Review

Hier haben wir also eine Horror-Punk-Mischung von Aschenputtel, einschließlich eines Pakts mit dem Teufel. Kleine Parallelen zum Märchen sind zu erkennen, doch der Rest mutiert zusehends zu einem wirren und zugleich zähen Brei aus uninspirierten Bildkompositionen und einer dramaturgisch übel ausgearbeiteten Geschichte.

Aschenputtel heißt hier Cinder und wartet sehnsüchtig auf ihren 21. Geburtstag. Denn nach dem Tod ihres Vaters ist das Leben mit ihrer Stiefmutter und den Stiefschwester-Zwillingen nicht leicht, das Geld aus einem fest angelegten Fond könnte Abhilfe schaffen. Doch auch Stiefmutter hat einen Plan, um Cinder erst gar nicht so alt werden zu lassen…

Zumindest von der Idee her bietet der Streifen keine typische Independent Produktion, - mal keine Zombies und mal keine Foltereinlagen. Doch mit der Ironie, die an das originale Märchen anknüpfen könnte, ist es nicht weit her.
Nur wenige Szenen gönnt man der abgedrehten Stiefmutter, die früher in der anrüchigen Szene unterwegs war und nur selten kommen die Stiefschwestern ins Spiel, die über all die Jahre Kinder geblieben sind (was ist der Sinn dahinter…?). Immerhin hält man für Cinders intrigante Schwester in der Bibliothek ein paar makaber groteske Unfälle bereit, wie das Verfangen einer Angelschnur im Augenlid oder das Aufreißen der Zunge per Briefumschlag, - doch bei diesen kurzen amüsanten Momenten bleibt es, weil sich der Stoff ansonsten relativ ernst nimmt und vor allem mit vielen schläfrigen Szenen nervt.

Die Beziehung zu ihrem an den Rollstuhl gefesselten Freund bringt das Geschehen fast überhaupt nicht voran und auch das Erscheinen des Voodoo-Meisters Baron Samedi (ein glatzköpfiger Typ mit Totenkopf-Bemalung) bringt außer dessen französischem Akzent kaum interessante Einlagen, vor allem kein Erschaudern.
Dass der bereits zu Beginn ins Spiel kommt und man gleich am Anfang erfährt, dass Cinder von den Toten wieder auferstehen wird, nimmt der Geschichte sogleich den Wind aus den Segeln. So wartet man rund eine Stunde auf kleine Splattereinlagen, die kurz vor Ende (70 Minuten Laufzeit) auch keinen Gorehund mehr vom Kamin weglocken. Ein zermatschter Schädel, eine Faust durch den Kopf und ein herausgezogener Unterkiefer sind alles, was vom erhofften Schlachtfest übrig bleibt.

Eher nervig, weil der produktionstechnische Dilettantismus in jeder Einstellung zum Vorschein tritt, gestalten sich visuelle Spielereien und Verfremdungen, die offenbar Parallelwelten einbinden sollen. Mal hier ein Traum im Nebelwald, dann eine Szene der sexuellen Begierde im Wahn und später erscheint auch noch der tote Vater im Traum. Doch bei alledem wirkt es auf optischer Ebene wie in zehn Minuten am Heimrechner dahin geklatscht, was durch die kaum variable Kamera, den unbeherzten Schnitt und den langweiligen Bummel-Score weitgehend unterstrichen wird.

Über weite Teile fällt der Plot schlicht zu geschwätzig aus, was die unerfahrenen Darsteller kein Stück tragen können und somit das Loch an Unzulänglichkeiten auf weiter Flur vergrößern. Indes arbeitet das Drehbuch darauf hin, nicht eine Figur zu mögen, da Cinder unnahbar erscheint, kein Stück Anmut ins Spiel bringt und mehr flucht als die eigentlichen Bösewichte.
Darüber hinaus sorgen völlig aus der Luft gegriffene Einschübe für weiteres Kopfschütteln, wie etwa ein werbender Autoverkäufer oder Ausschnitte eines billigen Horrorstreifens im TV.
Fast könnte man zu dem Eindruck gelangen, dass man hier auf Biegen und Brechen eine skurrile Märchen-Mischung wie „Zeit der Wölfe“ erschaffen wollte, doch gerade mit Einbindung der surrealen und zugleich unpassend erscheinenden Momente versagt der Streifen komplett.

Was bleibt, sind ein paar amüsante Outtakes und einige kurze Splattereinlagen, ansonsten findet sich ermüdender Trash, der zu bemüht auf Kult macht, jedoch zu keiner Zeit sein handwerkliches Anfängerniveau kaschieren kann.
Kein Stück spannend und von der brauchbaren Grundidee her nahezu völlig in den Sand gesetzt. Ein schlichter Langweiler.
2,5 von 10

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