Ganze sechs Jahre zogen nach „Rush Hour 2“ ins Land, ehe man sich an ein weiteres Sequel machte – immerhin wieder mit Originalcast und Originalregisseur.
Detective James Carter (Chris Tucker) und Inspector Lee (Jackie Chan) gehen anfangs mal wieder getrennte Wege, denn die Freundschaft litt etwas darunter, dass Carter vor einigen Jahren versehentlich Lees Freundin anschoss. Selbiges erfährt man später, ist aber auch vollkommen unerheblich, denn die Chose hat nur zwei Gründe. Zum einen erklärt man, warum nicht alle Beteiligten mehr dabei sind und die beiden Buddys haben wieder mehr Reibungsfläche.
Botschafter Han (Tzi Ma) mischt auch wieder mit und hat die Hauptaufgabe angeschossen zu werden, als er einer internationalen Triadenvereinung den Kampf erklärt. Sowohl Lee als auch Carter sind bei der Verfolgung des Attentäters involviert und beide wollen den Fall aufklären – natürlich ohne Unterstützung von oben, das war im ersten Teil ja auch schon so.
Bei der Suche nach ersten Spuren entdecken sie Hinweise, dass sich der Schlüssel für die Angelegenheit in Paris befindet. Also fällt das Ermittlerduo in die Stadt der Liebe ein, um diese so richtig auf den Kopf zu stellen…
Nach qualitativen Chan-Ausfällen wie „The Tuxedo“, „Das Medaillon“ und „In 80 Tagen um die Welt“ war bei „Rush Hour 3“ Skepsis angesagt, zumal der Film recht moderat beworben wurde. Das Ergebnis ist kein Überflieger, aber besser als erwartet, wobei man nicht viel Neues erwarten sollte. Vom Rezept her folgt man arg dem ersten Teil, wieder lösen die beiden Underdogs den Fall, die Identität des Oberbösewichts folgt vom Strickmuster her dem Original. Allenfalls der Subplot um Lees Bindung zu dem Fiesling Kenji (Hiroyuki Sanada) ist etwas neuer, aber leider erweist sich ebenjener Plotstrang als unergiebig, da er der Geschichte kaum zusätzlichen Pep verleiht.
Vom Humor setzt man mal wieder auf Slapstick und Buddycomedy zwischen den ungleichen Partnern, durch erwähnte Streitigkeiten müssen beiden wieder zueinanderfinden und sich etwas zoffen. Das ist teilweise wirklich sehr komisch, z.B. der dreiste Auftritt bei der Bühnenshow oder Lees vermeintliches Schäferstündchen, an ein paar Stellen aber leider reichlich unlustig, z.B. die klamaukig-kindische Szene mit dem gigantischen Chinesen. Nett sind die Anspielungen auf die Antipathie Frankreichs gegen Amerika, gerade die Szenen mit dem Taxifahrer sind noch mal kleine Highlights. Apropos Frankreich: Ein ungeschriebenes Gesetz scheint ja zu besagen, dass jeder nicht-französische Film, der in Paris spielt, mindestens eine Szene mit Eifelturm beinhalten muss – hier ist es dann gleich der Showdown.
Prügeltechnisch ist dann auch einigermaßen was los bei „Rush Hour 3“ – zwar nicht so viel wie in den Highlights aus Chans Filmographie, doch die Kämpfe sind mal wieder temporeich in Szene gesetzt. Es mangelt ein wenig an Kreativität, die bekannten Zweckentfremdungen von Alltagsgegenständen finden kaum statt, doch solides Gekloppe bringt auch „Rush Hour 3“ zustande, wobei vor allem das Schwertduell zwischen Lee und Kenji überzeugen kann.
Jackie Chan gibt dabei dann mal wieder den sympathischen Supercop, seine Paraderolle, und kann auch beim wiederholten Aufguss dieses Strickmusters noch überzeugen. Chris Tucker ist OK, spielt sich aber in einigen Szenen so eitel in den Vordergrund (z.B. bei der Tanzeinlage als Verkehrspolizist), dass es übel aufstößt. Max von Sydow und Tzi Ma sind sehr guter Support, Hiroyuki Sanada ein wunderbar charismatischer Schurke, während Youki Kudoh als Killerlady sowie Noémie Lenoir als geheimnisvolle Französin blass und austauschbar bleiben. Einen amüsanten Gastauftritt als französischer Brachialpolizist hat Roman Polanski.
Wirklich toll ist „Rush Hour 3“ nicht geworden, aber besser als die meisten anderen Hollywoodproduktionen, die Chan in den letzten Jahren machte. Kalauer und Kloppe bieten nette Unterhaltung, das Hauptdarstellerduo harmoniert erneut, aber mehr als putziges Entertainment für Zwischendurch ist das insgesamt nicht.