Review

Literaturverfilmungen haben es grundsätzlich immer schwer, weil sie zum einen die Handlung adäquat wiedergeben, die Charaktere richtig besetzen und zum anderen den Spagat schaffen müssen, den Anforderungen der Filmindustrie gehorchend, filmisch ansprechend zu wirken.

Hier gibt es etliche Literaturverfilmungen, die auf allerhöchstem Niveau versagen bezüglich dem Anspruch, die Literatur adäquat auf Zelluloid zu bannen, dennoch als Filme mehr als gelungen gelten dürfen. Die Story derart verändert zu haben, den Schluß total versaut, den Titel des Buches ad absurdum geführt zu haben, die Besetzung nach der Beschreibung der Charaktere im Buch total in den Sand zu haben, dennoch nicht als Fehlbesetzung durchzugehen, gelang in beispielsweise vorzüglichster Weise "Der Name der Rose", welcher als Film einfach nur phänomenal ist, obwohl als Literaturverfilmung einfach nur mies umgesetzt.

Dann gibt es solche Literaturverfilmungen, die krmapfhaft minutiös der Vorlage gehorchen, sich fast sklavisch nach ihr richten und den Zuschauer dadurch zu Tode langweilen. Dies ist beispielsweise in abgemildeter Weise am Popcorn-Literatur-Verfilmungs-Werk Spider-Man auszumachen.


Um einen guten Film abzuliefern, darf man also sich nicht sklavisch nach dem Buch richten, sollte sich künstlerische Freiheiten nehmen, den Filmfluß voranzutreiben, dennoch ein homogenes Ganzes aufrecht erhalten zu versuchen.
Ob es dann gelingt, liegt natürlich Auge des Betrachters.
Was uns endlich zu diesem Film bringt.

Fangen wir mal bei der Besetzung an:
Die beiden Protagonisten harmonieren in keinster Weise miteinander und man hat des öfteren den Ausruf "Fehlbesetzung" auf den Lippen. Hier tun sich insbesondere die beiden Protagonisten hervor, und das ist in einem sogenannten epischen Liebesmelodram schon mal das erste und wichtigste K.O.-Kriterium.
Selten war Bardem so mies wie in diesem Film, Mezzogiorno ist sogar noch grottiger.

Kommen wir zur Story: Diese ist an sich schon schwer genug, verfilmt zu werden, da gerade so eine Story von seiner sprachlichen Schilderung abhängt denn einer visuellen Umsetzung. Eine Liebe, die gefühlte 8000 Jahre andauert sollte man nicht so profan in Szene setzen, wie es hier geradezu stümperhaft zelebriert wird.
Statt dieser Story den nötigen Rahmen von etwa drei Stunden Laufzeit zu geben, sich der Charakterisierung vieler wichtigen Beteiligten zu widmen, den geschichtlichen Rahmen genauer zu erkunden, wird vieles einfach nur angeschnitten, nebenbei erzählt oder einfach nur visuell mit einem Postkarten-Motivchen abgehandelt.
Die Story fängt daher an, weil einfach nur zu oberflächlich abgehandelt, schon nach 5 Minuten den Zuschauer anzukotzen, und das ist verdammt schade, denn jeder Zyniker kann bei diesem Werk eigentlich in der richtigen Umsetzung weich werden.

Es werden Jahre einfach übersprungen oder -gangen ohne nennenswert auf die Hintergründe einzugehen.
Hier begeht der Film also seinen zweiten Fehler: Er erzählt die Grundpfeiler des Buches ohne auf die Seele einzugehen, nimmt sich nicht die Zeit, das Buch nachzuerzählen, sondern rennt durch die bestimmten Stationen, als wäre es eine popelige Inhaltsangabe oder ein Klappentext.

Und letztlich noch ein Wort zur Inszenierung: Man kann keine Hochglanzproduktion einer Weltliteratur hinlegen und hoffen, die Bilder sprechen für sich, Literatur besteht aus einer Geschichte, nicht aus einer überlangen Kaffee-Onko-Werbung mit Shakira-Sounds im Hintergrund.

A Prpos Shakira, ihr Soundtrack ist zwar richtig schön, aber genauso unpassend für den Film wie der Rest, und damit also auch eine Fehlbesetzung für die Musik.

Was bleibt letztlich übrig: 2 Stunden Ärgernis, weil zu seicht, zu oberflächlich, zu poliert, zu schlecht gespielt, zu schlecht inszeniert.
Dies ist also die vierte Kategorie der Lieraturverfilmungen:
Behält alle Grundelemente bei, rennt von Station zu Station, vernachlässigt die große ganze Zusammensetzung, scheitert als Film, als Literaturverfilmung sowieso, auf ganzer Linie.

Wer auf eine gelungene Gabriel Garcia Marquez Verfilmung hofft, wird hier definitiv enttäuscht.
Auch nicht sehr gut gelungen, aber immerhin gut, ist dagegen beispielsweise "Chronik eines Angekündigten Todes", als letzter Tip ganz nebenbei.

1 Punkt

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