Review
von Leimbacher-Mario
Director's Cut
Michael Myers ist doch „nur“ ein Mensch?!
„Halloween“ besteht als Reihe aus mehr Kuddelmuddel als nahezu jede andere Slasherikone. Die zwei Filme vom guten Rob Zombie zum Myers-Mythos stehen aber erstaunlich solide auf festen beiden und eigenständig im Sumpf der Neuinterpretationen, haben über die Jahre nur an Wert, Kraft und Interesse gewonnen. In „Halloween“ von 2007 widmet er dem jungen Michael Myers und seiner zerstörerischen White Trash-Patchwork-Familie nahezu die komplette erste Stunde - bis er mit einem Zeitsprung in die bekannte Szenarie um Haddonfield, Laurie Strode und den 31. Oktober, Michaels Lieblingstag, eintaucht…
Meiner Meinung nach hätte ein „Halloween“-Remake ohne Rob Zombie auf dem Regiestuhl in 998 von 1.000 Fällen schlechter ausgesehen als diese Version, die letztendlich das Licht der Welt erblickt hat. Im noch besseren Director's Cut erst recht. Und um zu dieser Erkenntnis zu kommen, muss man nichtmal totaler Rob Zombie-Fan sein. Bin ich auch nicht. Aber seinem „Halloween“-Update kann ich viel abgewinnen, konnte ich von Beginn an als ich ihn damals im Kino sah. Man merkt, dass Zombie selbst großer Fan des Stoffes war und ist, jedoch auch die dicken Eier hat sein eigenes Ding größtenteils durchzuziehen. Und das hebt in Kombination mit der ziemlich rohen Gewalt und dem dreckigen Unterschichten-Look und -Gefühl diese Version von etlichen wesentlich blasseren und unnötigeren Remakes ab. Vor allem die ausführliche Charakterisierung Michaels und seinen familiären Umständen in der ersten Filmhälfte ist schon etwas Besonderes, (trotz comichafter Überzeichnung) nicht unrealistisch und mindestens diskussionswürdig, gedankenanregend, eigen. Das allein schafft nur ein Bruchteil an Neuauflagen. Selbst wenn er so nicht mehr das „pure Böse“ zu sein scheint. Oder gerade noch unverständlicher und beängstigender wird, wie er sich zu dieser eiskalten Killermaschine entwickeln kann?! Dazu dann noch ein paar schmutzig-geniale i-Tüpfelchen wie ein sensibel-rockiger Soundtrack (immerhin ist Zombie da mehr als Experte), klasse Kultdarsteller wie Malcom McDowell oder Brad Dourif und ein Tyler Mane als imposanter, mächtiger und hulkiger (und imo bisher bester) Myers - fertig ist ein atmosphärisches, siffiges und doch zeitloses Vorzeigestück in Sachen Horrorremakes. Selbst wenn die zweite Hälfte sich doch sehr nah ans Original hält. Aber spätestens mit dem noch umstritteneren zweiten Teil löste Zombie ja (im Guten wie im Schlechten) alle Fesseln…
Fazit: sehr dreckige und doch menschliche Version des ursprünglichen „Halloween“-Mythos. Kein Gegensatz, sondern Zombie pur. Top Remake. Eigenständig und elendig brutal.