Review
von Petronius
Sean Penn ist - aber das wissen wir ja - ein großartiger Geschichtenerzähler und er bietet hier ein Panorama der US-amerikanischen Gesellschaft, reduziert auf wenige und dennoch typische Exemplare, ebenso wie Landschaftsaufnahmen, welche die überwältigende Schönheit von "God´s own country" voll zur Geltung zu bringen vermögen. In Emile Hirsch hat er einen Hauptdarsteller gefunden, der die Radikalität der Figur lebt, die er verkörpert. Eine Kompromisslosigkeit, wie sie wohl nur der Jugend zueigen sein kann. Und die spärlich eingesetzte Musik könnte kaum besser gewählt sein.
Die stärksten und ehrlichsten Momente des Films sind denn auch die, in denen der Hauptdarsteller allein auf sich gestellt unmittelbar der Natur ausgesetzt ist. Die in Rückblenden erzählten Blitzlichter aus seiner Familiengeschichte wirken dagegen blass und aufgesetzt - vielleicht, weil man sie schon viele Male gesehen hat. Und man hätte Penn ein etwas glücklicheres Händchen für die Besetzung der Mutter gewünscht - ein Botox-geglättetes Gesicht ist eben doch zu keiner nachvollziehbaren menschlichen Regung mehr fähig - und abgesehen davon auch ein Anachronismus! Bereits als Emile Hirsch inmitten der "Wildnis" in einen vorgeblich dort gepflückten, aber perfekt geformten roten Apfel beißt, um zu rühmen, wie gut er dieser doch schmecke, bemerkt man, dass es sich hier eben doch um eine Hollywoodproduktion handelt - wenn auch um eine wahrhaft preiswürdige!