Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen DVD-Fassung von Sony Pictures Home Entertainment!
In einem New Yorker Problemkiez tauchen immer wieder paarweise Leichen auf. Diese werden immer nach dem gleichen Muster gerichtet: eine durch Strom getötet und mit W?Z gebrandet, die andere, immer eine dem Toten nahe stehende Person, grausam gefoltert. Eddie Argo und seine neue Partnerin Helen nehmen die Spur des Falles auf. Die rätselhafte W?Z-Gleichung kann entschlüsselt werden als sie der Laborassistentin Jean auf die Spur kommen: es handelt sich um einen Liebestest. Die Opfer stehen vor der unmenschlichen Wahl ihren Liebsten zu töten, oder selbst zu sterben.
Die Story liest sich sehr gut, auch wenn sie dem Zuschauer bekannt erscheinen mag. Und ganz richtig: "WAZ" hat sich die Filmreihe "SAW" zum klaren Vorbild auserkoren, ohne auch nur annähernd deren Klasse zu erreichen.
Dabei halten sich Drehbuchautor Clive Bradley und Regisseur Tom Shankland geradezu sklavisch an das Rezept, das die "SAW"-Filme so ungeheuer erfolgreich macht. Doch selbst die Teile 2 - 5 erreichten nie mehr die Intensität des ersten Teils von "SAW", obwohl in den Fortsetzungen die Story stets die gleiche war und nur die Darsteller ausgetauscht wurden.
Welch Trugschluss anzunehmen, dass detailierte Foltereinlagen, ein dreckiges Milieu, kaputte Protagonisten und eine fragwürdige Einstellung zur Selbstjustiz ausreichen, um einen würdigen "SAW"-Abklatsch zu erschaffen.
Nach 35 Minuten ist der Täter und sein Motiv bekannt und es handelt sich nicht um einen charismatischen Bösewicht wie John Kramer, sondern um eine Frau, die Opfer eines abscheulichen, menschenunwürdigen Verbrechens wurde, für das sie sich nun in blinder Selbstjustiz an ihren Peinigern und deren Angehörigen rächt.
Während in "SAW" ein von persönlichen Schicksalen gebeutelter und vom Krebs zerfressener John Kramer seinen Opfern Prüfungen auferlegt, um zu testen, wie sehr sie ihr Leben schätzen und welche Opfer sie bringen würden, um es zu retten, stellt das Vergewaltigungsopfer Jean in "WAZ" ihren Opfern die Frage, welche Qualen sie ertragen, nur um das Leben ihres Liebsten zu retten.
Um dem Vergleich mit dem großen US-Vorbild gerecht zu werden, greift auch hier Jean zu diversen Folterinstrumenten, die bei weitem nicht so einfallsreich sind wie die mittelalterlichen Werkzeuge, mit denen es in "SAW" den Opfern bis an die Knochen geht.
Doch trotz der vielen guten Zutaten, ist die WAZ-Gleichung nicht ganz aufgegangen und das Süppchen gründlich versalzen, denn "WAZ" bietet bis auf eine dramatische Szene im Mittelteil und den letzten 25 Minuten nichts weiter als Langeweile, verwackelte Kameraeinstellungen, ein paar übel zugerichtete Leichen und einen Stellan Skarsgard, der absolut fehlbesetzt ist: Ein Bärtchen, ein finsterer Blick, Kette rauchen und die Stumpen cool wegschnippen reichen noch lange nicht aus, um ihm den harten, abgebrühten Cop mit Dreck am Stecken abzunehmen, vor allem dann nicht, wenn die Synchronstimme auch nicht ansatzweise zum Typ passt.
Eddie Argo, so der Name des rauen Ermittlers, ist an Jeans Schicksal nicht ganz unschuldig und tritt damit in die Fußstapfen des Danny Wahlberg aus "SAW II", der ebenfalls einen zwielichtigen Cop dargestellt hatte. Argo hat zu einem weiteren Beteiligten von Jeans Vergewaltigung ein ganz besonderes Verhältnis, das über die gewöhnliche Cop/Informanten-Beziehung hinausgeht, was allerdings aufgrund seines Verhaltens mehr als offensichtlich ist.
Warum sich allerdings ein gestandener Mime wie Skarsgard dafür hergibt, einen rauen Cop zu spielen, der einem schwarzen Stricher verfallen ist und im Finale nackt an einen Stuhl gefesselt wird, um sich nach diversen Foltereinlagen wie ein Tier die Kehle durchschneiden zu lassen, ist mehr als fraglich.
Selma Blair, auf durchgeknallte Rollen spezialisiert, ist in "WAZ" jedenfalls besser aufgehoben als im Leuchtturm vom Remake zu "The Fog - Nebel des Grauens". Sie spielt das Vergewaltigungsopfer und die Folterknechtin recht überzeigend.
Dass dieser Thriller nicht mit der Tiefstbewertung abschneidet, obwohl er dafür ein heißer Kandidat war, hat der Film seinem Finale zu verdanken.
Die letzten 25 Minuten gestalten sich dann doch noch etwas spannend, dramatisch und aufgrund einiger Foltereinlagen sehr blutig. Dass sich der Ermittler als unsauber herausstellt ist zwar vorhersehbar, aber ein Storytwist, den der ansonsten langweilige Film bitter nötig hat.
Insgesamt bleibt jedoch nichts weiter als ein fader "SAW"-Aufguß von einem Drehbuchautor und einem Regisseur, die nicht in der Lage sind, geliehene Ideen aus dem erklärten Vorbild entsprechend unterhaltsam und spannend umzusetzen. Lediglich die Tatsache, dass hier auch ein kleines, unschuldiges Kind Opfer der Selbstjustiz wird, unterscheidet sich vom Original und stößt bitter auf. Diese kleine Grenzüberschreitung macht noch lange keinen guten Film, denn davon ist "WAZ" weit entfernt.
3 von 10 Stromstöße!