Review

Sean Penns neuer Film als Regisseur ist für mich eine handfeste Enttäuschung. Zwar wird „Into the Wild“ vom handwerklichen und schauspielerischen Können her dem Anspruch an einen um Filmpreise konkurrierenden „Awards-Film“ gerecht. Speziell die Kameraarbeit ist eine Augenweide. Nur leider fällt der Film für mich unter anderem dadurch, dass Sean Penn als Regisseur keinerlei Distanz zu seiner Hauptfigur, einem jungen Gesellschaftsaussteiger mit manischen Zügen, aufbaut. Ganz anders als Werner Herzog in seinem genialen und thematisch ähnlichen „Grizzly Man“.

Penn bringt dem offensichtlich verwirrten jungen Mann uneingeschränktes (und in diesem Fall bedenkliches) Verständnis entgegen, romantisiert und verklärt sein oft verantwortungsloses Tun (wie er z.B. seine Eltern im Stich und im Ungewissen lässt). Zusätzlich drückt er dem Film noch einen ziemlich ekelhaften fundamentalistisch-weltverbesserlichen Stempel auf. Die Vehemenz, mit der Penn das bürgerliche Leben angreift, hat etwas ausgesprochen Kleinkariertes und Spießiges. Seine Kapitalismus- und Zivilisationskritik beschränkt sich jedoch auf oberflächliche Plattitüden und Schwarz-Weiß-Malereien, wie man sie von den meisten ideologisch geprägten Globalisierungskritikern/-Gegnern leider nicht anders gewohnt ist. Zudem wirkt es „etwas“ unglaubwürdig, wenn der Millionär Penn uns das Verbrennen von Geld als Schlüssel zur „Freiheit“ als etwas Positives, zumindest jedoch Abenteuerlich-Romantisches präsentiert. Dabei bietet diese Thematik genug Ansätze für eine intelligente und kritische Auseinandersetzung, was man aber von den ganzen Geldorfs, Bonos, Penns und anderen Promi-Wichtigtuern sicher nicht erwarten darf.

Weiterhin stört im Film die weibliche Offstimme (die Schwester der Hauptfigur), die dem Zuschauer in fast jedem Satz pseudointellektuelle, aber in Wirklichkeit kitschig-abgeschmackte Allegorien um die Ohren haut, bis man nicht mehr weiß, ob man darüber lachen oder sich ärgern soll. Zu lang ist der Film mit fast zweieinhalb Stunden Länge auch noch, obwohl er zugegebenermaßen aufgrund des hohen handwerklichen Könnens nicht langweilig wird. Rein subjektive und etwas verärgerte 5,5/10, auch wenn ich mich damit inmitten der ganzen Lobpreisungen, die dieser Film überall erfährt, in der Minderheit befinde.

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