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Die ausgedehnte Vermarktung von sog. "Popstars" in Spielfilmen ist keinesfalls ein neuartiges Phänomen, wie man an den zahlreichen naiven Schlagermusikfilmen der 60er Jahre unter Beteiligung von "Muttis Liebling" Freddy Quinn sehen kann.

Der damals bei den mehr konservativen Kreisen der Nachkriegsgeneration außergewöhnlich populäre und erfolgreiche Schlagersänger versuchte sich in zahlreichen Genres vom Western bis zur Komödie und konnte so seinen Bekanntheitsgrad noch weiter steigern, obwohl sich seine schauspielerischen Fähigkeiten wahrlich in Grenzen hielten. Inhaltlich sind diese Filme erwartungsgemäß kaum der Rede wert, auch "Weit ist der Weg" macht da keine Ausnahme. Versatzstücke wie Freddy beim Singen seiner Herz-Schmerz-Lieder, Freddy in Gefahr, Freddy verliebt und Freddy als Retter der Armen inklusive Happy End finden sich regelmäßig.

Was "Weit ist der Weg" nun interessanter macht als die übrigen Quinn-Filme sind die Umstände seiner Produktion. Um 1960 in Brasilien gedreht bietet der Streifen nämlich kuriose und teilweise atemberaubende Bilder der gerade im Aufbau befindlichen neuen brasilianischen Hauptstadt Brasilia!

Freddy spielt hier einen Müßiggänger, der zunächst faul in einer Hütte am Strand liegt und sich dabei den Unmut seiner Umgebung zuzieht. Eines Tages läuft ihm ein kleines Mädchen zu, welches sich als Waisenkind entpuppt und in ihm eine Art Vaterersatz sieht. Eine Untersuchung im Krankenhaus bringt ans Licht, dass das Mädchen krank ist und operiert werden müsste. Freddy sieht sich nun gezwungen, eine Arbeit anzunehmen und wird Lastwagenfahrer, der Baumaterial von der Küste nach Brasilia fährt. Dabei kommt er sowohl mit Gangstern und der Polizei in Konflikt, trifft aber (natürlich) auch seine große Liebe...

"Weit ist der Weg" lässt kein kitschiges Klischee aus und bietet eine Abfolge gruseliger Gesangseinlagen mit vielen Herz-Schmerz- und einigen "Action"-Szenen.

Bemerkenswert sind jedoch die wirklich fantastischen Panoramen des im Bau befindlichen Brasilia mit den mitten im Dschungel aufragenden futuristischen Gebäuden und den unwirklich erscheinenden betonierten Plätzen voller Bauarbeiter. Kombiniert mit seiner kurios-kitschigen Handlung wirkt dieser Film daher auf den heutigen Zuschauer wie eine Halluzination.

Inhaltlich und schauspielerisch wie alle Quinn-Streifen zwar eigentlich keine drei Punkte wert, kann man diesen Film aufgrund der geschilderten Besonderheiten jedem filmgeschichtlich Interessierten mit gutem Gewissen als Kuriosität empfehlen. Daher fünf von zehn Punkten.

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