Review

„Ich habe ihr die Kehle aufgeschnitten und sie wie ein Schwein ausbluten lassen. Sie hing dann über einen Monat im Schuppen.“

„Brett ist nicht sehr wählerisch. Er hat es noch nie mit einem menschlichen Weibchen getrieben.“

Der Film beginnt mit einer Autofahrt auf einer gewundenen Küstenstraße nahe des einladenden Meeres. Mit einer Segelbootstour vertreiben sich ein Anwalt und dessen pferdeschwanztragende Frau die Zeit. Blöd nur, dass bald ein Sturm aufzieht. Die niedrigen Mangrovenwälder am Rand der Insel, auf der die beiden bald stranden, wirken im Zusammenspiel mit der bedrohlichen Musik sehr bedrückend. Generell ist die Atmosphäre und Aufmachung schön dreckig und bis zum Abspann formidabel gelungen – Nacht, Nebel, Regen und Licht wirken zusammen einfach großartig.

Diese Szenen sind mit schön dynamischer Kamera sowie nach und nach graueren, kontrastreicheren Farben gefilmt. Ein cleverer Trick, um nicht auf einen realen Sturm hoffen zu müssen. Eine Sturmwarnung gibt es vorher übrigens gar nicht, obwohl der Titel ja so lautet.

Mit einer guten Geschichte kann dieses Werk eher nicht punkten, es ist im Prinzip eine Beinahe-Rape-and-Revenge-Story, nur ohne nackte Haut. Interessanterweise funktioniert diese ständige Angst vor den körperlichen Übergriffen fast noch besser als Spannungsgeber. Die Darsteller in der wunderbar verdreckten Farmhütte mit angrenzendem Cannabis-Gewächshaus passen perfekt zu ihren Rollen mit der derben Sprache und dem brutalen Auftreten. Man denke an „Blutgericht in Texas“ oder die kranke Familie aus Resident Evil 7. Besonders gut gelungen ist der Monolog des perversen Vaters, gebeugt über die nur augenscheinlich wehrlose Dame, in dem er daherfaselt, wie er seine Ex-Negerbraut mit dem Häcksler zu Hundefutter verarbeitet hat. Nur die zwei Hauptdarsteller mit denselben paar Gesichtsausdrücken bieten kein nennenswertes Schauspiel.

Kleine Anmerkung zur Synchro: Christoph Jablonka, den ich als Lemony Snicket in „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ geliebt habe, spricht hier den Good-Guy.

Splatter kommt wirklich erst sehr spät, dafür aber recht kreativ. Eine gebastelte Falle aus Angelschnüren schneidet sich ins gequälte Gesicht eines der Typen, schön in Nahaufnahme zu sehen. Die Idee mit der eingeführten zackigen Widerhaken-Flasche als Keuschheitsgürtelersatz ist schlau und für den Zuschauer befriedigend – für den Vergewaltiger eher weniger. Auch der blutige Fall in einen Propeller ist wirklich gut umgesetzt, wobei eine kurze Einstellung künstlich wirkt. Das klingt natürlich alles echt hart, dauert aber jeweils nur wenige Sekunden und wird keineswegs in die Länge gezogen. Das Blitzgewitter, gerade im Finale, empfinde ich als total übertrieben, da bekommt man glatt Epilepsie beim Zusehen.

Die Beschlagnahme ist absolut lächerlich, angeblich sei dieser Film „menschenverachtend“. Die Juristenkommission der SPIO hatte vorher übrigens für diese Uncut-Fassung „keine schwere Jugendgefährdung“ vergeben, also das harmlosere der zwei Freigabesiegel. Heißt: Eine Gruppe richtiger Profi-Juristen gibt das OK, irgendein 80-jähriger Richter danach aber das gegenteilige Urteil – das ist einfach so ein Idiotenverein hier im „Rechtsstaat“ Deutschland!

Vor meiner Sichtung habe ich mich schon auf die härteste Kost eingestellt, bin nun aber einfach überrascht, wie vergleichsweise harmlos der Film ist. Erst nach über der Hälfte der Laufzeit sind überhaupt irgendwelche Splattereinlagen zu sehen. Die Köpfung des armen Babykängurus zählt ja nicht, denn laut des ach so sozialen deutschen Rechts sind Tiere bekanntlich Sachen – und Sachbeschädigung ist nicht gewaltverherrlichend. In den 70ern oder frühen 80ern hätte ich diese Beschlagnahme noch nachvollziehen können, heute gibt es eigentlich ganz andere Maßstäbe.

Aber verdammt nochmal, ernsthaft, die ganze Welt macht sich wegen dieser Willkür über uns Deutsche lustig oder bemitleidet uns! Selbst der Regisseur hat sich persönliche zur Beschlagnahme geäußert: „Ich hasse es zu hören, daß deutsche Zuschauer mit dieser Art von Zensur leben müssen. Ich glaube nicht, daß irgendjemand das Recht haben sollte, etwas zu verbieten – es sei denn, es enthält reale Aufnahmen, die kriminellen oder ausbeuterischen Inhalts sind.“

Gesehene Fassung: Uncut Blu-ray (Unrated) mit deutscher Synchro
Meine Screenshots: https://berny23.de/storm-warning-2007/

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