Review

Remakes von Horrorfilmen scheinen ja gerade sehr in Mode zu kommen, sei es nun "Das Omen", "The Fog" oder "Texas Chainsaw Massacre". Nun versucht sich der gute Rob Zombie an John Carpentes Meisterwerk "Halloween" und will damit was eigenes schaffen.

Zunächst einmal sind die ersten 10 Minuten des Films recht extrem. Wir erleben den kleinen Michael Meyers, wie er inmitten seiner Familie lebt. Jene Familie spart nicht mit Kraftausdrücken und so wird das hier zum Hexenkessel zwischen den Charakteren. Da fliegen Wörter, deren Bedeutung jede Oma vom Sessel fliegen lässt.
Michael selbst ist ein komisches, etwas dickliches Kind, was nicht unbedingt beneidenswert ist. Die Mutter geht strippen, der Vater sitzt im Sessel und stinkt und seine Schwester kann das Wort Sex wahrscheinlich schon in allen Sprachen auswendig buchstabieren. Und als Michael auf dem Klo von zwei Halbstarken abgefangen wird ist die Lunte gezündet. So lauert Michael dem Möchtegern im Wald auf und schlägt ihn erstmal mit einem undefinierbaren Stück Holz bis zum geht nicht mehr. So geht das ganze Tohobawoho auch los; Michael bringt in einer Nacht- und Nebelaktion am Halloween während der Abwesenheit seiner Mutter erstmal seine restliche Familie um; bindet Papi in den Stuhl und schneidet ihm die Kehle durch, haut den Freund seiner Schwester mit dem guten Baseballschläger und ersticht seine Schwester schließlich auch noch. Nun ist die Kacke schließlich am dampfen, Michael wird eingewiesen und von Dr. Loomis persönlich untersucht. Was man Michael McDowell hier frisurentechnisch angetan hat ist blödsinnig. Da verpasst man dem eigentlich alten Mann bissl Schminke und setzt ihm ne' lange, fast noch braune Mähne auf die Birne. Völlig zurecht fragt Michael, warum er so komisch aussehe (Eine Frage auf die Loomis auch keine Antwort hat). Als Michael dann denoch eine Schwester hinterhältig ersticht rumpelts im Karton. Nun wird er entgültig eingespeert und verbleibt knapp 15 Jahre in der gleichen, muffigen Zelle, bis ein paar ganz schlaue Wärter ihn "umplazieren" wollen, was natürlich ordentlich in die Buxen geht. Michael flieht und spontane Panik macht sich bei Loomis breit.

Folgerichtig hat Zombie hier erstmal den fast noch berühmtesten Filmfehler des Originals behoben, wo Michael nach 15 Jahre Aufenthalt plötzlich mit dem Auto flieht obwohl er theoretisch nicht fahren kann. Hier klaut sich Michael erstmal passende Klamotten und wie er nach Haddonfield kommt bleibt unbeantwortet. Überhaupt wirkt die zweite Hälfte des Films im Gegensatz zum manchmal etwas langatmigen Original beinahe schon hektisch runtergekurbellt. Einige Szenen wurden fast 1:1 verfilmt und andere, besonders das Ende, fast schon unerträglich lange hinausgezogen. So bleibt man zwar dem Steh-Auf-Männchen Prinzip der Halloween-Filme treu, doch wirkt das hier eher schon aufgesetzt. So bringt der 2-Meter Riese auch erstmal Loomis um und schmeißt sich zusammen mit seiner Schwester Laurie aus dem Fenster, auf dem Boden angekommen ballert eben erwähnte Schwester ihm dann doch die Birne weg. Damit ist die Gefahr einer Fotsetzung gebannt (Auch wenn die interessant geworden wäre).

Die Schauspieler sind solide, keine Weltklasse, aber nett. Aber auch hier haben alle Kinder, auch Klein-Michael, wieder etwas antriebslose Synchronstimmen bekommen, was aber wohl nie anders sein wird. Wie man so ein Gemetzel mit Kindern Filmen kann ist eh immer ein Unding. Hier spritzt das Blut aus allen Poren, ganze Zimmer sind blutverschmiert und die Leute an sich kommen da erst recht nicht gut bei weg. Da werden fröhlich Kehlen aufgeschnitten, Genicke gebrochen und so weiter. Der Bodycount ist erheblich höher als im Original, hier werden auch Leute getötet, die eigentlich nichts mit Michael zu tun haben... egal. Zumindestens ist das alles recht spannend in Szene gesetzt, an die subtile Angst des Originals kann dieses hektische Geschreie aber nicht anschließend, dazu fehlt Zombie anscheinend das Händchen, denn seine "Eigenkreation" kommt nicht wirklich mystisch rüber wie es das Original tut. Andererseits war von Anfang an klar, dass Zombies Version Carpenters Original nicht vom Thron stoßen kann, da bedarf es etwas mehr als literweise Ketchup.

Letzendlich ist Halloween zwar nicht unbedingt wichtig, aber zumindestens sehenswürdiger als solche Flops wie das Remake von "Psycho". Zombie fügt hier und da ein paar neue Details hinzu, durchleuchtet die Vergangenheit Michaels und baut besonders das Ende erheblich aus. "Halloween" ist wie gesagt kein Meisterwerk, aber seinen Spaß hat man hier trotzdem, auch wenn man vielleicht nur Zitateraten macht oder möglichst viele Parallelen zum Original sucht, zumindestens das macht Spaß.

Fazit

Zombies Variante ist nicht unbedingt notwendig, aber sowohl spannend als auch unterhaltsam. Ein netter Beitrag den man sich ansehen kann, aber gegen Carpenters Original nicht gewinnen kann.

7/10

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