesling Charlie Prince unglaublich hassenswert (positiv gemeint).
Das alles ist schon eine gute Ausgangssituation, und wenn man dann mit James Mangold auch noch ein Mann auf dem Regiestuhl Platz nimmt, der weiß, wie er einen solchen Film zu inszenieren hat: Die Actionszenen lässt er schön auf dem Boden bleiben, die Dialog- und Charakterszenen erzählt er schön langsam, sodass der geneigte Fan von ruhigen Bildern die Momente bis zum äußersten auskosten können, generell passt er das Tempo des Films den Situationen sehr schön an und zollt damit wiederum dem grandiosen Drehbuch Respekt, welches die ruhigen und die actionlastigen Momente perfekt koordiniert, immer kurz bevor es zu viel wird wieder zum jeweils anderen Modus wechselt und damit nicht nur Hochspannung, sondern auch eine schön ausgewogene Struktur schafft.
„Todeszug nach Yuma“ ist das, was ich von einem modernen Western erwarte. Nicht nur, dass der Film den alten Klassikern des Genres ordentlich Tribut zollt, auch die Mischung aus Schießerei-Action nach Vorbild der US-amerikanischen Klassiker, die gleichzeitig richtig gut in Szene gesetzt ist, und langsamer, schleichender Charakterentwicklung in Form von gut ausgearbeiteten Dialogen und Charakterspiel (Italo-Western lassen grüßen) ist absolut sehenswert. Wenn das Ganze dann auch noch so gut inszeniert, gespielt und geschrieben ist, wie in diesem Fall, dann ist das ganz knapp an der Höchstnote dran!
9,5/10 Punkten!