Das die Remakewelle der letzten Jahre bis Dato anhält mag wohl keinem Cineasten verborgen geblieben sein. Viele Klassiker des Horrorgenres mussten für eine mehr oder minder gelungene Reinszenierung herhalten und konnten zum Großteil als völlig misslungen und aus Profitgeilheit abgekurbelt bezeichnet werden.
Das es irgendwann auch von CARPENTERS Horrorslasherklassiker
HALLOWEEN
ein Remake geben würde war selbstverständlich klar...
Das jedoch gerade ROB ZOMBIE , der mit den ziemlich bescheuerten Streifen „House of 1000 Corpses“ und „TDR- The Devils Rejects“ auf dem Regiestuhl zum Remake von HALLOWEEN Platz nehmen würde, ließ zumindest für mich nichts gutes verheißen.
Das ich mich ab und zu von meinen Vorurteilen mal verabschieden sollte, hat mir ROB ZOMBIES HALLOWEEN wiedereinmal verdeutlicht. ZOMBIE hält sich nicht stringent an CARPENTERS Vision des MICHAEL MYERS, die einer kontinuierlichen Mystfizierung der Beweggründe für MYERS Mordlust unterliegen- Nein, ZOMBIE präsentiert dem Publikum MYERS als Opfer eines verdorbenen Milieus und seiner genetischen Disposition. Dieser interaktionistische Standpunkt, also Anlage und Umwelt, von Psychopathologie, welchen ZOMBIE natürlich ziemlich klischeebeladen und überspitzt dem Publikum präsentiert, kann überzeugen und beschert dem Publikum nicht nur eine intensivere Auseinandersetzung mit MYERS Charakter, sondern lässt MYERS auch zum definitiven Protagonisten von HALLOWEEN werden, was bei CARPENTERS Original nun mal nicht der Fall war.
Das durch ZOMBIE modifizierte CARPENTER-Drehbuch ist nicht alleinig der Faktor, dass dieses Remake als gelungen bezeichnet werden kann. Wie wir es von unzähligen Streifen kennen, ist die Intention ja oftmals formidabel, doch an der Umsetzung fehlt es dann an Akteursqualitäten, innovativer Inszenierung und anderem, was das Publikum bei der Stange hält! CARPENTER der mit dem Original einen immensen Spannungsbogen und blanken Horror beim zeitgenössischen Publikum provozieren konnte, hat die Messlatte sehr hoch gelegt! Dem war sich ZOMBIE bewusst und so modifizierte er den Klassiker des Slasher-Horrors für die heutige Zeit. Sehr positiv ist das MYERS nicht nur intensiv von der Genese seiner Mordsucht her beleuchtet wird, sondern das er auch mehr zur Geltung kommt indem man ihn häufiger zu Gesicht bekommt als im Original. Viele mögen sich über diese Tatsache echauffieren, weil dies gerade den Suspense ausmacht, doch ZOMBIE gelingt es gerade durch die ausgiebige Darstellung von MYERS Kindheit und durch seine kontinuierliche Fokussierung, das Grauen im Jahr 2007 für HALLOWEEN, ein Stück weit neu zu definieren.
Maßgeblich ist wohl die als gelungen zu bezeichnende Schauspielleistung von Daeg Faerch, der den zehnjährigen MYERS verkörpert, aber auch Sherie Moon Zombie in der Rolle der Mutter von MICHAEL MYERS sorgt für emotionale tiefe, die dem Original gänzlich fehlte und sich aufs Plärren von Jamie Lee Curtis reduzierte! Der erwachsene Myers, gespielt von Tyler Mane, ist perfekt besetzt: Ein Hühne der permanent Masken bastelt und sie aufsetzt und zudem das bekannte Mutismusproblem aufweist. Malcom McDowell in der Rolle des DR. Loomis überzeugt auch im Verlauf des Films, wobei er für mich in der Interaktion zum 10jährigen MYERS ein wenig oberflächlich spielt. Die Teenie-Tussis, gespielt von mehr oder minder begabten Aktricen, sind weder Fisch noch Fleisch. Speziell Scout-Taylor Compton in der Rolle der Laurie Strode, kann natürlich nicht an Jamie Lee Curtis reichen! Doch da das Hauptaugenmerk auf MICHAEL MYERS liegt, ist das nicht weiter tragisch!
Effekttechnisch setzt ZOMBIE nicht auf ausgiebigen Gore oder Splatter. Hier bleibt er dem Original zumindest halbwegs treu, was auch gut so ist.
Begeistern konnte mich der Score von HALLOWEEN. Das Original Thema wurde glücklicherweise beibehalten, doch der Rest gnadenlos neu gestaltet! Sehr gelungen!
Fazit:
Ein erstaunlich gutes Remake, was mutig den Mythos Myers entlarvt und dabei keine Langeweile aufkommen lässt! Bravo ROB ZOMBIE!
10 Punkte