Review

Rob Zombies Halloween habe ich mir nun zum dritten Mal angeschaut, diesmal jedoch den Director´s Cut mit 116 Minuten Laufzeit, auf den sich meine Kritik bezieht.

Ob nun der 11 Minuten längere DC oder die Kinofassung, an der Bewertung ändert sich nichts.

Ich beginne meine Kritik genauso wie Rob Zombie seinen Halloween-Film: mit einem Zitat oder vielmehr einem Sprichwort:

Es lautet: Schuster bleib bei deinen Leisten.

Rockmusiker und Videoclip-Regisseur Zombie wagte sich an einen der Klassiker des modernen Horrorfilms und heraus kam eine Mischung aus Neuinterpretation und Neuverfilmung des Stoffes mit guten, neuen Ideen und einigen schlechten Momenten.

Die Neuinterpretation ist das positivste, und macht die ersten 40 Minuten des Filmes aus. Rob Zombie versucht in einer Vorgeschichte, die die Kindheit Michael Myers erzählt, dem Zuschauer zu erklären, wie aus einem Jungen, der rein äußerlich vollkommen normal wirkt, ein bestialischer Killer werden konnte. Auch wenn hier das Klischee vom kaputtem Elternhaus und Mobbing in der Schule zitiert wird, was den Jungen dazu bringt, seinen angestauten Hass zuerst an Tieren auszuleben, so ist gerade diese Erklärung für die darauf folgende Eskalation von Gewalt glaubwürdig und bringt frischen Wind in eine einst so erfolgreiche Horrorfilm-Reihe, die nach 8 Teilen ausgelutscht ist.

Auch wenn die Darstellung Michaels Familie überzogen wirkt, so ist das Milieu doch realistisch dargestellt und die schauspielerischen Fähigkeiten aller Akteure wissen zu überzeugen. Vor allem erkennt man in dem Gesicht des jungen Michael den ganzen aufgestauten Hass, der sich wenig später entladen wird. Dass Michaels Familie so krass dargestellt wird, war für mich anfangs eine Überraschung, doch was will man von einem Regisseur wie Rob Zombie erwarten, in dessen Kosmos es anscheinend ausschliesslich nur Proleten und Asoziale zu geben scheint. Schaut man sich Michaels Familie an, glaubt man doch gleich, dass diese Sippe im direkten Verwandschaftsverhältnis zu dem perversen Clan rund um Captain Spaulding gehört, jener blutrünstigen Familie aus Zombies beiden Werken "Haus der 1000 Leichen" und "The Devil´s Rejects".

Auch wenn Michaels Vorgeschichte einer der Pluspunkte ist, muss hier leider erwähnt werden, dass zumindest die Sitzungen mit Dr. Loomis absolut uninteressant dargestellt sind, hier hätte ich mir doch etwas mehr intellektuelle Dialoge und Tiefgang gewünscht, etwas mehr Eintauchen in Michaels Psyche.
Davon abgesehen ist die Darstellung (nicht die schauspielerische) des Dr. Loomis ebenso ein Fehlgriff.
Nichts von den charismatischen Eigenschaften von Dr. Loomis aus dem Original ist geblieben, stattdessen serviert uns Zombie auch hier einen langhaarigen Alt-Hippie mit Sonnenbrille, der seine eigene Ehe nicht in den Griff zu kriegen scheint. Darstellerisch kommt McDowell an Pleacense auch nicht heran, aber auch seine Leistung ist akzeptabel.
Ein weiterer Minuspunkt ist die teilweise theatralische Synchronisation des Dr. Loomis, was besonders schlimm auffällt, wenn Zombie ihm und allen anderen Darstellern vollkommen sinnlose Dialoge in den Mund legt. Da wird dann beispielsweise Myers als "Anti-Christ" bezeichnet - demzufolge Kopf schütteln meinerseits.

Trotzdem finde ich die Vorgeschichte durchaus gelungen als Einführung für das weitere Geschehen, das 15 Jahre später spielt und somit die Handlung des Originals neu darstellt:

Leider gingen von da an dem guten Rob Zombie die eigenen Ideen aus und wir finden uns erneut wieder in Rob Zombies Kosmos, in dem selbst eine Laurie Strode, im Original noch die keusche Jungfrau, hier nun aber eine Schlampe von vielen ist, deren Wortschatz nur aus "ficken", "vögeln" und ähnlichem besteht.
Nach zwei kurzen ironischen Brechungen (der amüsante Cameo von Ken Foree als Trucker Grizzly und Dr. Loomis kurzem Einkauf in einem Waffengeschäft) setzt sich das ansonsten bierernste Treiben fort.
Es wechseln sich dabei billige, ordinäre Sexszenen ohne den Hauch eines Funkens von Erotik mit diversen Morden ab.
Ein Spannungsaufbau ist hier nicht auszumachen, da dieser dem Motto "Blut für die Massen" geopfert wird.
Im Minutentakt metztelt sich Myers durch das Städtchen. Bis zum Finale fließt eine Menge Blut, auch wenn die Tötungsszenen nicht so brutal sind, wie sie bei Zombie hätten ausfallen können. Zwischendurch wird noch die wahre Identität von Laurie Strode in drei knappen Sätzen erklärt und somit auch die Frage beantwortet, warum Myers hinter ihr her ist.

Das Finale ist übertrieben in die Länge gezogen, da hier nichts anderes gezeigt wird, als dass Michael hinter Laurie her ist und dabei jede Menge Kleinholz hinterlässt. Dabei ist fast die Hälfte des Finales nicht viel zu erkennen, da es auf einem dunklen Dachboden spielt.

Und somit wird die zweite Hälfte des Films - die eigentliche Neuverfilmung des Halloween-Stoffes - zur harten Bewährungsprobe für den Zuschauer. Denn war die Vorgeschichte noch interessant erzählt und wirklich etwas neues, so bietet die Neuverfilmung des bekannten Stoffes wenig neue Ideen und vielmehr eine lieblos herunter gekurbelte Nummernrevue von Morden im 5-Minuten-Takt. Hier und da wird das Original zitiert, mehr als blosse Kopien bekannter Szenen aus dem Original sind aber nicht auszumachen.

Dass die Figur des Michael Myers durch die Vorgeschichte entmystifiziert wird finde ich nicht, vielmehr macht Zombie den Fehler, schon sehr früh Michael als unverwundbar darzustellen:
Zwei Streifenpolizisten schiessen mehrmals auf Michael - ohne, dass er Verletzungen davon trägt. Viel zu früh wird hier die Unverwundbarkeit des absolut Bösen - was er ja ist - gezeigt und somit nimmt der Regisseur sich selbst die Chance, Spannung zu erzeugen. Wer das Original kennt, der weiss, dass Michael nicht zu töten ist. Aber bei einer Neuverfilmung, bei der man schon angesichts der Vorgeschichte nicht wissen kann, welche eigenen Ideen der Regisseur für sein Finale bereit halten wird (beispielsweise ob Michael nicht doch getötet werden kann), verliert die Spannung und die Frage danach an Reiz, wenn der Zuschauer schon eine halbe Stunde vorher gesehen hat, dass unzählige Kugeln Michael nicht aufhalten können. Demzufolge ist der finale Kopfschuss am Ende eine der weniger guten Ideen, die lediglich eingebaut wurde, um den Blutzoll hochzuhalten.

Insgesamt gesehen ist nach Rob Zombies vorherigen Filmen diese Neuverfilmung sein bestes und ausgereiftetes Werk. Ich bezweifle allerdings, ob eine Steigerung möglich ist. Auf die Dauer sind Filme mit Dialogen, die nur aus Kraftausdrücken und endlosem Gemetzel bestehen, einfach nur langweilig, vor allem, wenn der Film mit einer Laufzeit von 105 bzw. 116 Minuten viel zu lang geraten ist.

Meiner Meinung nach rettet vor allem die Vorgeschichte Rob Zombies Werk davor, sich in eine Kette von Remakes einzureihen, die die Welt nicht braucht. Vielleicht hätte es der Regisseur auch einfach bei der Vorgeschichte bleiben lassen sollen und den Film mit dem Ausbruch nach 15 Jahren enden lassen sollen.

Oder der Schuster wäre bei seinen Leisten geblieben, denn wenn ein Rockmusiker und Hobby-Regisseur mit Hang zur Obszönität und Gewaltverherrlichung sich an einen Klassiker wie Halloween vergeht, so kommt dies schon einer Vergewaltigung gleich.

In diesem Sinne: 6/10, da die eigene Klasse der Vorgeschichte nicht bis zum Ende durchgehalten wird und vor allem nach der Vorgeschichte eigene, gute Ideen fehlen und der Film mit zunehmender Dauer nur noch langweilig ist.

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