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Nach einer von vielen durchsoffenen Nächten beschließt Mort (John Malkovich) seine Schwester (Dana Delany) zu besuchen. Diese nimmt ihn auf, wenn er verspricht nicht zu trinken und auf ihren Sohn Abe (Jacob Zacher) aufzupassen. Abe träumt mit einem Freund von einer großen Segeltörn und will ein Boot kaufen, das ein windiger Geschäftsmann (John Goodman) notdürftig geflickt hat…

„Drunkboat“ beginnt mit einem Auszug aus dem schwer zugänglichen, gleichnamigen Gedicht, zu deutsch „Das trunkene Schiff“, des großen französischen Lyrikers Arthur Rimbaud (1854-91). In Bob Meyers Independent-Film kann das in zweierlei Hinsicht verstanden werden: zum einen würde das lieblos instandgesetzte Schiff, das Träumer Abe sich ausgeguckt hat, sollte es jemals zur See gelassen werden, schnell absaufen, zum anderen ist natürlich Mort gemeint, der in der vertrauten Umgebung seiner glücklichen Kindheit – die Schwester wohnt noch im Elternhaus – versucht endlich vom Alkohol wegzukommen. John Malkovich („The Killing Fields“ 1984, „Der Fremde Sohn“ 2008) spielt diese Rolle mit der gewohnten Intensität und vor allem hoch realistisch als Suchtkranker, wenn er mit zerzaustem Haar und suchendem Blick durchs Haus tigert oder mit dem Fahrrad die Umgebung erkundet, erst recht, wenn er in einen Monolog zum Thema Butterkuchen verfällt oder rückfällig den angebotenen Flachmann in einem Schluck austrinkt. Gereicht wird ihm der Suff von Schiffsverkäufer Fletcher, der die Unterschrift eines Erwachsenen braucht. John Goodman („The Big Lebowski“ 1998, „Monuments Men“ 2014) spielt den Betrüger überzeugend, aber mit deutlich weniger Engagement als Malkovich, der auch in einem kleinen Film mit wenigen Drehtagen zur Höchstform aufläuft. Buch und Regie können da nicht mithalten, manches wirkt etwas holprig erzählt und auch das Timing ist nicht immer perfekt. (6/10)

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