Michael Myers (Daeg Faerch, später Tyler Mane) wächst in einer verkommenen Familie auf (die Mutter geht nachts strippen, ihr Lebensgefährte ist ein gemeiner Alkoholiker) und wird obendrein in der Schule fertig gemacht. So lässt er seiner inneren Verbitterung eines Tages freien Lauf und bringt auf makabere Weise seine Schwester, deren Freund und seinen Vater um. Die nächsten 15 Jahre verbringt er unter Aufsicht des Dr. Loomis (Malcolm McDowell) in einer Anstalt, bis er schließlich ausbrechen kann. Er tritt die Suche nach seiner kleinen Schwester an und schlachtet dabei jeden, den er für schlachtenswert hält.
Soweit ähnelt die Geschichte dem Original schon recht stark, bis eben auf jenes Detail: Rob Zombie gibt sich mit der Begründung, warum Myers so böse ist, reichlich Mühe. Der Film ist schon fast zur Hälfte rum, als der Maskenmörder endlich wieder auf freien Füßen ist. Carpenter hat seinerzeit einen Dreck darauf gegeben, seinem Bösewicht eine Motivation zu geben. Und eben an diesem Unterschied scheiden sich nun die Geister: Die einen meinen, Zombie nimmt dem Bösen so die Faszination, die anderen loben aber den neuen Ansatz. Auch ich finde es gut, dass aus Halloween mehr gemacht wurde, als eine krassere Schlachtorgie. Zu viele Remakes entlarven sich mittlerweile als überflüssig, indem sie innovationslos eine bekannte Geschichte erzählen und (im Slashergenre) gezwungen sind, dies durch derbere Schlachtszenen wettzumachen. Halloween neu interpretiert hat da doch schon viel eher seine Existenzberechtigung. Auch der Frage, warum Myers überhaupt Masken trägt, versucht Zombie näher zu kommen.
Auf der anderen Seite muss man sagen, dass zumindest mit dem Klischee-Arschloch-Vater reichlich dick aufgetragen wurde. Trotzdem ist die Entwicklung hin zum kranken Mörder recht gut ausgearbeitet und nachvollziehbar: Das Unheil kündigt sich schon durch Raufereien in der Schule, aggressive Artikulation und Tierquälerei bzw. -tötung an. Gerade letztes Symptom ist wohl auch ein Indiz darauf, dass das pure Böse schon immer in dem kleinen Jungen hauste. Seine Umwelt ist nicht allein dafür verantwortlich, was aus ihm wird, sondern bringt die dunkle Seite lediglich zum Vorschein. Somit wird das Mysterium nicht ganz zerstört und auch später im Film verweist Dr. Loomis auf das pure Böse in Myers. Darsteller Daeg Faerch erweist sich hier als gute Wahl und spielt den frustrierten Knilch glaubwürdig.
Bei all dem Bemühen um die Glaubwürdigkeit seines Protagonisten vergisst Zombie aber keinesfalls die zweifelhaften Tugenden seiner bisherigen Filme: Brutale Schlachtungen und Quälorgien erster Güte. Während Haus der 1000 Leichen und TDR daneben leider kaum Substanz besaßen, bietet Halloween dem brutalen Treiben nahrhafteren Boden. Ganz wie im Original erreicht der Terror eine ansonsten friedliche Kleinstadt und verirrt sich nicht irgendwo im Redneck-Outback. Zombies gewohnt exzessiv-zelebriende, explizite Gewaltdarstellung macht den Film hart und erweist sich als ausdrucksstarkes Stilmittel, um die Boshaftigkeit, aber auch die Stärke des hünenhaften Myers zu verdeutlichen. Zudem wirken die Tötungen nicht so platt wie noch im ersten Werke Zombies und werden meist von adrenalingeladenen Vorspielen eingeleitet.
Die Musikuntermalung ist Zombie-typisch wirklich gelungen, verwendet aber auch das liebgewonnene Halloween Thema von Carpenter wieder. Zusammen mit der ambitionierten visuellen Präsentation wird stets eine stimmige Atmosphäre erzeugt. Unter den Darstellern erbringt McDowell wohl die beste Leistung und vermag Pleasence die Schau zu stehlen. Auch Sheri Monn Zombie beweist, dass sie eigentlich keine schlechte Schauspielerin ist (was ich vorher noch ein wenig anzweifelte...) Nicht ganz so gut im Film haben mir die zu ausschweifenden Babysitterszenen gefallen, die dem Film Tempo rauben. Überhaupt wirkt die zweite Hälfte des Films gestreckt und leidet ein wenig unter derselben Handlungsarmut des Originals. Auch die Figur der Laurie kommt bisweilen etwas kurz. Der Fokus auf Michaels Myers und Dr. Loomis ist aber zugegebenermaßen konsequent!
Halloween ist der seltene Fall eines nicht überflüssigen Remakes. Der Film gewinnt der Geschichte völlig neue Reize ab und gestaltet sich tiefsinniger. Die zweite Hälfte ist zwar nicht mehr wirklich bahnbrechend, trotzdem hat Zombie hiermit seinen bisher besten Film abgeliefert.