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Who Am I? Das fragt sich Jackie Chan in diesem rasanten Actionabenteuer zu recht, ist er doch auf der Suche nach seiner verlorenen Identität. Kurze Zeit später gelang ihm endgültig der internationale Durchbruch mit „Rush Hour“, doch auch diese Hongkong Produktion geizt nicht mit Schauwerten.

Jackie ist Mitglied einer geheimen Spezialeinheit, verliert bei der Bergung eines Meteoritenfragments aber auf mysteriöse Weise sein Gedächtnis. Als er zur Besinnung kommt, findet er sich im Kreise eines afrikanischen Eingeborenenstammes wieder. Da er nicht weiß wo und wer er ist, freundet er sich mit den Einheimischen an, wird sogar Mitglied des Stammes. Sein Hilferuf wird fälschlicherweise für sein Name gehalten: WhoAmI. Doch die fehlende Erinnerung macht Jackie bald zu schaffen, weshalb er sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit macht. Doch auch skrupellose Verbrecher und das CIA sind ihm auf der Spur, da sein Wissen ihre Pläne durchkreuzen könnte.

„Who Am I?“ wirft Jackie nach kurzem Prolog in die afrikanische Wüste, wo er wieder sein komödiantisches Talent zum Besten geben darf. Er macht nicht nur als Eingeborener eine gute Figur, auch die kulturellen Missverständnisse sorgen für Erheiterung. Als Jackie endlich wieder mit der Außenwelt in Kontakt kommt, geht er glatt als Kannibale durch als er eine heilende Kräuterpaste für einen Verwundeten kaut. Die anschließende Gesichtslähmung gehört sicher zu den witzigsten Szenen im gesamten Film.
Das „Who Am I“ mehr ist als eine Komödie mit Actionkasper Jackie Chan, ist zur Abwechslung mal dem durchdachten Script zu verdanken. Sieht man mal von der absurden Ausgangsituation mit dem Meteoriten ab, der in falschen Händen als Waffe taugt, gab man sich richtig Mühe alle Handlungsorte sinnvoll zu verknüpfen und Jackies Jagd nach seiner Vergangenheit interessant zu gestalten. Es dauert aber eine Weile bis der Streifen richtig in die Gänge kommt, besonders der Auftakt im Busch hätte auch kürzer ausfallen können. Spätestens mit der Schauplatzverlagerung nach Rotterdam nimmt aber dann auch das Tempo zu. So gibt es einige interessante Plottwists und die Fronten zwischen Gut und Böse sind nicht immer klar zu trennen. Als ernstzunehmender Thriller geht der Film zwar nicht durch, aber das war auch nicht beabsichtigt. Glücklicherweise übertreibt man es nicht mit dem Griff in die Klamaukkiste, zwar ist die Stimmung allgemein als locker zu beschreiben, es wird aber auch nie peinlich. Deplatziert sind hingegen die CGI-Effekte, die ein Hongkong Actioner Marke Chan eigentlich gar nicht nötig hat. Hier wollte man wohl in Sachen Bombast Hollywood Paroli bieten, was aufgrund der mangelhaften Umsetzung leider nach Hinten losgeht.

Jackie macht das was er am Besten kann und präsentiert wieder zahlreiche Highlights die das Herz jedes Actionfans höher schlagen lassen dürfte. Tatkräftige Unterstützung erhält er dabei von seinen weiblichen Co-Stars Mirai Yamamato und Michelle Ferre, die sich neben dem Superstar gut behaupten können. „Who Am I?“ kann in Sachen Action locker mit amerikanischen Produktionen mithalten, orientiert sich aber vielleicht in der Umsetzung etwas zu sehr an Hollywood. So dauert es ein Weilchen bis es richtig losgeht, dafür steigert sich das Tempo bis zum furiosen Finale umso mehr. Klasse eingefangen wurde die Autoverfolgungsjagd zwischen Jackie und seinen Häschern, die in jeder Hinsicht eine Augenweide ist. Von Jackies Qualitäten als Stuntman und Martial Artist sieht man lange Zeit nichts, umso überraschender das auf der Zielgeraden noch einige besondere Leckerbissen serviert werden. Mit Ron Smoorenburg und David Leung warten zwei geübte Kämpfer auf Chan, die ihm auch ordentlich einheizen. Als Location dient ein Hochhausdach, das durch seine schwindelerregende Höhe eine angenehme Abwechslung zum 0815-Set bietet. Zudem wurde der Fight erstklassig choreographiert, besonders die erstklassige Beinarbeit von Ron Smoorenburg (bzw. seinem Stuntman Bradley James Allen aus „Under Control“) ist bemerkenswert. Die anschließende Rutschpartie über das Glasdach des 20. Stocks unterstreicht obendrein mal wieder Jackies Ausnahmestellung als Stuntman.

Fazit:
Gelungenes Actionabenteuer, das aufgrund seiner westlichen Ausrichtung nicht nur für eingefleischte Fans eine Empfehlung wert ist. Lediglich der etwas ausgedehnte Auftakt ohne nennenswerte Actionkomponente trübt den Gesamteindruck etwas.

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