1998 wagte Hongkong-Star Jackie Chan („Armour of God II”, „The Medallion”) den Schritt nach Hollywood und spielte sich an der Seite von Chris Tucker in „Rush Hour“ in die Herzen der amerikanischen Fans. Seine Herkunft vergaß er aber nie und so blieb er Hongkong-Produktionen regelmäßig treu. Die waren dann auch oft besser als das, was er in Hollywood so zustande brachte. „Who Am I?” entstand noch im selben Jahr und ist eindeutig einer seiner besseren Filme, da der Slapstick zurückgeschraubt wurde und nach einem lahmen Beginn auf Action nonstop gesetzt wurde - halt in allen Belangen auf seinen Star ausgerichtet.
Die Story ist wie so oft in seinen Filmen reichlich konfus. Es geht um ein aus einem Meteoriten geborgenen Gestein, das unvorstellbar viel Energie freisetzen kann und nun von einem abtrünnigen U. S. – General an den Meistbietenden verschachert werden soll. Jackie Chan operierte als Handlanger, entging nach der erfolgreichen Mission aber der Liquidierung und wird mitten im Nirgendwo von Eingeborenen gesund gepflegt. Chan ist nicht nur schwer verletzt worden, sondern leidet von nun an auch noch unter Amnesie. Vom Wunsch beseelt seine Identität zurück zu erlangen, macht er sich schließlich auf, um mithilfe einer Wüstenrallyeteilnehmerin zurück in die Zivilisation zurückzukehren.
Drehbuch, Stunts, Regie – alles macht Jackie Chan hier selbst. Wie ein Besessener arbeitete er an dem Streifen und das sieht man ihm durchaus an. „Who Am I?” ist Hongkong-Kino, das den internationalen Markt anvisiert und deswegen neben der typischen, akrobatischen und spektakulären Action, Afrika und Europa besucht, sowie zumeist von westlichen Schauspielern getragen wird.
Nach der Auftaktmission vergeht sich Chan in der einzigen Schwächeperiode des Films zwar an seinen albernen Auftritten als Teilzeiteingeborener, doch dann geht’s so richtig los. Verfolgungsjagden und natürlich Fights und Stunts en masse dominieren den Film. Charakteristisch für sie sind die bisher unerreichte Qualität Hongkongs. Was hier streckenweise an Martial-Arts-Choreographien und atemberaubenden Stunteinlagen seitens Jackie Chan geboten wird, ist referenzverdächtig. Das Dauerfeuerwerk zeigt überraschenderweise keine Ermüdungserscheinungen, was wiederum auch seinem Star zu verdanken ist. Chan überzeugt nicht nur durch enorme Spielfreude, sondern auch durch Einfallsreichtum und so werden immer wieder die waghalsigsten Situationen ausgepackt, aus denen er sich irgendwie mit knapper Müh und Not befreien kann.
Höhepunkt dieser als Agentenhatz (C.I.A. mischt natürlich auch mit, ist aber auf Chan angewiesen) ist dann das Ende auf dem Dach eines Hochhauses, wo Chan dann in einem überlangem Kampf sich gegen zwei bestens präparierte Gegenspieler erwehren muss und zunächst ziemlich alt aussieht. Die folgende Flucht über ein abschüssiges Glasdach veredelt das dann noch.
Fazit:
„Who Am I?” gehört ganz eindeutig zu der Kategorie der besseren Chan-Filme. Da dem Humor dankbar selten Platz eingeräumt und hier stattdessen mit Autoverfolgungsjagd und Dauerkloppereien geglänzt wird, können selbst nicht sonderlich große Chan-Fans, wie ich, den Film aufgrund seiner Kurzweiligkeit und des hohen Tempos problemlos konsumieren. So abgefahrene Daueraction gibt es in Hollywood zumindest nicht. Spektakulär, atemberaubend, voller innovativer Stunteinlagen – ein Fest für die Sinne. Sofern man sich für so inhaltslose Werke, die keinen Anspruch erheben intelligent oder tiefsinnig zu sein, begeistern kann.