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Rote Heringe. Überall rote Heringe...
Es ist zwar schon ein ganz alter Hut im Horrorgenre, an allen Ecken und Enden rote Heringe fallen zu lassen, aber ein Film, der sich als simple DVD-Premiere solche Mühe gibt, seinen Schlußtwist im Bemühen um Originalität zu verschleiern, verdient zumindest ein bißchen Beachtung.

Denn der Plot als solches ist auch bei „Shrooms“ nur in einigen Elementen dazu angetan, mehr als das übliche Vehikel für einen Bodycount zu sein.
Dreh- und Angelpunkt sind mal wieder sexuelle Gelüste und jede Menge Drogen, wenn auch mal nicht im Bestrafungskontext, sondern von einem ganz anderen Standpunkt aus. Denn wenn sonst solche Fehltritte als Begründungsfehltritte ausreichen, ist hier zumindest um die illegalen Substanzen gleich die ganze Handlung gestrickt.

Sechs junge Leute düsen hier nach Irland und da zur Herbstsaison sofort ab ins finstere Gehölz, weil die Pilze gerade schießen. Psychedelische Trips sind das erklärte Urlaubsziel und so schraddelt man in die bestmögliche Einöde, zwei Pärchen und ein Blondchen, das auf den einheimischen Kumpel scharf ist.
Das heißt: wenig Leute in Reichweite, alle Handys wegen eines möglichen Horrortrips (harhar) eingesammelt und jede Menge Natur. Das Bombardement der roten Heringe kann also beginnen.
Und was es da nicht alles gibt: eine alte Gruselgeschichte am Feuer über eine nahegelegene Anstalt/Schule, die natürlich Schauplatz einer Tragödie wurde und nun Anlaß zur Befürchtung gibt, daß die Überlebenden zum Meucheln noch durch den Forst stampfen, zwei abgestumpfte Hinterwäldlerhirnis, ein Typ mit Kapuze, ein kriechendes Etwas, allgemeine Konflikte und selbstverfreilich das alles gesehen durch die Brille des Psycho-Pilz-Süppchens, so daß das nur eingebildet sein kann.

„Shrooms“ hält den Zuschauer permanent an der langen Leine der Verunsicherung, was er auch muß, denn der Rest vom Sechs-Kleine-Weißbrot-Spiel ist wenig aufregend.
Die Möglichkeiten des Drogenrauschs werden nur allzu selten überhaupt richtig aufgegriffen, vielmehr kommt eine grottendämliche Idee zum Tragen, daß der Genuß eines grünen Knollenblätterpilzes nicht Visionen, sondern auch den möglichen Blick in die Zukunft verursachen kann. Da Blondie im Liebeskummer natürlich die Grasnarbe ablutscht, darf sie sich dann auch durch den Restfilm zucken und krampfen, wobei der Zuschauer nie sicher ist, ob es sich um Ausgedachtes, Gegenwärtiges oder Zukünftiges handelt.

Ins Detail gegangen wird hier eher nicht, die Morde sind teilweise eher im Off oder nur am Rande erkennbar, dafür bemüht man sich mittels Blaufilter und Abdunkelung die düstere Location ins Bild zu setzen und hat einige Male auch erheblichen Erfolg damit, denn etwas unheimlich wirkt „Shrooms“ schon bisweilen.

Die Auflösung allerdings, die öfters mal als „alles über den Haufen werfend“ und „überraschend“ bezeichnet wird, winkt dem denkenden Menschen schon aus weiter Ferne entgegen, gerade weil man die Morde nicht sieht und sie die einzige Variante ist, auf die der Film mit aller Macht nicht anspielt.

Insofern ein solider, aber inhaltlich sehr konventioneller Horrorfilm, der seine begrenzte Laufzeit aber akzeptabel nutzt, seine blassen Figuren nicht zuviel Quark reden läßt und genau so passabel unterhält, wie man das von so einer Kompaktproduktion erwartet. Ordentliche 5/10.

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