Halloween 2007 **Achtung kleine Spoiler**
„Haus der 1000 Leichen“ hat mich nicht sonderlich beeindruckt, „The Devil´s Rejects“ war schon eine Spur besser, wobei mich auch dieser Film nicht wirklich in seinen Bann ziehen konnte. Dann kam die Nachricht, dass Rob Zombie sich an einem Remake des Slasherurvaters „Halloween“ versuchen möchte. Das Geschrei war nun groß und die Empörung über dieses Wagnis trotze jeglicher Beschreibung. „Wie kann er nur?“, „Halloween ist unantastbar“ und tatsächlich verkörpert John Carpenters Meisterwerk wohl für so manchen eine Art Heiligtum, einen unantastbaren Wegweiser, der im Jahre 1978 mit einem Budget von gerade mal 325000 Dollar den Weg in eine neue Ära öffnete. Ich für meinen Teil war auch äußerst skeptisch und war mir bis zu meinem gestrigen Kinobesuch nicht so ganz darüber im Klaren ob ich nun lachen oder weinen soll. Immerhin war es auch mir nicht vergönnt im zarten Alter von 13 Jahren Carpenters Meisterwerk in voller Länge zu bewundern und das erste Mal Todesangst zu spüren, die schließlich in eine Faszination mündete, die mir bis heute erhalten geblieben ist.
Betrachtet man das Horrorgenre dann wird schnell deutlich, dass „Halloween“ wohl das gleiche Ansehen genießt wie „Alien“ im Science Fiction Genre und mal ganz im Ernst, bei dem Gedanke an ein Remake von „Alien“ hält sich die Begeisterung wohl auch eher in Grenzen. Die allgemeine Skepsis dem „Halloween“ Remake gegenüber erscheint mir daher als durchaus verständlich.
Zu meiner Überraschung hat sich Zombie auf sehr dünnem Eis bewegt und dabei aber das einzig richtige getan, denn der Film ist keineswegs eine Kopie vom Original, sondern kann sich als äußerst eigenständig behaupten und mit jeder Menge neuer Ideen auftrumpfen. Was man zu sehen bekommt ist ein komplett neuer Film, der einen ganz anderen Weg einschlägt als unser geliebter 78iger. Rob Zombie interpretiert die Geschichte um Michael Myers ganz anders als erwartet und lässt diesen zumindest im anfänglichen Kindesalter als Mensch dastehen. Zombies Michael wächst in einer heruntergekommenen White Trash Familie auf und entwickelt sich im Kreise dieser langsam aber sicher zu einem Monster. Ich glaube nicht, dass hier beabsichtigt wurde Michaels krankes Dasein einzig und allein durch die Darstellung seines schlechten Umfelds zu erklären, vielmehr soll wohl die Missachtung des kleinen Satansbratens seine bedenkliche Entwicklung fördern. Es ist nur Michaels Mutter (Sheri Moon) die spürt, dass mit ihrem Sohn etwas nicht stimmt, aber auch diese ist überfordert und bemerkt erst viel zu spät, dass der kleine Michael schon im Kindesalter ein unberechenbares Monster ist. Ich kann nicht verneinen, dass man Anfangs aufgrund der Missachtung ein bisschen Mitleid mit dem kleinen Michael hat, aber spätestens als dieser einen Mitschüler brutal erschlägt, weil dieser Michaels Mutter als Hure verhöhnt, ist es damit vorbei. Wirklich heftig und derbe geht es dann bei der „Myers-Halloween Party“ zu Sache, denn als Michael´s Mom das Haus verlässt um ihren Nachtclub Aktivitäten nachzugehen dreht dieser durch und metzelt alle Daheimgebliebenen nieder.
Im Sanatorium versuchen Dr. Loomis und Michaels Mom in dessen Psyche vorzudringen, doch die Lage ist aussichtslos, denn Michael ist sich seiner Taten nicht bewusst. „Geht es zu Hause allen gut Mom?“, „Wann darf ich endlich nach Hause Mom?“ Wieder ein Anflug von aufkeimendem Mitleid, doch spätestens nach dem brutalen Mord an einer Schwester ist es auch damit wieder vorbei. Michael wächst schließlich zu einem riesigen Monstrum heran, schweigt über 15 Jahre und sein Faible für Masken entwickelt sich in bedenklichem Ausmaß.
Ein zerstörter Mythos?
Ein ganz klares nein, denn der erste Teil des Films ist wirklich sehr gut gelungen und kann vor allem durch neue Ideen überzeugen. Spätestens als Michael im zweiten Teil des Films nach Haddonfield zurückkehrt um seine verloren gegangene Schwester zu suchen macht uns Rob Zombie klar, dass Michael Myers wieder da ist. Brutal und unaufhaltsam schlachtet sich der neue Myers durch Haddonfield. Unheimlicher, gnadenloser und Dank Tyler Manes Auftritt bedrohlicher denn je wird hier der Beweis erbracht, dass der „Schwarze Mann“ keine Seele hat und an Boshaftigkeit nicht zu übertreffen ist. Extrem genial empfand ich die etwas modifizierte Maske, die perfekt zum bis Dato fiesesten Myers Auftritt passt. Das Michael mal ein Mensch gewesen ist gerät im zweiten Teil des Films schnell in Vergessenheit und lässt die Befürchtung, der erste Teil des Films könne den Mythos der Figur Michael Myers zerstören als nichtig erscheinen.
Rob Zombie lässt Michael Myers erneut auf das geplagte Haddonfield los, stützt sich dabei auf wenige Anleihen aus dem Original und hat mich auf Ganzer Linie überzeugt, denn seine Neuinterpretation der Geschichte kann sich sehen lassen und kann jedem der bereit ist sich auf etwas Neues einzulassen Freude bereiten. Spannend, brutal, blutig und böse kommt Zombies Werk daher und erhält von mir sogar ein paar Nostalgiepunkte, denn der zweite Teil des Films hat mich aufgrund der guten Inszenierung und der Original Filmmusik in alte Zeiten zurückversetzt und dabei trotzdem seinen Eigenwert nicht verloren. John Carpenters Film bleibt in seinem Universum ungeschlagen, aber vor Rob Zombie ziehe ich meinen Hut, denn er hat das unmögliche möglich gemacht, nämlich seine eigene Vorstellung von Halloween zu realisieren und das ohne den Fans ernsthaft auf die Füsse zu treten.
Fazit: „War das der schwarze Mann?“; „Wenn Sie mich fragen, dann war er es.“
Eigentlich hätte ich 8 Punkte vergeben, aber für das gelungene Wagnis Michaels Kindheit ausführlich darzustellen und den Mythos trotzdem nicht zu zerstören gibt es von mir die volle Punktzahl.
10/10