Nach TCM erhielt der nächste Horrorklassiker aus den 70ern jüngst ein Remake: „Halloween“ und zwar von Rob Zombie.
Rob Zombie geht auch vermeintlich direkt in die Vollen und lässt Michael Myers bereits in der Einführungsphase mehr Menschen killen als in Carpenters kompletten Film. Nicht nur die Schwester ist dran, nein auch einen Schulkameraden, den Freund der Schwester sowie den Säuferpapi erledigt Klein-Michael als sich die mörderischen Tendenzen in ihm äußern. Schließlich lautet die Prämisse hier mehr über Myers zu erzählen, wo das Original diesem nur den Auftakt und ein paar Sätze von Dr. Loomis widmete.
Von da an kommt Michael in die geschlossene, wo das Kind zum 2-Meter-Kerl mit Fetischismus zum Maskenbasteln und Maskentragen entwickelt. Den mörderischen Drive hat er immer noch, weshalb auch die Mutti ihn irgendwann aufgibt. Nach endlosen (und teilweise endlos langweiligen) Einblicken ins Anstaltsleben büchst Michael dann in einer absolut hanebüchen konstruierten Szene aus (selten so dämliche Wachleute gesehen) und killt dabei (wie könnte es anders sein) natürlich quasi die komplette Belegschaft der Anstalt.
Michaels Ziel: Haddonfield. Was er dort vorhat: Natürlich Leute umbringen und sich dabei in den Kreis der Familie vorarbeiten. Seine Schwester Laurie Strode (Scout Taylor-Compton) ist dort mittlerweile zur jungen Frau herangewachsen...
Mit „Halloween“ hat Rob Zombie einen Rohrkrepierer gedreht, der die groben Anpreisungen noch lächerlicher macht. Warum Michael Autofahren erfährt man auch hier, aber das hat auch im Original keinen gekratzt. Stattdessen wird man mit achso wichtigen Fakten zugeknallt, z.B. woher er die Maske hat – was natürlich auch keine Sau interessiert. Und Michael bekommt ein Motiv: Statt der Andeutungen vom absolut Bösen, welche die „Halloween“-Saga stimmungsvoll bisher aufbaute, gibt es die allerübelsten Klischees: Strippermutti, fieser Alki-Vater, in der Schule gehänselt plus sadistische Tendenzen kleinen Tieren gegenüber. Das Ganze dann noch potenziert durch Jahre in der Klapse – ein wirklich originelles Motiv, Mr. Zombie.
Jedoch gibt sich die viel zu lang geratene erste Hälfte ausführlich der Ausarbeitung der viel zu dünnen Vorgeschichte hin. Ansatzweise blitzt dort noch der Rob Rombie von „House of 1000 Corpses“ und TDR durch, jedoch können weder die Anklänge von Freakshow noch die bereits hier beträchtliche Anzahl von Todesopfern nicht darüber hinwegtäuschen, dass akute Ideenlosigkeit herrscht. Die Gorehounds dürfen sich ob des gesteigerten Härtegrades einen Ast freuen, denn wie in den meisten Horrorfilmen jüngeren Datums wird hier mit reichlich Kunstblut gekleckert und auf explizite Weise gemetzelt.
In Hälfte zwei, wenn Michael dann in Haddonfield einmarschiert, steigt der Bodycount dann noch weiter drastisch, auch hier kann Zombie es nicht bei der Anzahl von Opfern aus dem Original belassen, sondern nietet gleich noch eine beträchtliche Menge weiterer Leute um. Gleichzeitig scheint er seinem eigenen Stil nicht mehr zu trauen und kopiert Carpenters Inszenierung des ersten Teils, nur weniger spannend – trotz Einsatzes des berühmten „Halloween“-Themas. Dennoch hat „Halloween“ hier trotz seiner Macken noch die stärksten Momente, gelegentlich sind die Mordsequenzen sogar wirklich schweißtreibend inszeniert, jedoch wie gesagt nur gelegentlich. Vor allem das überlange Finale ist nach einer Weile nicht mehr gruselig, sondern lässt hoffen, dass die Chose bald vorbei ist.
Beeindruckend ist immerhin der Cast, der jedoch weiter die Zerrissenheit des Werkes zwischen Zombie-Stil und Originalreihe verdeutlich. So darf Sheri Moon Zombie des Michaels Mama spielen, jedoch hat sie immerhin seit ihren vorigen Rollen erfreulich viel dazugelernt. Sid Haig ist kurz als Friedhofsgärtner dabei, Ken Foree hat einen eher unnötigen Gastauftritt als Trucker, während William Forsythe als Alki-Papa echt eine herrlich schmierige Bereicherung ist – und den Auftritt von Bill Mosley übersieht man beinahe. Von „Halloween“-Seite her kommt hingegen eine Gastrolle von Danielle Harris. Weitere Horror- und B-Filmgrößen mit Cameo: Dee Wallace-Stone, Udo Kier, Richard Lynch, Danny Trejo und Clint Howard. In größeren Rollen sehr gut: Brad Dourif als Sheriff sowie Malcolm McDowell als Dr. Loomis. Weniger aufregend hingegen die Besetzung der Hauptrollen: Scout Taylor-Compton ist eine 08/15-Screamqueen, weder besonders gut noch besonders schlecht, Tyler Mane bleibt unter der Maske verborgen und Daeg Faerch als junger Michael muss stets den gleichen Arschlochkindgesichtausdruck tragen.
Anfangs Rob Zombie Light, später Möchtegern-Carpenter: Die Neuauflage von „Halloween“ ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Die Ergänzungen bringen den Film nicht weiter, den Spannungspegel des Originals erreichen nur wenige Szenen und von der tollen Besetzung mal abgesehen hat das Remake auch sonst nichts zu bieten – außer deftigem Gore vielleicht.